Samantha Geimer

Polanskis Missbrauchsopfer veröffentlicht Buch

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Mehr als 30 Jahre lang hielt sich Samantha Geimer nach den Vergewaltigungsvorwürfen gegen Star-Regisseur Roman Polanski weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück. Jetzt bringt sie ihre Memoiren heraus.

Los Angeles - Mehr als drei Jahrzehnte nachdem sie durch den Filmemacher Roman Polanski sexuell missbraucht wurde, hat die damals 13-jährige Samantha Geimer ihre Memoiren veröffentlicht.

Das Buch, das sie gemeinsam mit ihrem Anwalt schrieb, trägt den Titel "The Girl: A Life Lived in the Shadow of Roman Polanski" (Das Mädchen - Ein Leben im Schatten von Roman Polanski). Darin beschuldigt Geimer den Star-Regisseur erneut, sie vergewaltigt zu haben.

Die heute 50-Jährige schildert ausführlich jenen Abend am 10. März 1977, an dem sie im Haus des Schauspielers Jack Nicholson in Hollywood Polanski für Fotos posiert hatte. Er habe ihr Champagner zu trinken gegeben, ihr ein Beruhigungsmittel verabreicht und sich schließlich an ihr vergangen. Sie habe sich auch deshalb nicht gewehrt, weil sie durch Polanskis Berühmtheit und den großen Altersunterschied eingeschüchtert gewesen sei. "Warum kämpfen?", schreibt Geimer. "Ich hätte so ziemlich alles getan, damit das vorbei geht."

Bunga Bunga ist überall - Sexaffären prominenter Männer

Sexaffären machen prominenten Männern seit eh und je zu schaffen. Von Bill Clinton über Silvio Berlusconi bis zu Wikileaks-Gründer Julian Assange. Klicken Sie sich durch: © dpa
In die Geschichte eingegangen ist Bill Clintons Satz: “I did not have sexual relations with that woman“ - ich habe keine sexuelle Beziehung zu dieser Frau gehabt, so beteuerte der damalige US-Präsident seine Unschuld. Dass Monica Lewinsky aber viel mehr als nur eine Praktikantin im Weißen Haus war, konnte die Öffentlichkeit dann en détail erfahren. Der Seitensprung im Oval Office mündete in einem Amtsenthebungsverfahren, das scheiterte. Clintons Ansehen hat die Lewinsky-Affäre langfristig wenig geschadet. © ap
Anders sieht das bei Italiens Regierungschef Berlusconi aus. Dessen Triebe halten zwar die Welt bei Laune, dem Image Italiens schaden die Enthüllungen über wilde “Bunga Bunga“-Sexpartys allerdings enorm. Berlusconi wird nicht nur als lüsterner Greis verspottet. Seit April steht er wegen der Affäre um die Prostituierte “Ruby“ vor Gericht. Der Ausgang von “Rubygate“ ist ungewiss. © dpa
Nur selten endet es für die mächtigen Männer im Gefängnis. Eine Ausnahme ist der Fall des israelischen Ex-Präsidenten Mosche Katzav, der wegen Vergewaltigung und sexueller Belästigung von Mitarbeiterinnen im März zu sieben Jahren Haft verurteilt wurde. © dpa
Wikileaks-Gründer Julian Assange wehrt sich seit Monaten gegen eine Auslieferung an Schweden, wo er ungeschützten Sex mit zwei Frauen gehabt haben soll. Er sieht eine Verschwörung gegen sich wegen seines Enthüllungsportals Wikileaks. © dpa
Doch nicht nur in der Politik, auch im Showgeschäft, im Sport und in der Wirtschaft scheint die Sexaffäre die unverwüstliche Begleiterin der Macht zu sein: Bei VW ließen sich Betriebsräte Prostituierte vom Konzern bezahlen - das Unternehmen hatte deshalb eine handfeste Krise durchzustehen. © dpa
Golfer Tiger Woods opferte nicht nur seine Ehe sondern auch seine Karriere für seine Sexlust. © Getty
Starregisseur Roman Polanski soll in den 70er Jahren eine Minderjährige zum Sex verführt haben. In der Schweiz stand er erst kürzlich im Zusammenhang mit dem Fall unter Hausarrest. © dpa
Und Jörg Kachelmann ist nicht mehr der witzige Wettermoderator, seit er wegen Vergewaltigungsvorwürfen auf der Anklagebank am Landgericht Mannheim sitzt. © dpa
Frauen scheinen ihre Triebe dagegen eher im Griff zu haben - oder sie sind schlicht diskreter. Doch auch hier gibt es Fälle. So etwa Iris Robinson, die Frau des nordirischen Ministerpräsidenten, die sich von einem Teenager hinreißen ließ. Ausbaden musst es allerdings vor allem ihr Mann: Peter Robinson musste vorübergehend sein Amt abgeben. © dpa

Geimer schreibt weiter, sie sei verängstigt gewesen und habe geweint, als Polanski sie nach dem Vorfall nach Hause gefahren habe. Er habe gefragt, wie es ihr gehe, und ihr gesagt, sie solle ihrer Mutter nichts erzählen. In ihr Tagebuch schrieb Geimer nach eigener Schilderung: "Roman Polanski hat Bilder von mir gemacht, und er hat mich vergewaltigt."

Geimer berichtete schließlich aber doch von dem Abend, und Polanski wurde festgenommen. Seitdem habe sie unter dem massiven Druck von Polizei und Medien gestanden, heißt es in der Autobiografie. "Irgendwie war das, was passiert war - so schlimm es war - nicht so schlimm, wie das, was noch kam." In der kalifornischen Justiz habe es "korrupte Akteure" gegeben, "deren Gier nach Öffentlichkeit ihr Bemühen um Gerechtigkeit übertraf".

Ihre Familie habe keine Strafe für Polanski gefordert, sondern sich nur gewünscht, "dass die Justizmaschinerie gestoppt wird", sagte Geimer. Sie selbst habe dem Regisseur mittlerweile verziehen - nicht um seinetwillen, sondern um ihrer selbst willen, um nicht als schwaches Opfer da zu stehen.

Der heute 80-jährige polnisch-französische Regisseur hatte sich nach seiner Festnahme wegen Sex mit einer Minderjährigen schuldig bekannt. Nach 42 Tagen im Gefängnis nutzte er seine vorläufige Freilassung kurz vor dem Urteilsspruch zur Flucht aus den USA, die er seitdem nie wieder betrat. 2009 holte ihn seine Vergangenheit ein, als er in der Schweiz auf Grundlage eines US-Haftbefehls festgenommen wurde. Nach zwei Monaten wurde er unter Hausarrest gestellt, neuneinhalb Monate später wurde der Hausarrest aufgehoben.

AFP

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