Bilanz und Ausblick

Performance ist alles: Warum Deutschland beim ESC so eine Pleite hingelegt hat

+
Performance, die mit einem Animationsfilm interagiert: Der Schwede Mans Zelmerlöw überzeugte mit seinem Titel: „Heroes“.

Eine Schar Trickfilmmännchen hatte am Wochenende Oberwasser nach dem haushohen schwedischen Sieg (365 Punkte) von Mans Zelmerlöw beim Eurovision Song Contest. Die deutsche Teilnehmerin Ann Sophie legte eine Totalpleite hin und kam auf null Punkte. Eine Bilanz des Debakels.

Was war da los? 

Schweden siegte, weil der Song die technischen Möglichkeiten der Bühne genial nutzte. Das David-Guetta-artige Dancepop-Lied „Heroes“ war nicht schlecht, aber ohne den Computer-Animationsfilm mit Mustern und Strichmännchen, mit dem Sänger Zelmerlöw interagierte, wäre der Titel nur halb so wirkungsvoll gewesen. Die Bühne mit ihren technischen Möglichkeiten war der Star – und das hat Schweden bestens genutzt.

Woran hat es gelegen, dass Ann Sophie so unterirdisch schlecht abgeschnitten hat?

Auf dem letzten Platz landete die deutsche Sängerin Ann Sophie mit „Black Smoke“.

Nicht an ihr. Ihre Performance war trotz Erkältung gelungen, ihr Titel „Black Smoke“ im James-Bond-Style nicht schlecht. In manchen Jahren musste man sich vielleicht schämen für Deutschland, hier aber gewiss nicht. Auch der verantwortliche NDR betonte, dass Ann Sophie keine Schuld trifft. Aber was sie präsentiert hat, war ein Gesangsbeitrag – und nicht eine Performance, die sich unter 27 Beiträgen nachhaltig hätte einprägen können.

Was muss jetzt passieren? 

Lesen Sie auch:

ESC im Schnellcheck: Punktlose Deutsche und siegreiche Schweden

Zweierlei: Die 24-jährige Ann Sophie sollte die Möglichkeit bekommen, das Debakel schnell auszubügeln. Für den Song Contest wiederum müssen die Weichen neu justiert werden. Der deutsche Vorentscheid muss konzeptionell neu aufgestellt werden. Das kündigte auch ARD-Unterhaltungschef Thomas Schreiber an. Dabei muss ein Spagat probiert werden: Die Mainstream-Erfordernisse eines solchen Wettbewerbs mit 100 Millionen Zuschauern müssen berücksichtigt werden, dabei darf aber das Innovationspotenzial von Popmusik nicht außer Acht gelassen werden. Der Beitrag muss Massen gefallen – das heißt aber nicht, dass er aus dem Billigbaukasten des Schlagerpop zusammengeschustert werden muss.

Was kann man aus dem diesjährigen Grand Prix lernen? 

Dass es um die Show geht. Nur ein Liedlein zu singen und dabei ein sexy Outfit zu tragen, reicht nicht. Aber es heißt auch, und das ist eigentlich ermutigend, dass musikalischer Mut belohnt wird. Das sieht man etwa an den Beiträgen aus Lettland, wo Aminatas Electroballade Rang 6 erreichte, an Elina Born und Stig Rästa, die Estland mit Soulpop auf Platz 7 brachten, an Norwegens dunklem Thrill von Morland & Debrah Scarlett (8.) und an Loic Nottets belgischer Dancepopnummer, die auf die 4 kletterte.

Wo gibt es weiteren Handlungsbedarf? 

Die Zuschauerzahlen im Ersten lagen bei schwachen 8,1 Millionen. Hier muss überlegt werden, wie man das Publikum am Samstagabend besser auf das Ereignis hinführt. Bei allem Respekt für Barbara Schöneberger: Ihre schreckschraubige Daueraufgekratztheit in der Aufwärmshow ab 20.15 Uhr war nicht das richtige Lockmittel fürs Finale.

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.