Krebs: Schauspieler Jörg Hube stirbt mit 65

München - Er spielte in renommierten Theaterhäusern genauso gerne wie auf Kleinkunstbühnen im Hinterland und schlug das deutsche Theater- und TV-Publikum als Kabarettist, Charakterdarsteller und auch Regisseur in Bann:

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Jörg Hube war einer der vielseitigsten Schauspielkünstler Deutschlands. In der Nacht zum Freitag erlag der 65-Jährige in München einem Krebsleiden.

Am 18. Mai stand Hube das letzte Mal auf der Bühne des Münchner Residenztheaters. "Wir haben gesehen, wie krank er war, und geahnt, dass uns nicht mehr viel Zeit mit ihm bleiben würde", teilte der Intendant des Bayerischen Staatsschauspiels Dieter Dorn am Freitag mit. "Dass es nur noch so wenig war, lässt uns erschüttert zurück." Auch der Intendant des Bayerischen Rundfunks Thomas Gruber zeigte sich betroffen: "Jörg Hube war ein großer Künstler und ein durch und durch guter Mensch. Sein Tod ist ein Verlust für ganz Bayern".

Schauspieler Jörg Hube - Bilder aus seinem Leben

Schauspieler Jörg Hube - Bilder aus seinem Leben

Der am 22. November 1943 im brandenburgischen Neuruppin geborene Hube wuchs in Dießen am Ammersee und in München auf. Das Gymnasium brach er vor dem Abitur ab und lernte das Schauspiel-Handwerk am Mozarteum in Salzburg und der Otto-Falckenberg-Schule in München, die er von 1991 bis 1993 leitete. Seine erstes Engagement führte ihn 1968 an das Theater Trier, wo er die Titelrolle des Kleist-Werkes "Prinz von Homburg" übernahm.

Seit 1973 war Hube dem Münchner Publikum treu, erst als langjähriges Mitglied der Münchner Kammerspiele und zuletzt als Ensemblemitglied des Bayerischen Staatsschauspiels. Dort zeichnete er sich laut bayerischem Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP) als "wirklich volksnaher Schauspieler" aus, "der die bayerische Wesensart auf unnachahmliche Art in die Welt getragen hat - mit all seiner Widerborstigkeit, seiner Wahrhaftigkeit, seiner Liebe zum Theater und seinem bayerischen Grant".

Ob auf der Bühne oder in seinen Fernsehrollen in Serien wie "Monaco Franze", "Löwengrube", "Tatort" oder "Der Alte": Stets brillierte Hube als "große, vielseitige und schier unglaublich wandlungsfähige Künstlerpersönlichkeit", wie ihn der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) bezeichnete. Und Kabarett-Kollege Georg Ringsgwandl schrieb einst über Hube: "Von welchem Schauspieler kriegen Sie alle möglichen Dialekte plus Franz Josef Strauß, Bismarck, die verhärmte Hausfrau, den Bauchredner und die kokette Dame? Das alles kurz nacheinander und zwar nicht als Klamauk, sondern als lebende, anrührende Menschen?"

Hube selbst betitelte die Schauspielerei als "Beruf der Unmündigkeit" und äußerte früh den "Wunsch, authentisch sich selbst zu vertreten und nicht immer nur ein Instrument zu sein im Dienste eines Regisseurs". Wohl auch deshalb nahm er gerne auf dem Regiestuhl Platz und machte sich als Kabarettist mit seinen "Herzkasperl"-Programmen einen Namen. 1997 wurde Hube dafür mit dem Deutschen Kabarett-Preis ausgezeichnet. Außerdem erhielt er den Adolf-Grimme-Preis, den Deutschen Kleinkunstpreis und wurde diesen Mai für sein Lebenswerk mit dem Ehrenpreis des Bayerischen Kabarettpreises dekoriert.

Jörg Hube war noch voller Pläne. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Beatrix Doderer stand er immer wieder mit dem Programm "Sugardaddy" auf der Bühne. In diesem Jahr freute er sich auf sein Debüt als neuer Ermittler in der TV-Serie "Polizeiruf 110". Nur ein Film konnte aber fertiggestellt werden, er gehört nun zum Nachlass des großen Schauspielers. Das Bayerische Fernsehen verabschiedet den Künstler an diesem Samstag ab 20.15 Uhr mit einer "Jörg Hube-Nacht". dpa

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