„Bouquinistes“

Paris will die Bücherstände an der Seine retten

Bücherstände an der Seine
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Die traditionellen Bücherstände an der Seine in Paris sollen erhalten werden.

Die Bücherstände an der Seine in Paris sind ein Touristenmagnet. Die Corona-Krise aber hat den Andrang gebremst und zu viele Souvenirs in den Auslagen zerstören das ursprüngliche Flair.

Paris - Sie sind eine Attraktion für Paris-Touristen und Liebhaber alter Bücher: die „Bouquinistes“ mit ihren Ständen entlang der Seine im Herzen der französischen Hauptstadt.

Das Gestöber der Literaturfreunde und Gäste aus aller Welt in den grünen Bücherkisten auf den Quais aber hat einen Dämpfer bekommen. Die Corona-Krise hat den Andrang gebremst und der Verkauf billiger Souvenirs und Poster statt der Klassiker französischer Literatur zerstört das ursprüngliche Flair. Stände stehen leer, die Stadt hat eine Ausschreibung gestartet und die Bevölkerung zur Unterstützung der „Bouquinistes“ aufgerufen, selbst eine Petition wurde gestartet.

Die Bücherstände sind Weltkulturerbe

„Rettet die Buchhändler, das ist eine Herausforderung für die Zivilisation!“, ist die Petition überschrieben, die bereits Tausende online unterstützen. Seit fast fünf Jahrhunderten ständen sie an der Seine und seien seit 2019 auch als Weltkulturerbe anerkannt, ihnen drohe aber der leise Tod. „Also, Bücherliebhaber aus Paris und anderenorts (...), flaniert entlang der Seine (...) und haltet einen Moment inne an den grünen Boxen und lasst euch vom warmen Ruf der Tausenden von Büchern, die sie enthalten, verführen“, lautet der poetische Aufruf zur Unterstützung der Händler.

Dabei hatten die „Bouquinistes“ mitten in der Corona-Krise bereits selber eine kleine Revolution vollzogen und eine Internetplattform zur Bestellung von Büchern eingerichtet, als Stände und Einwohner im Lockdown waren. „Die "Bouquinistes" brauchen euch!“, bewarb die Stadtverwaltung auf ihrer Website den neuen Service.

Nun sind 18 leerstehende Stände von 220 insgesamt ausgeschrieben, bis zum 18. Februar werden Bewerbungen entgegengenommen. Dabei gibt es für die Händler klare Auflagen, was in ihre jeweils vier Kisten darf. Im wesentlichen sind dies alte Bücher, alte Papiere und Gravuren, in einer Kiste dürfen auch Souvenirs angeboten werden, insofern sie von künstlerischer oder kultureller Natur sind.

200 000 Büchern im Angebot

„Es werden zuviel chinesische Souvenirs verkauft, man muss Bücher verkaufen und keine Eiffeltürme“, beklagt sich eine ältere Händlerin. „Die Leute, die Bücher lieben, kommen auf die Quais“, meint sie. Zu ihren Kunden zählten ausländische Literaturliebhaber, die Bücher suchten, die sie bei sich zu Hause nicht erhielten.

Auch Studenten seien darunter, die von ihren Professoren eine Liste mit lesenswerten Werken dabei hätten. Als sie in der Corona-Krise wieder öffnen konnte, habe das Interesse der Menschen an Büchern eher zugenommen, sagt die Händlerin. Die zu Hause festsitzenden Menschen hätten das Lesen neu entdeckt.

Die Bücherkisten in ihrer heutigen Form gibt es nach Information der Stadt seit 1891, als den Händlern erstmals erlaubt wurde, ihre Ware in abschließbaren Boxen über Nacht auf den Quais aufzubewahren. Seit 1900 haben die Kisten ihre heutige grüne Farbe in der Tongebung der damaligen Metro-Züge. Auf einer Länge von drei Kilometern gibt es gegenwärtig gut 900 Kisten mit rund 200 000 Büchern im Angebot.

Ihren Namen verdanken die „Bouquinistes“ übrigens dem niederländischen Begriff für ein Buch, „boek“ lautet dieser heute, im Mittelniederländischen hieß es früher „boeckin“ für ein kleines Buch. Im Französischen wurde daraus „bouquin“. dpa

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