Günther Kaufmann: Tod beim Spazierengehen

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Mit diesem Grinsen wird Günther Kaufmann allen in Erinnerung bleiben

Berlin - Er spielte oft für Fassbinder, saß drei Jahre zu Unrecht wegen Mordes im Gefängnis - und ließ schließlich auch das Dschungelcamp nicht aus: Der Schauspieler Günther Kaufmann ist überraschend gestorben.

Der Schauspieler Günther Kaufmann ist tot. Der gebürtige Münchner wurde 64 Jahre alt. Er brach am Donnerstag in Berlin auf offener Straße zusammen, wie ein Polizeisprecher am Freitagabend sagte und damit einen Bericht der “Bild“-Zeitung bestätigte. Kaufmann sei beim Spazierengehen im Ortsteil Grunewald an Herzversagen gestorben, schrieb die Zeitung.

Der Fassbinder-Darsteller, der auch in Musicals mitwirkte, machte Schlagzeilen, als er zeitweise zu Unrecht wegen Mordes im Gefängnis saß. Im Jahr 2009 sahen ihn Millionen als einen der Kandidaten im RTL-Dschungelcamp (“Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!“).

“Der weiße Neger vom Hasenbergl“ - so der Titel seiner Autobiografie - wuchs als Sohn eines US-Armee-Angehörigen und einer Deutschen in Münchens Viertel Hasenbergl auf.

Trauer um TV-Star Günther Kaufmann - Porträt in Bildern

Günther Kaufmann war ein gefeierter Schauspieler, sein Name wird aber immer verbunden bleiben mit einem realen Krimi: Drei Jahre lang saß er unschuldig im Gefängnis. Kurz bevor aus dieser Geschichte ein Kinofilm werden sollte, ist Kaufmann nun überraschend gestorben. © dpa
Er lebte ein Leben wie in einem Film - doch früh läuft jetzt der Abspann: Schauspieler Günther Kaufmann ist völlig überraschend im Alter von 64 Jahren gestorben. Auf einer Straße in Berlin brach er am Donnerstag zusammen. Dabei hatte er noch bei seinen öffentlichen Auftritten in der jüngsten Vergangenheit vor Kraft nur so gestrotzt. © dpa
Seine donnernde Stimme und sein lautes Lachen konnten Räume füllen. Es ist noch gar nicht lange her, dass er “Dschungel“-Sternchen Micaela auf dem roten Teppich gut gelaunt an die Wäsche ging, dass er den “Schrecklichen Sven“ in den Wickie-Filmen spielte, dass er selbst im RTL-Dschungelcamp in der Hängematte lag oder seinem Sohn Dave beim “Supertalent“ zujubelte. © dpa
Auftritte wie diese haben ein bisschen in Vergessenheit geraten lassen, welche Karriere und welch ein bewegtes und dramatisches Leben Kaufmann hinter sich hatte: Aus Liebe zu seiner krebskranken Frau ließ sich er sich 2002 zu 15 Jahren Haft verurteilen, fast drei Jahre saß er ab - und er hätte bis zuletzt hinter Gittern gesessen, wären nicht überraschend die wahren Täter gefasst worden. © dpa
Er habe seiner Frau Alexandra die harten Vernehmungen ersparen wollen, begründete Kaufmann. “Alexandra hätte nicht einmal eine Stunde Vernehmung überstanden - ich wollte ihr das ersparen, weil sie todkrank war“, sagte er einmal. Später stellte sich heraus, dass einer der Täter ihr Geliebter war. © dapd
Das Opfer war der Steuerberater von Kaufmann und seiner Frau. 2001 wurde er erstickt in seiner Villa gefunden. Alexandra hatte ihn um mehr als 500 000 Euro betrogen. Auch als sie noch sechs Wochen vor Prozessbeginn starb, blieb Kaufmann bei seinem falschen Geständnis. Er habe keine Chance gesehen, seine Unschuld zu beweisen, sagte er. © dpa
Erst als die Frau von einem der wahren Täter zur Polizei ging, klärte sich der Fall auf. Weil er im Laufe der Ermittlungen zwei unschuldige Freunde der Mittäterschaft bezichtigt hatte, bekam er allerdings eine Bewährungs- und Geldstrafe. © dpa
Bevor er mit diesem realen Krimi für Schlagzeilen sorgte, war der in München geborene Kaufmann als Krimi-Darsteller in Serien wie “Derrick“ und “Der Alte“ bekannt und als Fassbinder-Schauspieler berühmt. In den 70er und 80er Jahren spielte er in mehr als einem Dutzend Filme von Rainer Werner Fassbinder (1945-1982) mit, darunter “Berlin Alexanderplatz“ und “Die Ehe der Maria Braun“. © dpa
Seinen “bayerischen Neger“ soll der Filmemacher ihn genannt haben, schreibt Autor Jürgen Trimborn in seiner neuen Fassbinder-Biografie. “Der weiße Neger vom Hasenbergl“ - so nannte der Sohn eines US-Soldaten und einer Deutschen sich selbst und seine Autobiografie. Zuletzt war Kaufmann erst in diesem Jahr in einer Nebenrolle in dem Kinofilm “Türkisch für Anfänger“ zu sehen. Außerdem trat er in verschiedenen Musicals auf. © dapd
Sein Schicksal bietet wahrhaftig genug Stoff für einen dramatischen Film - und dazu sollte es auch werden. Kaufmann plante die Verfilmung seines Lebens. Der geplante Titel lautete “Die zweite Garnitur Gottes“, wie Kaufmann der Nachrichtenagentur dpa im vergangenen Jahr sagte. © dapd
“Es gibt eine erste Garnitur Gottes - das sind Menschen, mit denen Gott es besonders gut gemeint hat. Ich halte mich für die zweite Garnitur.“ Kaufmann selbst wollte die Hauptrolle spielen. Dazu wird es nun nicht mehr kommen. © dpad

In den 70er und 80er Jahren spielte Kaufmann in 16 Fassbinder-Filmen mit; unter anderem in “Berlin Alexanderplatz“, “Die Ehe der Maria Braun“ und “Querelle“. In den 90er Jahren folgten Rollen in TV-Serien wie “Derrick“ oder “Der Alte“.

Auch das Privatleben glich zeitweise einem Krimi: Aus Liebe zu seiner todkranken Frau legte er ein falsches Geständnis ab und ließ sich 2002 für den Mord an seinem Steuerberater zu 15 Jahren Haft verurteilen. Fast drei Jahre saß er ab - bis überraschend die wahren Täter dingfest gemacht wurden. Der Schauspieler widerrief daraufhin sein Geständnis und wurde in einem Wiederaufnahmeverfahren in Augsburg freigesprochen.

2013 sollte eigentlich ein Spielfilm über sein Leben in die Kinos kommen, in dem er selbst die Hauptrolle spielen wollte. Vor einigen Monaten hatte der Schauspieler angekündigt, dass die Dreharbeiten dieses Frühjahr beginnen sollen.

Kaufmann war Vater von zwei erwachsenen Kindern. Dave Kaufmann (geboren 1971) singt und trat auch schon beim RTL-“Supertalent“ auf, Eva Kaufmann wurde 1970 geboren.

dpa

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