Roland Emmerich sucht Shakespeare in Babelsberg

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Roland Emmerich (Mitte) mit Vanessa Redgrave (li.) und Joely Richardson in den Kulissen seines neuen Filmes "Anonymous".

Potsdam - Im neuen Film von Hollywood-Regisseur Roland Emmerich geht ausnahmsweise mal nicht die Welt unter. Dafür soll der englische Dichterfürst von seinem Sockel gestürzt werden.

Roland Emmerich hat Potsdam ein neues Theater geschenkt - zumindest auf Zeit. Mitten in einem Gewerbegebiet erhebt sich ein merkwürdig anmutender runder Bau aus einer anderen Zeit. Das dreistöckige Theater aus Holz mit seinen Galerien ist dem historischen “Rose Theatre“ in London nachempfunden, und hier werden die Stücke William Shakespeares aufgeführt. Mit Hunderten Komparsen werden in dem spektakulären Theaternachbau, in dem Platz für mehr als 1000 Menschen ist, Szenen wie diese gedreht: Heftiger Applaus brandet auf. Die Theaterbesucher wollen den Autoren des soeben über die Bühne gegangenen Stückes neben seinen Schauspielern sehen. Ein Mann kommt hervor, verbeugt sich. Dieser Mann wird William Shakespeare genannt.

Aber ist er wirklich der gefeierte Autor, aus dessen Feder das Stück stammt? Diese Frage beschäftigt nun also Emmerich (54), der bislang mit Filmen wie “2012“ und “Independence Day“ die Kinos füllte.

Prophezeiungen: Wann die Welt untergehen sollte

Weltuntergang Katastrophe
Mit dem Katastrophenfilm „2012“ bringt Regisseur Roland Emmerich erneut den drohenden Weltuntergang auf die Leinwand.  © dpa
Weltuntergang Katastrophe
Katastrophale Szenarien in „2012“ zeigen die anstehende Apokalypse im Jahr 2012. Doch glaubt man den ganzen Prohezeiungen, hätte die Welt schon längst untergehen müsssen. © Verleih
Weltuntergang Katastrophe
Die Angst um ein bevorstehendes Weltende gibt es schon seit Menschengedenken. Laut Offenbarung des Johannes bebte bereits die Erde und die Sterne fielen vom Himmel. © dpa
Weltuntergang Katastrophe
Astronomen glaubten im Jahr 1169 in einer Planetenkonstellation das Weltende erkennen zu können. © dpa
Weltuntergang Katastrophe
So sah es auch der Astronom Johannes von Toledo im Jahr 1186. Nach seiner Prophezeiung brach in Europa eine Massenhysterie aus. Der Kaiser von Byzanz etwa ließ alle Fenster seines Palastes zumauern. © dpa
Weltuntergang Katastrophe
Die Stellung verschiedener Planeten veranlasste sogar 20.000 Londoner, aus der Stadt auf die umliegenden Berge zu fliehen. Denn am 1. Februar 1524 sollte eine Sintflut London zerstören. © dpa
Weltuntergang Katastrophe
In Sachen Weltuntergang hatte auch Martin Luther ein Wörtchen mitzureden. Gleich dreimal sagte er das Ende der Welt voraus, nämlich für die Jahre 1532, 1538 und 1541. Danach gab er auf. © dpa
Weltuntergang Katastrophe
Die Angst vor katastrophalen Flutwellen wie in dem Film “The Day After Tomorrow„ geisterte auch im Jahre 1666 herum. Nach Angaben von Mathematikern sei die Zahl die Summe aus der apokalyptischen 1000 und der satanischen 666. © Verleih
Weltuntergang Katastrophe
Viele setzten den Weltuntergang mit der Auferstehung Christi gleich. So verkündete eine Wahrsagerin, dass sie im Jahr 1814 den Messias zur Welt bringen würde. Nach der Geburt sollte das Ende anstehen. Ihre Anhänger würden überleben, sie starb zehn Tage nach der Geburt. © dpa
Weltuntergang Katastrophe
Zahlreiche Theologen errechneten mit Hilfe der Bibel den Tag des Jüngsten Gerichts. Am 21. März 1843 um Mitternacht, am Frühligsanfang, würde die Welt untergehen, denn da habe sie begonnen. © dpa
Weltuntergang Katastrophe
Wieder um Mitternacht, nur einige Jahrzehnte später, sollte die nächste Prophezeiung wahr werden. Im Mai 1910 näherte sich der Halleysche Komet der Erde. Massenpanik brach aus. Hunderte Menschen begingen Selbstmord. © dpa
Weltuntergang Katastrophe
Panik und Flucht ist typisch bei solchen schauerlichen Prophezeiungen. Nicht selten verschenken Verzweifelte ihr Hab und Gut oder versuchen, die letzten Tage zu genießen.... © dpa
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....oder zu beten.  In Oklahoma musste die Polizei sogar ein Mädchen vom Altar einer Sekte retten, die ihren Gott mit einem Menschenopfer zu besänftigen versuchten. © dpa
Weltuntergang Katastrophe
Der kalifornische Pastor Mihran Ask behauptete, dass im Januar 1957 der große Kampf zwischen Gut und Böse stattfinden würde. Millionen von Menschen sollten verbrannt und die Erde versengt werden. © dpa
Weltuntergang Katastrophe
Hippie-Kultur Charles Manson war fest davon überzeugt, dass die „Beatles“ die Engel der Apokalypse seien. Sein Fazit: Die Welt geht im Jahre 1969 unter. © dpa
Weltuntergang Katastrophe
Eine Flutkatastrophe sah der Guru Bhagwan Shree Rajneesh vorher. Die Weltstädte Tokyo, New York, San Fransisco, Los Angeles und Bombay sollten zwischen 1984 und 1999 zerstört werden. © dpa
Weltuntergang Katastrophe
Berühmt für seine Prophezeiungen: Nostradamus. Er sagte für Juli 1999 den Weltuntergang voraus. © dpa
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Das Datum 9.9.1999, 9 Uhr verängstigte die Mitglieder einer indonesischen Sekte. Um der Apokalypse zu entgehen, schlossen sie sich neun Tage lang in ihren Häusern ein. © dpa
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Tierisch war die Prophezeiung in einem Armenviertel in Peru. Die Geburt eines dreibeinigen Entenkükens war ein Zeichen für den Weltuntergang im Jahr 2000. © dpa
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Das Millennium sollte für viele das Ende der Welt bedeuten, etwa für den Physiker und Mathematiker Sir Isaac Newton. © dpa
Weltuntergang Katastrophe
Zahlreiche Astronomen glaubten, dass Ende Mai 2000 der Stern von Betlehem zurückkehren und somit ein Schreckensereignis eintreten würde. © dpa
Weltuntergang Katastrophe
Die Szenarien eines Weltuntergangs sind zahlreich. Etwa Zerstörungen durch Außerirdische, Roboter oder die Menschen selbst gehören dazu... © dpa
Weltuntergang Katastrophe
...oder Naturkatastrophen wie Stürme, Flutwellen.... © dpa
Weltuntergang Katastrophe
...oder Vulkanausbrüche. © dpa
Weltuntergang Katastrophe
Kometeneinschläge oder eine Supernova lösen nicht nur Angst und Schrecken aus,... © dpa
Weltuntergang Katastrophe
...sondern auch Verzweiflung und Trauer. © dpa
Weltuntergang Katastrophe
Der 21. Dezember 2012 ist der nächste Termin des Weltuntergangs. Das haben die Maya berechnet, denn da endet ihre Zeitrechnung. Sollte die Apokalypse nicht einteten - die nächste könnte nach Ansicht diverser Sekten 2076 anstehen. © dpa

