Politischer Hintergedanke?

Charles und Camilla besuchen Deutschland: Prinz spricht im Bundestag - auf Deutsch

Sympathie sammeln für die Brexit-Verhandlungen? Prinz Charles und Ehefrau Camilla besuchen in Deutschland die Zeremonie zum Volkstrauertag. Ein Experte vermutet einen politischen Hintergedanken.

  • Prinz Charles und Ehefrau Camilla nehmen am 15. November an der Zeremonie zum Volkstrauertag teil.
  • Prinz Charles spricht im Bundestag: „...werden immer Freunde, Partner und Verbündete sein“.
  • Royal-Experte Alexander von Schönburg vermutet einen politischen Hintergedanken aufgrund der Brexit-Verhandlungen - durch die Wahl Joe Bidens wieder Bewegung in die Brexit-Verhandlungen kommen.
  • Dieser Ticker ist beendet.

Update vom 15. November, 18.17 Uhr: Nicht nur der Brexit bewegt Großbritannien und Deutschland gleichermaßen. Auch globale Krisen wie der Klimawandel und die Coronavirus-Pandemie ließen sich nicht im Alleingang bewältigen. Die Freundschaft zwischen Briten und Deutschen sei - 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges - nach wie vor unersetzlich, sagte Prinz Charles am Sonntag bei der Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag im Berliner Bundestag. „Diese Krisen rufen uns auf, gemeinsam zu handeln“, erklärte er weiter, denn - trotz Brexit - bleibe man gemeinsam eine „unverzichtbare Kraft für das Gute in der Welt“.

Beide Länder sollten weiter „entschlossen jene Werte verteidigen, die man teile“ und „weltweit als Verfechter der Menschenrechte und der regelbasierten internationalen Ordnung“ auftreten, sagte der Sohn von Königin Elisabeth II. Angesichts der Bedrohungen für die gemeinsamen Werte und Freiheiten müsse man auch künftig wachsam bleiben und entschieden gegen „Akte unsagbarer Grausamkeit“ gegen Menschen wegen ihrer Religion, ethnischen Herkunft oder politischen Überzeugungen vorgehen.

„Unsere beiden Länder sind instinktive Problemlöser, die gemeinsam an innovativen und praktischen Lösungen für die Herausforderungen arbeiten, mit denen wir uns auf der Welt konfrontiert sehen“, schloss Prinz Charles seine Ansprache. Der Thronfolger war schon am Samstagabend trotz der Beschränkungen aufgrund der Corona-Krise gemeinsam mit seiner Ehefrau, Herzogin Camilla, nach Berlin gekommen. Zum ersten Mal überhaupt nahm mit dem 72-jährigen Thronfolger ein Mitglied der britischen Königsfamilie an der zentralen Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag teil.

An jenem Tag gedenkt Deutschland der Toten von Krieg und Gewaltherrschaft. Der Gedenktag, dessen Ursprünge bis in das Jahr 1922 zurückreichen, war auf Anregung des Volksbundes 1952 wieder eingeführt worden und wird seitdem jedes Jahr zwei Wochen vor dem ersten Advent begangen. Im Auftrag der Bundesregierung kümmert sich der Volksbund um die Gräber von etwa 2,7 Millionen Kriegstoten auf 832 Soldatenfriedhöfen in 45 Staaten weltweit. Die Opfer von Krieg, Verfolgung und Gewaltherrschaft sollten Prinz Charles Ansprache zufolge dazu inspirieren, gemeinsam für eine bessere Zukunft zu streiten.

Prinz Charles: „Wir werden immer Freunde, Partner und Verbündete sein“

Update vom 15. November, 14.14 Uhr: Verfolgen Sie die Rede des britischen Thronfolgers jetzt im Livestream. Prinz Charles hält seine Rede auf Deutsch und Englisch. „Das Vereinigte Königreich hat sich für eine Zukunft außerhalb der Europäischen Union entschieden und die Beziehung zwischen unseren Ländern verändert sich aufs Neue. Die Gestaltung dieser Beziehung ist Gegenstand von Verhandlungen unserer Regierungen. Ich bin der festen Überzeugung, dass die zentralen Bande zwischen uns stark bleiben werden. Wir werden immer Freunde, Partner und Verbündete sein. Lassen Sie uns diese Bande zu Beginn dieses neuen Kapitels in unserer langen Geschichte für die bevorstehenden Jahre festigen.“

Prinz Charles und Camilla in Deutschland: Gemeinsamer Termin mit Steinmeier

Update vom 15. November, 13.58 Uhr: Der Bundespräsident nimmt gemeinsam mit den beiden Royals an der Kranzniederlegung zum Volkstrauertag an der Neuen Wache in Berlin-Mitte teil. Seit 1993 ist dort die zentrale Gedenkstätte der Bundesrepublik für die Opfer der Kriege und der Gewaltherrschaft. Auf die Karte am Kranz schreibt Prinz Charles eine handschriftliche Botschaft: „In everlasting remembrance of all victims of conflict and tyranny. Charles.“ („In ewiger Erinnerung an alle Opfer von Konflikten und Tyrannei. Charles.“)

Update vom 15. November, 12.48 Uhr: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erklärt nach dem Gespräch mit Prinz Charles:„Wir Deutsche sind Prinz Charles und Herzogin Camilla tief dankbar für diese außergewöhnliche Geste der Versöhnung und der Verbundenheit in außergewöhnlichen Zeiten. Uns einen der Wunsch und die feste Absicht, die gute Nachbarschaft und enge Partnerschaft zwischen dem Vereinigten Königreich und Deutschland auch in Zukunft zu erhalten und zu stärken“.

