Brigitte Bardot wird 75

Vom schönsten Schmollmund zur härtesten Tierschützerin

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Zweimal Brigitte Bardot: Links und den 1960er Jahren auf dem Höhepunkt ihrer Karriere als Schauspielerin. Rechts: Die engagierte Tierschützerin heute.

Paris - Der berühmteste Schmollmund der Welt wird 75: Brigitte Bardot wurde als Schauspielerin weltberühmt. Heute kämpft sie rücksichtslos für den Tierschutz. Ein Rückblick auf ihr bewegtes Leben.

Erotisch, sexy und lasziv. Ein Bild, das auch heute noch aus Brigitte Bardot einen Mythos macht - im Sinn von Ruhm und Berühmtheit. B.B., wie die Kindfrau mit Schmollmund in die Filmgeschichte eingegangen ist, gehört seit dem Streifen “Und ewig lockt das Weib“ zu Frankreichs populärsten Filmstars. Doch bevor Bardot auf der Leinwand zu altern begann, hörte sie im Alter von rund 40 Jahren mit der Schauspielerei auf.

Die schönste Französin: Brigitte Bardot wird 75

An ihrem Schmollmund hing eine ganze Männergeneration: Brigitte Bardot machte alle verrückt. Die französische Schauspielerin wird am 28. September 75 Jahre alt. Ein Rückblick auf ihr bewegtes Leben. © dpa
Mit diesem Image wurde die Bardot - Spitzname „BB“ - weltberühmt. © AP
In den 1950er und 1960er Jahren war Brigitte Bardot eine der begehrtesten und meistfotografierten Frauen Europas. © MM
Frankreich ehrte sie besonders, indem die Marianne, die Verkörperung der Grande Nation in Frauengestalt, nach ihren Zügen gestaltet wurde. © dpa
Sie startete ihre Karriere mit 15 Jahren als Hut-Model. Innerhalb kurzer Zeit wurde sie zu einem der meistgefragten Mannequins von Paris. © dpa
Bevor das Mädchen mit Pferdeschwanz zum Vamp und zur Lolita einer ganzen Nation wurde, litt die Bardot an Minderwertigkeitskomplexen. “Die sieht ja aus wie eine Ente“ soll ihr Vater, ein reicher lothringischer Ingenieur und Fabrikbesitzer über sie gesagt haben. © AP
Der Regisseur Roger Vadim heiratete die Bardot, als sie knapp 18 Jahre alt war. Vadim trainierte mit ihr den berühmten Schmollmund, ließ sie ihre kastanienbraune Mähne blond färben und formte sie nach seinem Bild: halb Vamp, halb Lolita, eine Mischung aus Busenwunder, Kindfrau und naiver Unschuld. © AP
Ihren internationalen Durchbruch als Schauspielerin schaffte sie 1956 mit dem Film „Und immer lockt das Weib.“ Im Jahr darauf scheiterte die Ehe mit ihrem Entdecker Vadim. © dpa
In Filmen wie „Die Verachtung“ von Jean-Luc Godard, „Privatleben“ von Louis Malle oder „Die Wahrheit“ von Henri-Georges Clouzot trug die Bardot ihre Haut und ihre erotische Ausstrahlungskraft natürlich und ungeniert zur Schau. © AP
In den 50er und frühen 60er Jahren verkörperte die „BB“ einen neuen Frauentyp. Lebenshunger, freie Liebe und ein Leben ohne Heuchelei: Diese Werte verbanden ihre Fans mit der Bardot. © dpa
1966 eroberte der deutsche Playboy und Industriellenerbe Gunter Sachs die Bardot. Frankreich war entsetzt: Ausgerechnet ein Deutscher stahl die französische Nationalikone. Und zwar mit Stil. Von einem Hubschrauber aus ließ Sachs Bündel von roten Rosen auf seine Angebetete herabregnen. © dpa
Der unkonventionelle Heiratsantrag zeigte Wirkung: Umgehend jetteten der Playboy und das Sexsymbol nach Las Vegas. Für ihre Hochzeit zogen sie sich nicht einmal um. Nach nur acht Minuten waren Sachs und Bardot zu Mann und Frau erklärt. Ihre Hochzeitsnacht verbrachten sie auf der Couch des Richters, der sie getraut hatte. © dpa
Die Hochzeit fand ausgerechnet am 14. Juli statt, dem Französischen Nationalfeiertag. Sachs wusste um die Symbolik dieses Datums. © AP
Für Gunter Sachs ist es die zweite, für Brigitte Bardot die dritte Ehe. Insbesondere in Deutschland berichtete die Klatschpresse ständig über das Paar. © AP
Doch die beiden waren extrem gegensätzlich: „Er ist eine Stadtratte, ich bin eine Feldratte, wir konnten uns nicht einigen“, sagte Bardot später über Sachs. © AP
Bereits 1969 trennte sich DAS Glamour-Paar des internationalen Jet-Sets wieder. Sachs erklärte damals nüchtern  "Wir wussten beide, dass Leidenschaft nicht ewig währt." © AP
Brigitte Bardot war auch als Sängerin erfolgreich. Bekannt ist vor allem ihr Lied Harley Davidson (1967). © AP
Der Erfolg ihrer Filme setzt sich auch nach dem Ende der Ehe mit Sachs fort. Sie spielte in Kassenschalgern wie „Shalako“ (68), „Les pétroleuses - Die Petroleum-Miezen“ (71) und „Don Juan ou si Don Juan était une femme - Don Juan 73“ (73). © AP
Ein Szenenbild aus „Shalako“ (1968), einem ihrer größten Erfolge. © AP
Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere stieg die Bardot 1973 aus dem Filmgeschäft aus. Sie schlüpfte danach in die Rolle der verbitterten und kämpferischen Tierschützerin, die die Gesellschaft von Hunden und Katzen den Menschen vorzog. © AP
Ihre Tierliebe äußert sich nicht selten in Hass- und Hetztiraden. Sie verglich das islamische Opferfest Aid el Kebir mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001, bezeichnete das rituelle Schlachten als “islamische Zügellosigkeit“ und sprach von “monströsen, satanischen Menschen“. © dpa
Seit den 90ern steht Bardot der extremen französischen Rechten nahe. 1992 heiratete sie den rechtsradikalen Politiker Bernard d‘Ormale. Mit politisch wenig korrekten Aussagen sorgt sie für Furore. Wegen Äußerungen und Publikationen gegen Homosexuelle, Frankreichs Linke, Obdachlose und illegale Einwanderer musste Bardot in den vergangenen Jahren immer wieder vor Gericht. © dpa
Trotzdem wird sich Frankreich am 75. Geburtstag Bardots daran erinnern, dass sie in ihren besten Filmzeiten mehr Exporteinnahmen erlöste als die im Ausland verkauften Autos von Renault. B.B. kann machen oder sagen, was sie will - sie wird die schmollmündige Legende des Kinos sein und bleiben. © AP

