Läster-Attacke gegen NDR-Moderator

Interview-Eklat: Katja Riemann schlägt zurück

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Katja Riemann versteht den Shitstorm gegen sie nicht und legt sogar noch gegen NDR-Moderator Hinnerk Baumgarten nach.

Berlin - Nach ihrem aufsehenerregenden Interview im NDR-Fernsehen hat Schauspielerin Katja Riemann Unverständnis über den Wirbel geäußert und gegen den Moderator nachgelegt.

"Am Donnerstag vergangener Woche hat sich offensichtlich ein Phänomen ereignet. Ich versuche bislang es zu begreifen... vergebens", schrieb die 49-Jährige auf ihrer Homepage. Sie gab zugleich zu: "Ich habe wahrhaft bessere Interviews gegeben!"

Zugleich legte Riemann noch eine Breitseite gegen Moderator Hinnerk Baumgarten (45) nach: "Es ist irre lustig, wenn ein Moderator zwischen den Gesprächen sich in der Kamera spiegelt und laut äußert, wie geil er aussieht..."

Das Gespräch vom 14. März im Abendmagazin "DAS!", in dem die Chemie zwischen Riemann und dem 45-jährigen Moderator sehr offensichtlich nicht stimmte, war in wenigen Tagen zum Internet-Hit geworden. Allein ein Zusammenschnitt bei YouTube verzeichnete bis Mittwochabend fast eine Million Klicks. Im Internet wurden das Interview und sein zäher Verlauf tausendfach kommentiert, vielfach hämisch und teilweise auch beleidigend. (Sehen Sie hier das Interview)

Ihre Facebook-Seite und ihre Homepage seien "unter dem virtuellen Wirbelsturm" zusammengebrochen, schrieb Riemann, die einige rethorische Fragen stellte, etwa: "Gibt es Verhaltenskodexe in öffentlichen Formaten, die mit der Abwesenheit von Wahrhaftigkeit zu tun haben?" Riemann betonte: "Ja, es ist die Wahrheit, dass ich meinen Beruf liebe und gern über meine Arbeit spreche; wahr ist auch, dass das Reden über meine Person, oder Personen in meinem nahesten Kreis, mir schwer fällt."

Bekannte Shitstorm-Fälle

Facebook und Twitter bieten Unternehmen eine Plattform, um mit Kunden ins Gespräch zu kommen. Manchmal geht das gehörig schief: Dann braut sich ein Sturm der Empörung zusammen, im Netzjargon Shitstorm genannt. Glück im Unglück ist, wenn das Image nicht drunter leidet. © dpa
DELL: Einen der ersten Shitstorms löste der amerikanische Blogger und Journalismus-Dozent Jeff Jarvis 2005 aus. Er postete seinen Frust über den Kundenservice und die Produkte des Computerherstellers Dell - andere Nutzer schlossen sich an. Über die „Dell Hell“ (Dell-Hölle) berichteten auch zahlreiche Medien. © dpa
NESTLÉ: Die Umweltschutzorganisation Greenpeace startete 2010 eine Kampagne gegen den Schokoriegel Kitkat. Der Vorwurf: Durch die Nutzung von Palmöl werde der Regenwald und damit der Lebensraum der Oran-Utans zerstört. Das Schock-Video der Umweltschützer verbreitete sich rasant. Hersteller Nestlé ließ den Clip und die vielen Kommentare aus dem Netz löschen. Die Reaktionen darauf waren noch heftiger. © dpa
O2: Ein Blogger beschwerte sich 2011 wegen Netzproblemen bei dem Unternehmen - und bekam die Antwort, es handele sich um einen Einzelfall. Daraufhin startete er die Aktion „Wir sind Einzelfall“. Tausende Betroffene meldeten sich. O2 gestand bald ein, dass es nicht nur Einzelfälle gab und versprach, sein Netz auszubauen. © dpa
SCHLECKER: 2011 geriet ein Brief des mittlerweile insolventen Unternehmens an die Öffentlichkeit, in dem es seinen neuen Slogan „For You. Vor Ort.“ mit dem „niedrigen bis mittleren Bildungsniveau der Zielgruppe“ verteidigte. Auf Facebook, Twitter und im Blog der Firma reagierten die Nutzer empört. © dpa
ING DIBA: Nach einem Werbespot, in dem Basketballer Dirk Nowitzki eine Scheibe Wurst verspeist, fluteten Vegetarier und Veganer Anfang 2012 die Facebook-Seite der Bank. Nach einer Weile schloss das Unternehmen die Diskussion und ließ keine neuen Kommentare zu dem Thema mehr zu. © dpa
PRIL: Der Henkel-Konzern wollte 2011 im Netz das Design für eine limitierte Edition seines Spülmittels Pril bestimmen lassen. Das Unternehmen fand den Favoriten der Nutzer mit einem Grillhähnchen auf dem Etikett wohl unpassend und ließ eine Jury die beiden Designs mit den wenigsten Stimmen aus den Top 10 auswählen. Die Teilnehmer fühlten sich verschaukelt und machten ihrem Ärger im Internet Luft. © dpa
DEUTSCHE BAHN: Quer durch Deutschland für 25 Euro - mit einem solchen Sparangebot wollte die Deutsche Bahn im Oktober 2010 die Nutzer auf ihre Facebook-Seite locken. Doch viele kamen nicht wegen des „Cheftickets“, sondern um ihrem Ärger über verspätete Züge insbesondere nach einem stundenlangen Streik sowie das Bauprojekt Stuttgart 21 Luft zu machen. Darauf war die Bahn nicht vorbereitet, viele Kommentare blieben unbeantwortet. Im Sozialen Netzwerk braute sich ein Shitstorm zusammen, ein unkontrollierter Sturm aus Wut und Empörung. © dpa

Die Schauspielerin nannte es "eine traurige Sache, wenn Verabredungen während einer Sendung nicht eingehalten werden" - doch davon müsse man wohl ausgehen, wenn man sich öffentlich bewege.

Der "DAS!"-Verantwortliche Thomas Kühn (NDR-Abteilungsleiter Vorabendmagazine) sagte dazu am Mittwochabend der Nachrichtenagentur dpa: "Wir können den Vorwurf, es seien Verabredungen während der Sendung nicht eingehalten worden, überhaupt nicht verstehen." Grundsätzlich führe eine Mitarbeiterin ein Vorgespräch mit dem Gast, in dem auch die Sendung erklärt werde. Dies sei bei Frau Riemann auch noch einmal direkt vor der Sendung geschehen. "Es gab auch keinerlei Vorgaben von ihrer Seite, an die wir uns nicht gehalten haben könnten."

Riemann dankte auf ihrer Homepage Familie, Freunden und Kollegen, die ihr "in der Dunkelheit ein Licht" angemacht hätten, außerdem auch "jenen Journalisten, die so kluge, sachliche Artikel verfassten".

dpa/fw

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