Doppelte Niederlage für Roman Polanski

+
Das US-Gerichtsverfahren gegen Starregisseur Roman Polanski wegen sexuellen Missbrauch eines damals 13-jährigen Mädchens vor über 30 Jahren wird nicht eingestellt.

Los Angeles - Doppelte Niederlage für Roman Polanski in dem seit über 30 Jahren laufenden Missbrauchsprozess. Somit rückt eine Auslieferung immer näher. 

Ein Berufungsgericht in Los Angeles hat am Donnerstag einen Antrag des Starregisseurs auf eine Verurteilung in Abwesenheit abgelehnt, berichtete der Internetdienst “Eonline.com“. Damit steht nun der Auslieferung Polanskis von der Schweiz in die USA nichts mehr im Weg. Zudem wies das Gericht auch einen Antrag von Polanskis damaligem Opfer zurück, das Verfahren gegen den Oscar-Preisträger fallen zu lassen.

Roman Polanski in Hausarrest in Gstaad

Roman Polanskis Anwalt Lorenz Ern gibt ein Statement zur aktuellen Lage. Lange war nicht klar, wann der Regisseur das Gefängnis in Winterthur verlassen kann. © dpa
Emmanuelle Seigner, die Ehefrau des Regisseurs, ist mit den Kindern bereits eingetroffen. © ap
Roman Polanski kommt in Gstaad an. Er zeigt sich nicht persönlich den Fotografen. © AP
Roman Polanskiks Chalet „Milky Way“. Über Jahre machte er mit seiner Familie hier Urlaub, ohne dass die Schweizer Justiz ihn in Gewahrsam nahm. © dpa
Tiefverschneit wartet das Chalet auf seinen Besitzer. © dpa
Für die Fotografen ist die Wartezeit hart. Tiefverschneit und kalt ist es inzwischen in dem Schweizer Urlaubsort. © dpa
Schon einen Tag nach der Bekanntgabe des Hausarrest sammelten sich erste Fotografen an dem Chalet „Milky Way“. © dpa
Das Gefängnis in Winterthur war für zwei Monate die „Heimat“ von Roman Polanski. © dpa
Sein mutmaßliches Opfer Samantha Geimer hat dem Regisseur längst verziehen und bittet die US-Richter um Gnade. © dpa
Die Paparazzi warten seit einer Woche auf den Tag der Entlassung. © dpa

Die Amerikanerin Samantha Geimer, die mittlerweile verheiratet ist und Kinder hat, hatte sich seit längerem um die Einstellung des Verfahrens bemüht. Das Aufsehen seit der Festnahme des Regisseurs in der Schweiz belaste ihr Familienleben, ihre Arbeit und ihre Gesundheit, klagte die Frau bereits im Herbst.

Dem in Polen geborenen Filmemacher (“Der Pianist“) wird vorgeworfen, 1977 die damals 13-Jährige in der Villa von Hollywoodstar Jack Nicholson mit Drogen gefügig gemacht und dann mit ihr Sex gehabt zu haben. Er bekannte sich damals schuldig und verbrachte 42 Tage in psychiatrischer Verwahrung. Am Tag vor der offiziellen Strafverkündung floh er aber aus Angst vor einer Haftverlängerung nach Frankreich - und betrat die USA seitdem nie wieder.

Im Januar hatte ein Gericht in Los Angeles bereits einen Antrag des Regisseurs abgelehnt, das Verfahren in Abwesenheit von Polanski abzuschließen. Seine Anwälte gingen im März in Berufung. Dabei machten sie vor Gericht Verfahrensfehler geltend, die Staatsanwaltschaft und Richter bei dem Prozess 1977 durch geheime Unterredungen begangen haben sollen. Von dem inzwischen verstorbenen Richter Laurence J. Rittenband und anderen Beteiligten sei Polanski damals unfair behandelt worden. Der Regisseur sollte daher nicht an die Behörden in Kalifornien ausgeliefert werden, so die Forderung.

Ein Berufungsgericht hatte im Dezember angeregt, die Vorwürfe gegen den Filmemacher ohne dessen Rückkehr in die USA zu prüfen. Das Gremium räumte ein, dass bei dem Prozess in den 1970-er Jahren möglicherweise Fehler gemacht wurden, die jetzt einen Freispruch des 76-Jährigen rechtfertigen könnten. Auch die Fernsehdokumentation “Roman Polanski: Wanted and Desired“ aus dem Jahr 2008 deckte juristische Pannen im Zusammenhang mit Richter Rittenband auf. Der Regisseur war Ende September auf Antrag der kalifornischen Staatsanwaltschaft in der Schweiz festgenommen worden und wartet auf seine Auslieferung an die USA. Er hält sich, mit einer elektronischen Fußfessel versehen, in seinem Haus in Gstaad auf, wo er unter Arrest steht.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.