Zum 60. Thronjubiläum

Queen dankt ihrem Volk: "Thank you all"

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Die Queen winkt vom Balkon des Buckingham Palace.

London - Großbritannien feiert seine Königin. Auf dem Höhepunkt ihrer Popularität dankt das Volk der Monarchin für 60 Jahre Dienst an der Allgemeinheit. Die Queen wiederum dankt in einer Ansprache ihrem Volk.

Das britische Volk hat seiner Königin Elizabeth II. zu ihrem Diamantenen Thronjubiläum einen gigantischen Beweis der Loyalität erbracht. Zum Abschluss der viertägigen Feierlichkeiten jubelten am Dienstag zu den Klängen der Nationalhymne Hunderttausende Menschen vor dem Buckingham Palast in London der Queen zu.

Die Königin zeigte sich bewegt vom Zuspruch ihres Volkes. “Die Veranstaltungen, an denen ich zu meinem Diamantenen Thronjubiläum teilnehmen durfte, waren tief berührende Erfahrungen“, sagte die 86-Jährige in einer Radio- und Fernsehansprache. “Es hat mich sehr gerührt, zu sehen, dass so viel tausende Familien, Nachbarn und Freunde in so einer fröhlichen Atmosphäre zusammen gefeiert haben.“ Sie endete mit den Worten: “Thank you all“ (Ich danke euch allen).

Wie deutsch ist die Queen?

Der welfische Kurfürst Georg Ludwig von Hannover bestieg 1714 als Georg I. den Thron in London. Georg I. stand erst an 52. Stelle der Thronfolge. Er kam nur deshalb zur Königswürde, weil er Protestant war und die Engländer die Erbansprüche der katholischen Stuart-Dynastie abwehren wollten. Georg blieb der einzige britische König, der in Deutschland geboren wurde. © dpa
Ab 1840 benannte sich das Königshaus nach dem deutschen Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha. Königin Victoria, die Tochter einer deutschen Prinzessin, hatte Albert, einen Prinzen des gleichnamigen Adelshauses, geheiratet. © dpa
Prinzgemahl Albert von Sachsen-Coburg-Gotha war Victorias Cousin mütterlicherseits. Bis zu seinem Tod 1861 hatte Albert großen Einfluss auf die britische Politik und gewann hohes Ansehen. Die Königin selbst starb 1901 nach fast 64-jähriger Herrschaft in den Armen ihres Enkels, Deutschlands letztem Kaiser Wilhelm II. Dessen Mutter war die älteste Tochter der Queen. © dpa
Die Beziehungen zur deutschen Familie wurde aber manchmal auch von dunklen Wolken überschattet: Wegen der deutschen Rolle im Ersten Weltkrieg änderte Georg V. im Jahr 1917 den Namen der Dynastie in Windsor. © dpa
Und auch Königin Elisabeths Eltern, König Georg VI. und Elizabeth Bowes-Lyon, erlebten schwere Zeiten während des zweiten Weltkriegs. In einem Brief schilderte "Queen Mum", dass sie und ihr Mann es während eines Luftangriffs am 13. September 1940 nicht schnell genug in den Luftschutzbunker geschafft hatten, als eine Fliegerbombe im Innenhof des Buckingham Palasts einschlug. Bei dem Angriff waren drei Diener verletzt worden. © dpa
Trotzdem durfte ihre Tochter nach dem Krieg einen Adeligen mit deutscher Herkunft ehelichen. Elizabeth heiratete am 2. Juni 1953 Prinz Philip von Griechenland und Dänemark in der Westminster-Abtei in London. © dpa
Prinz Philip, der Herzog von Edinburg, stammte väterlicherseits aus dem Adelsgeschlecht Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg. Die Familie stellt noch heute die Monarchen von Dänemark und Norwegen. König Georg I. von Griechenland war Philips Großvater. Seine Mutter, eine geborene von Battenberg, gehörte dem hessischen Landadel an. Seit dem Ersten Weltkrieg nennt sich Philips Familie Mountbatten. © dpa
Auch heute noch pflegt das britische Königshaus ihre Verbindung zur deutschen Verwandtschaft. Als Prinz William seine Kate heiratete, soll Ernst August von Hannover auch zur Traumhochzeit eingeladen gewesen sein. Der Welfenprinz ist ein Urenkel von Kaiser Wilhelm II und führt den Titel "Prinz von Großbritannien und Irland" im Namen. © dpa
Markgraf Maximilian von Baden und seine Frau Valerie waren ebenfalls auf William und Kates Hochzeit. Der Markgraf ist ein Cousin von Prinz Charles. © dpa

Zum Abschluss zeigte sich die Queen der Öffentlichkeit auf dem Balkon des Buckingham Palastes. Mit dabei waren Thronfolger Charles und dessen Frau Camilla sowie Charles' Söhne William und Harry nebst Herzogin Kate - die nächsten beiden Generationen auf dem Thron. Beim traditionellen Familienfoto fehlte Prinzgemahl Philip, der seit fast 65 Jahren mit der Königin verheiratet ist. Er war am Vortag mit einer Blasenentzündung ins Krankenhaus gekommen.