Update vom 15. November, 10.13 Uhr: Am Sonntagvormittag empfängt Bundespräsident Frank Walter-Steinmeier die royalen Gäste im Schloss Bellevue. Prinz Charles wird mit Gattin Camilla der offiziellen Zeremonie zum Volkstrauertag beiwohnen und anschließend eine Gedenkrede im Bundestag halten. Frank-Walter Steinmeier wird in seiner Rede speziell auch Opfern terroristischer, politischer, islamistischer, rassistischer und antisemitischer Anschläge und Morde in Deutschland gedenken. Es ist das erste Mal, dass Mitglieder der Königsfamilie an der Veranstaltung teilnehmen. Seit 1962 war Charles mehr als dreißigmal in der Bundesrepublik, zusammen mit Camilla besuchte er Deutschland zuletzt im Mai 2019.

Prinz Charles (r) wird mit Mund-Nasen-Bedeckung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier empfangen.

Update vom 14. November, 20.36 Uhr: Am Abend sind Prinz Charles und seine Frau Camilla in Berlin angekommen. Am Flughafen wurden sie staatlich empfangen. Es ist der Geburtstag des „Prince of Wales“. Der Grund des royalen Besuchs in Deutschland, ist der Volkstrauertag am Sonntag, der dieses Jahr im Zeichen der deutsch-britischen Beziehungen steht. Die beiden Royals werden im Zuge dessen morgen an verschiedenen Veranstaltungen teilnehmen, heißt es auf Twitter. Zuvor war bereits spekuliert worden, dass der Besuch des royalen Paares noch einen anderen politischen Hintergedanken haben könnte (Erstmeldung 13. November).

Royaler Besuch in Deutschland: Prinz Charles reist an seinem 72. Geburtstag nach Deutschland

Update vom 14. November, 13.32 Uhr: Einen Tag vor seinem Auftritt in Deutschland feiert Prinz Charles seinen 72. Geburtstag. Die Liste der Gratulanten dürfte da ziemlich lang sein. Darunter natürlich auch die eigene Familie. Prinz William und Kate Middleton gratulierten gleich am Morgen auch öffentlich und Charles‘ Mutter Queen Elizabeth ließ auf Twitter zwei Bilder mit ihrem Sohn veröffentlichen. Für so viel Aufmerksamkeit bedankt sich der künftige König seinerseits mit einem strahlenden Lächeln.

Eine Party wird es aber aus mehreren Gründen nicht geben. Zum einen erlauben die Corona-Vorschriften keine größeren Zusammenkünfte und zum anderen nutzen Prinz Charles und Herzogin Camilla den Geburtstag des Thronfolgers bereits für die Anreise nach Deutschland. Das berichtet die britische Royal-Reporterin Roya Nikkah auf Twitter.

Royaler Besuch in Deutschland: Haben Prinz Charles und Herzogin Camilla politische Hintergedanken

Erstmeldung vom 13. November, 14.36 Uhr: Berlin - Auf Einladung des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier besuchen Prinz Charles und seine Frau Camilla die Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag in Berlin am 15. November, wie die britische Botschaft mitteilte. Geplant ist auch eine Rede des britischen Thronfolgers, die aufgrund des Coronavirus vor deutlich weniger Publikum stattfinden wird als sonst üblich. Der Prinz selbst musste die Krankheit bereits durchstehen.

Der Journalist und Chef eines der ältesten deutschen Adelshäuser, Alexander von Schönburg, äußerte in der Polit-Talkshow „Jetzt reden Vierder „Bild“ nun einen ganz anderen Verdacht über die Hintergründe des Berlin-Besuchs von Charles und Camilla.

Royals in Berlin: Besuch von Charles und Camilla soll politischen Hintergedanken haben

„Großbritannien ist durch die Wahl Bidens in einer ganz, ganz schlechten Lage. Trump war ein Brexit-Befürworter und ein Freund von Boris Johnson. Der Biden ist ein Ire vom Herzen her und dem Brexit extrem kritisch gegenüber“, so Alexander von Schönburg. Die Verhandlungsposition sei in der letzten Phase des Brexit sehr schlecht. Die Theorie des Royal-Experten daher: Das auswärtige Amt in Großbritannien schickt Prinz Charles und Camilla, um für gute Stimmung zu sorgen. Wenn „Berlin ein bisschen Sympathie hat mit den Briten und sagt ‚lass uns nicht so streng sein mit den Fischereirechten und lass dem bisschen entgegenkommen mit Irland‘, dann könnte das sozusagen der Durchbruch sein“, kommentiert Alexander von Schönburg.

Camilla und Charles pflegen die deutsch-britische Freundschaft.

Prinz Charles und Gattin Camilla in Deutschland: US-Präsident Joe Biden kein Brexit-Befürworter

Tatsächlich befürwortet der neu gewählte US-Präsident Joe Biden tendenziell eher ein starkes Staatenbündnis als einen harten Brexit. Er sprach sich bereits während des Wahlkampfs gegen einen No-Deal-Brexit aus, sollte es damit zu einer Grenze zwischen Irland und Nordirland kommen. Joe Biden hat selbst irische Wurzeln und seine Wahl könnte die EU-Länder und Großbritannien wieder an den Verhandlungstisch für einen Deal bringen. Ein gutes Verhältnis zu Deutschland, als Stimme in der EU, ist für die Briten sicher wichtig. (jh)

Rubriklistenbild: ©  Eddie Mulholland / The Daily Teleg / PA Wire / dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.