Was danach folgte, glich einer anderen Rolle, die der verbitterten Frau, die sich in ihren Memoiren als “Menschen- und Gesellschaftsverächterin“ offenbarte. Bardot, die am kommenden Montag (28. September) 75 Jahre alt wird, gehört zu den Filmstars, deren Image eng mit ihrem Schicksal verbunden ist.

“Meine Jugend und Schönheit schenkte ich den Männern. Meine Weisheit und Erfahrung widme ich den Tieren“, schrieb die Schauspielerin, die seit Jahrzehnten zurückgezogen in ihrer Villa “La Madrague“ in St. Tropez lebt, dort wo sie sich einst im Schickeria- Trubel sonnte. Aus ihrem Haus, auf das der schwerreiche Industrielle und Playboy Gunter Sachs, mit dem B.B. kurzfristig verheiratet war, von einem Hubschrauber aus Tausende von Rosen regnen ließ, ist mittlerweile eine “Stiftung zur Rettung der Tiere in aller Welt“ geworden.

Kampf gegen Tierquälerei als Lebensinhalt

Das Sexsymbol, an deren Schmollmund eine ganze Männergeneration hing, verabschiedete sich von der Welt des Films, weil sie des Starrummels müde war. Sie schlüpfte danach in die Rolle der verbitterten Frau, die die Gesellschaft von Hunden und Katzen den Menschen vorzog. Aus ihrem Kampf gegen Tierquälerei hat sie schließlich ihren Lebensinhalt gemacht. Dass sie ihren Namen für eine gute Sache einsetzt, spricht für sie. Doch ihre Tierliebe findet ihren Niederschlag in Hass- und Hetztiraden. Sie verglich das islamische Opferfest Aid el Kebir mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001, bezeichnete das rituelle Schlachten als “islamische Zügellosigkeit“ und sprach von “monströsen, satanischen Menschen“.

Wegen ihrer menschenfeindlichen Äußerungen und Publikationen gegen Homosexuelle, Frankreichs Linke, Obdachlose und illegale Einwanderer musste Bardot in den vergangenen Jahren immer wieder vor Gericht. Ihre rassistischen Bemerkungen werden mittlerweile als skandalös empfunden und schaden dem Ansehen ihrer Stiftung, die Anfang der 90er Jahre wegen ihrer Heirat mit einem Mitglied der rechtsextremen Partei Front National (FN) zahlreiche finanzielle Förderer verlor.

„BB“ blieb ihrer erzkonservativen Erziehung treu

Bardot, die in Filmen wie “Die Verachtung“ von Jean-Luc Godard, “Privatleben“ von Louis Malle oder “Die Wahrheit“ von Henri-Georges Clouzot ihre Haut und erotische Ausstrahlungskraft natürlich und ungeniert zur Schau trug, blieb trotz aller Freiheiten, die sie sich vor der Kamera und im wahren Leben herausnahm, ihrer erzkonservativen Erziehung treu. Vielleicht waren ihre anarchistische Sexualität und ihre zahlreichen Liebhaber ein Hilferuf wie ihre Selbstmordversuche als Jugendliche. Denn bevor das Mädchen mit Pferdeschwanz zum Vamp und zur Lolita einer ganzen Nation wurde, litt die etwas pummelige und puppenhaft wirkende Jugendliche an Minderwertigkeitskomplexen.

Die „Ente“ wird zur schönen Schwänin

“Die sieht ja aus wie eine Ente“ soll ihr Vater, ein reicher lothringischer Ingenieur und Fabrikbesitzer über sie gesagt haben. Als Bardot am 28. September 1934 in Paris das Licht der Welt erblickte, soll auch die Mutter enttäuscht gewesen sein. Die Eltern hatten sich eigentlich einen Sohn gewünscht, “Charles“ sollte er heißen. