Schlappe für Schlagerstar

Wendler darf sich nicht mehr "Der Wendler" nennen

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Schlagerstar Michael Wendler („Sie liebt den DJ“) darf nicht länger als „Der Wendler“ auftreten.

Düsseldorf - Schlagerkönig Michael Wendler hat vor Gericht eine Schlappe kassiert: Er darf den Namen „Wendler“ nicht für sich allein beanspruchen. Nun muss er seinem Namensvetter vielleicht sogar Schadenersatz zahlen.

Schlagerstar Michael Wendler („Sie liebt den DJ“) darf nicht länger als „Der Wendler“ auftreten. Das hat das Düsseldorfer Oberlandesgericht am Dienstag im jahrelangen Sängerstreit „Wendler gegen Wendler“ überraschend zu Gunsten seines deutlich weniger bekannten Namensvetters Frank Wendler entschieden. Keiner der beiden Sänger dürfe den Nachnamen „Wendler“ ohne Zusatz für sich allein beanspruchen. Beide seien „zur wechselseitigen Rücksichtnahme verpflichtet“.

Im Gegenzug muss Frank Wendler (54) seine Wortmarke „Der Wendler“ löschen. Der Mann aus Velbert in Nordrhein-Westfalen, in der ersten Instanz noch unterlegen, war zufrieden und triumphierte: Schlagerstar Michael Wendler habe seinen Namen lange genug „beschmutzt“. „Schönen Gruß an Michael Wendler. Ich habe ihm oft genug angeboten: Lass uns reden.“