Der neue Streifen werde politisch und kontrovers, sagte er am Donnerstag vor Journalisten mitten im Kulissen-Theater. Nicht nur die Debatte um die Autorenschaft Shakespeares (Rafe Spall) stehe im Mittelpunkt des 30-Millionen-Dollar-Films, es gehe auch um die Regentschaft von Königin Elizabeth I. von England (Vanessa Redgrave).

Für den Film musste das weitgehend verschwundene London des 16. Jahrhunderts mit seinen Fachwerkhäusern und Brücken auferstehen. Daher setzt Emmerich mit seinem Team auf viel Computertechnik. “Wir müssen tausende 3-D-Modelle bauen“, sagte Marc Weigert, der mit Oscar-Preisträger Volker Engel für die Spezialeffekte zuständig ist. Eingesetzt werde auch eine Technik, die so noch nicht angewandt worden sei: Normale Fotos, auf denen etwa historische englische Gebäude zu sehen sind, erscheinen dreidimensional, so dass der Zuschauer denkt, die Schauspieler bewegten sich in Räumen.

Mit dem Film “Anonymous“, der bis etwa Juni komplett in Babelsberg entsteht, dreht Emmerich seit langem wieder in Deutschland. “Ich wollte immer zurückkehren“, sagte er. “Ich habe schrecklich Spaß.“ Er sei stolz darauf, den Film mit englischen Schauspielern so zu machen, wie er es wolle. In Hollywood wäre das sehr hart geworden, einen Film wie diesen zu drehen.

Ob das Werk Shakespeares tatsächlich von ihm selbst geschrieben wurde, ist umstritten. Expertin und Emmerich-Beraterin Lisa Wilson sagte am Donnerstag am Drehort vor den Toren Berlins, dass diese Frage schon Mark Twain, Charlie Chaplin und Sigmund Freud beschäftigt habe. Nun also auch einen Filmregisseur. Einige Zweifler seien davon überzeugt, dass der Earl of Oxford der Urheber der Shakespeare zugeschriebenen Werke ist, erläuterte Wilson. Andere wiederum sähen eine Gruppe von Autoren als verantwortlich an. Die Zweifler bezögen sich etwa darauf, dass Shakespeares Schulbildung kaum ausgereicht haben dürfte, um Meisterwerke wie “Hamlet“ oder “Der Kaufmann von Venedig“ zu schreiben. Zudem existierten keine ihm zugeschriebenen Manuskripte oder Briefe. Diejenigen, die die These vertreten, dass Shakespeare nicht der Autor ist, lägen vermutlich nicht falsch, meinte Filmemacher Emmerich.

Rhys Ifans stellte sich in der auf Englisch abgehaltenen Pressekonferenz am Donnerstag jedenfalls mit unmissverständlichen Worten vor: “Ich spiele den Earl of Oxford, den Autoren der Werke.“ Was am Ende auch immer herauskommen mag: Im vergangenen Jahr hat Emmerich in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa bereits klargestellt, was er von seinem neuen Film erwartet: “Über ihn werden sich viele Leute aufregen, weil ich mehr oder weniger ein Monument vom Sockel stürze, das seit 400 Jahren angebetet wird.“

dpa

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