Früherer Football-Star

O.J. Simpson kommt frühzeitig auf Bewährung frei

Seit fast neun Jahren sitzt Ex-Footballstar O.J. Simpson wegen eines bewaffneten Raubüberfalls im Gefängnis. Ein Ausschuss begnadigt ihn.

Carson City (dpa) - Der frühere amerikanische Football-Star O.J. Simpson (70) darf vorzeitig aus der Haft entlassen werden. Ein Begnadigungsausschuss entschied im US-Bundesstaat Nevada, dass er das Gefängnis im Oktober auf Bewährung verlassen dürfe.

Simpson hatte zuvor in einer Anhörung für seine frühzeitige Entlassung aus der Haft geworben. Der 70-Jährige reagierte emotional und bedankte sich mehrfach.

Er war 2008 von einem Gericht wegen bewaffneten Raubs und Körperverletzung zu einer Haftstrafe von maximal 33 Jahren verurteilt worden. Das Gericht legte damals fest, dass ein Antrag auf vorzeitige Haftentlassung nicht vor 2017 gestellt werden kann und eine Mindeststrafe von neun Jahren abgesessen werden muss. 2007 war er zusammen mit mehreren Komplizen bewaffnet in ein Hotelzimmer in Las Vegas eingedrungen und hatte zwei Sammler von Fan-Artikeln gezwungen, ihm persönliche Erinnerungsstücke zu geben.

In seinem ersten öffentlichen Auftritt seit Jahren entschuldigte er sich für den Vorfall. "Es tut mir leid, dass die Dinge so ausgegangen sind, wie sie sind" erklärte er. Er habe niemals ein Verbrechen verüben wollen. "Es tut mir leid."

Vier Mitglieder des Ausschusses befragten den 70-Jährigen zu den Umständen des Raubüberfalls. Simpson erklärte, er habe bei dem Vorfall niemals mit einer Waffe auf jemanden gezielt oder Drohungen ausgesprochen. "In keiner Weise oder Form habe ich ihnen etwas Böses gewollt." Entschieden fügte er hinzu, dass es sich bei den Memorabilien um sein Eigentum gehandelt habe.

Eines der beiden Opfer des Überfalles, Bruce Fromong, bestätigte diese Angaben im Zuge der Anhörung. Zudem entlastete er Simpson von dem Vorwurf des Waffeneinsatzes. "O.J. hat mich niemals mit einer Waffe bedroht", sagte der Mann, der sich als langjährigen Freund des früheren Stars bezeichnete. "Wenn er mich morgen anrufen und sagen würde, dass er entlassen wurde, würde ich mich ins Auto setzen und ihn abholen", sagte er. Das zweite Opfer des Überfalls, Alfred Beardsley, ist 2015 gestorben.

In dem Verfahren von 2008 ging es nicht um den Tod von Simpsons Ex-Frau Nicole Brown Simpson und deren Freund Ronald Goldman. Simpson war 1994 beschuldigt worden, die beiden mit Messerstichen getötet zu haben. 1995 stand der einstige Football-Star, der auch in den "Nackte Kanone"-Filmkomödien der 80er und 90er Jahre mitspielte, deswegen vor Gericht. In dem als "Prozess des Jahrhunderts" bekannt gewordenen Verfahren wurde er trotz anscheinend erdrückender Beweislast letztendlich freigesprochen.

In einem emotionalen Plädoyer bat Arnelle Simpson, die älteste Tochter, vor dem Gremium am Donnerstag um die Entlassung ihres Vaters. "Die Menschen können sich nicht vorstellen, was wir in den letzten neun Jahren durchgemacht haben", sagte die 48-Jährige. "Wir wollen einfach nur, dass er nach Hause zu seiner Familie kommt."

Der inzwischen im Ruhestand lebende Staatsanwalt David Roger, der 2008 den Prozess gegen Simpson geleitet hatte, sprach sich im Vorfeld für eine Begnadigung des prominenten Straftäters aus. "Der Mann hat für einen Raub lange genug gesessen, ich gehe davon aus, dass er begnadigt wird", sagte er im Gespräch mit US-Medien.

Rubriklistenbild: © Jason Bean

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.