Die größten Shitstorms

Nestlé: Für großes Aufsehen sorgte ein Shitstorm im Jahr 2010, dessen Triebfeder die Umweltschutz-Organisation Greenpeace war. Greenpeace kritisierte die Verwendung großer Mengen von Palmöl bei der Produktion von Nestlés KitKat. Die Lebensräume von Orang-Utans würden dadurch zerstört. Angestossen wurde das Ganze mittels einer Social-Media-Kampagne mit schockierenden YouTube-Videos. Diese verbreiteten sich rasend schnell. Nestlé wollte daraufhin das Video verbieten, indem gewisse Fanseiten abgeschaltet wurden. So wollte man der Diskussion entkommen. Das genaue Gegenteil passierte. Die Aufmerksamkeit nahm sogar noch zu und das Video verbreitete sich noch schneller im Netz. © dpa
O2: 2011 beschwerte sich ein Blogger wegen Netzproblemen bei dem Mobilfunkanbieter. Als Antwort bekam er, dass es sich dabei lediglich um einen Einzelfall handele. Im Anschluss startete der Shitstorm in Form der Aktion: „Wir sind Einzelfall“. Tausende Betroffene meldeten sich. O2 gab zu, dass es sich nicht nur um Einzelfälle handele und versprach, sein Netz auszubauen. © dpa
Schlecker: Auch die insolvente Drogeriemarktkette wurde bereits mit einem Shitstorm konfrontiert, nachdem sie 2011 einen neuen Werbeslogan etablieren wollte. For You. Vor Ort – hieß der Slogan, der eine besondere Nähe zum Kunden herausstellen sollte. Der Shitstorm brach los, als ein Unternehmenssprecher ungeschickt auf Kritik reagierte. Er sagte, dass das Motto den durchschnittlichen Schlecker-Kunden anspreche. Und zwar Menschen mit niedrigem bis mittlerem Bildungsniveau. Empörte Reaktionen waren die Folge. © dpa
ING-DiBa: Auslöser war ein weithin bekannter Werbespot mit Basketball-Star Dirk Nowitzky. In einem seiner Reklamefilmen verputzte der Würzburger in einer Metzgerei eine Scheibe Wurst: Ein absoluter Skandal für viele Vegetarier und Veganer. Also lösten sie 2011 einen Shitstorm aus, indem Sie die Facebook-Seite der Bank mit zahllosen kritischen Posts zum Fleischkonsum überfluteten. Besonders interessant an diesem Shitstorm: Viele Kunden solidarisierten sich mit der ING-DiBa und kritisierten den aggressiven Ton und anmaßende Kommentare der Provokateure. In der Folge drehte der Shitstorm und entlud sich auf dem Erzeuger. © dpa
Deutsche Bahn: Das Unternehmen erlebte ebenfalls die Macht der Internet Community, als sie im Herbst 2010 ein Chef-Ticket für 25 Euro anbot, mit dem man durch ganz Europa reisen konnte. Verkauft wurden die Fahrkarten über eine Facebook-Seite. Was die Bahn nicht bedacht hatte: Die Besucher des Profils nutzten die Plattform nicht nur zum Kauf des Tickets, sondern auch, um ihren Ärger über verspätete Züge, defekte Technik oder Stuttgart 21 Luft kundzutun. Der Fehler der Bahn im Umgang mit der Entrüstung: Während des Shitstorms fehlte es an jeglicher professionellen Moderation und Mediation. Für die Deutsche Bahn war die Geschichte ein riesiges PR-Debakel. © dpa
Instagram: Neue Nutzungsbestimmungen, mit denen die Kunden des Online-Fotodienstes Instagram nicht einverstanden waren, brachten dem Unternehmen im Dezember 2012 einen Image-Schaden und einen Shitstorm ein, der sich gewaschen hatte. Instagram wollte ungefragt Bilder von Nutzern ohne Honorar verkaufen. Die Konsequenz: Ein Sturm der Entrüstung. Am Ende lenkte Instagram ein. © dpa
Vodafone: Macht hat im Internet auch der Einzelne. Eine Kundin löste im vergangenen August einen Shitstorm aus und trieb so einem Weltkonzern die Sorgenfalten auf die Stirn. Die Frau war vom Vodafone-Kundenservice enttäuscht und tat dies auf der Facebook-Seite des Unternehmens kund. Innerhalb kürzester Zeit klickten über 100.000 Nutzer „gefällt mir“ und berichteten ihrerseits von Problemen mit dem Mobilfunkanbieter. © dpa
Tagesschau: Zu den Protesten gegen die Sparpolitik in Spanien im September 2012 berichtete die Tagesschau kein Wort. Darüber beschwerten sich schließlich Leser bei der Redaktion. Diese verhielt sich jedoch reichlich ungeschickt. Man sei unabhängig, auch von Shitstorm-Aktivisten. Mit dem Hinweis: “Liebe Fans der Facebook-Seite der Tagesschau, in Madrid finden zur Zeit Proteste gegen die Sparpolitik der Regierung statt. Ein ARD-Team ist vor Ort, auch Tagesschau.de wir darüber in Kürze berichten. Wer bereits zuvor schon seine Meinung dazu los werden möchte, kann dies hier tun, wir bitten darum, den Shitstorm unter den anderen Threads zu beenden, vielen Dank!” sollte dem Shitstorm ein schnelles Ende bereitet werden. Doch weit gefehlt. Eine Falschmeldung über die Anzahl der Protestler erzeugte eine erneute Welle der Empörung, die erst langsam wieder abflaute. © dpa
Samsung: Als besonders witziges Beispiel wird wohl der Shitstorm den Samsung 2012 heraufbeschworen hat, in die Geschichte eingehen. Der Technologiekonzern fragte auf seiner US-Fanseite bei Facebook: „Welches elektronische Gerät würdet ihr auf eine einsame Insel mitnehmen?“ Die amüsante Antwort: „Das Iphone 5“ oder zumindest irgendein Smartphone des Rivalen Apple. Was in der Umfrage jedoch kaum vor kam, waren Samsung-Geräte. Fast 12.000 Kommentatoren beantworteten die Frage, 45.000 Menschen drückten die „like“ Taste. Pfiffige Markenwerbung sieht anders aus. © dpa
Michael Wendler: Einer der wahrscheinlich größten Fälle drehte sich im vergangenen Jahr um Schlagersänger Michael Wendler Über 700.000 Facebook-Mitglieder sprachen zur Spitzenzeit über den erfolgreichen Sänger. Die Seite wurde sogar zeitweise vom Netz genommen. Es handelte sich um eine Anti-Wendler-Kampagne, in Folge einer Fernsehsendung, in der es um einen Streit des Sängers mit zwei weiblichen Fans ging, die am Ballermann ein Café mit seinem Namen eröffnet hatten. Wendler soll dafür angeblich Geld von den Damen verlangt haben. © dpa
Teldafax: Schlechte Kundenkommunikation führte bei Teldafax 2011 zu einem gesalzenen Social Media Desaster. Das Unternehmen wies seine Kunden auf der firmeneigenen Facebook-Präsenz darauf hin, dass die Seite „echt nicht der geeignete Platz für Beschwerden und Kundenanliegen“ sei. Die wiederum fanden diesen Kommentar alles andere als lustig, machten genau das Gegenteil und traten eine Shitstorm-Welle los. © dpa
Der Sänger und Gashändler Frank Wendler hatte sich „Der Wendler“ 2008 als Wortmarke gesichert.

Der Sänger und Gashändler Frank Wendler hatte sich „Der Wendler“ 2008 als Wortmarke gesichert. Beim Namen Wendler handele es sich um seinen richtigen Nachnamen, unter dem er schon weit länger als Sänger auftrete als Michael Wendler, hatte er argumentiert. Der sei als Skowronek geboren worden, heiße nun Norberg und habe sich den „Wendler“ erst als Künstlernamen zugelegt.

Michael Wendlers Anwalt hatte schon die Anmeldung der Marke „Der Wendler“ als „vermutlich böswillig“ eingestuft. Bereits 2008 habe die Öffentlichkeit den Namen „Wendler“ ganz überwiegend mit Michael Wendler verbunden, nicht mit dem außerhalb Velberts weitgehend unbekannten Frank Wendler.

Der Vorsitzende Richter Wilhelm Berneke hatte vergeblich für einen Vergleich geworben. Nun kann Frank Wendler sogar Schadenersatz geltend machen: Das Oberlandesgericht verpflichtete Michael Wendler zur Auskunft darüber, welche Gewinne und Umsätze er als „Der Wendler“ gemacht habe.

Das Gericht ließ die Revision zum Bundesgerichtshof nicht zu. Die Entscheidung (Az.: I-20 U 67/12) ist dennoch nicht rechtskräftig. Michael Wendler könnte sie noch mit einer Beschwerde anfechten.

dpa

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