Deshalb war auf dem Weg vom Mittagessen im historischen Parlamentsgebäude Westminster Hall zurück zum Buckingham Palast ein Platz in der offenen Staatskutsche State Landau frei geblieben. Die Queen - in einen hellen Mantel mit mintgrünem Chiffonschal gehüllt - saß bei leichtem Regen mit Charles und Camilla in dem von sechs Schimmeln gezogenen Wagen. Dahinter fuhr die nächste Generation: William mit seiner Frau Kate und seinem jüngeren Bruder Harry.

Die Queen habe die Menschen glücklich gemacht und sei ein Vorbild, sagte der Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, bei einem Dankgottesdienst am Vormittag. 2300 geladene Gäste hatten sich in der St. Paul's Kathedrale versammelt, darunter auch Premierminister David Cameron. In der Kirche hatten 1981 ihr Sohn Charles und seine erste Frau Diana geheiratet.

“Die Queen hat bei allen öffentlichen Verpflichtungen und wenn andere zufrieden waren immer Freude gezeigt“, sagte der Erzbischof. “Sie hat ihr Volk glücklich gemacht.“ Das Jubiläumsjahr könne die Menschen dazu anspornen, dem Beispiel der Queen zu folgen und selbstlos zu helfen, sagte der Bischof. Die frühe Entscheidung der Königin, ihr Leben ihrem Volk zu widmen, habe diese während der sechs Jahrzehnte ihrer Regentschaft “ergeben, ruhig und großzügig“ ausgefüllt.

Nach einem Empfang fuhr Elizabeth zu einem festlichen Mittagessen im britischen Parlamentsgebäude. Auf den Straßen jubelten ihr Hunderttausende Menschen zu. “Elizabeth, the Great“ (Elizabeth, die Große) stand auf einem der Transparente.

Am Dienstag trübte erneut Regenwetter das Open-Air-Spektakel in London. Bereits am Sonntag war eine spektakuläre Schiffsparade auf der Themse beinahe am schlechten Wetter gescheitert. Prinz Philip hatte sich dort erkältet. Nach Angaben seines jüngsten Sohnes Prinz Edward ging es ihm am Dienstag besser, er brauche aber noch Ruhe. Philip habe die Feiern im Fernsehen angeschaut. Auf die Frage von Journalisten, wie sich die Queen ohne ihren Mann gehalten habe, erklärte Edward: “Sie war tapfer, hat ihn aber natürlich vermisst.“

Am Montagabend hatten vor und auf dem Buckingham Palast Superstars ein spektakuläres Popkonzert zu Ehren der Jubilarin gegeben. Mit dabei war fast alles, was in der britischen Musikbranche Rang und Namen hat: Paul McCartney, Elton John, Robbie Williams, Tom Jones, Shirley Bassey, Cliff Richard und außerdem internationale Stars wie Stevie Wonder, Grace Jones und Kylie Minogue.

Der Platz vor dem Palast hatte sich in eine riesige Konzertarena verwandelt. Die Karten waren an ausgewählte Hilfsorganisationen verteilt und verlost worden. Entlang der Prachtstraße The Mall, im Hyde Park und an anderen Stellen versammelten sich Hunderttausende vor großen Bildschirmen.

Die Queen und ihre Familie hatten in den vergangenen Tagen einen Feiermarathon hingelegt. Die Schiffsparade auf der Themse am Sonntag hatte 1,25 Millionen Zuschauer angezogen. Am Montag waren zu Ehren der Queen rund um den Globus - in Ländern des Staatenbundes Commonwealth sowie in Großbritannien - 4200 Leuchtfeuer entzündet worden.

Abgefeiert ist das Jubiläum aber noch nicht. Die Queen will in den kommenden Wochen ihre im Frühjahr begonnenen Reisen durch ihr Land fortsetzen. Zudem übernehmen in ihrem Namen engste Verwandte Auslandsbesuche in die Staaten des Commonwealth.

Elizabeth war nach dem frühen Tod ihres Vaters am 6. Februar 1952 Königin geworden. Nur ihre Ur-Urgroßmutter, Queen Victoria, regierte bislang mit fast 64 Jahren länger als sie.

dpa

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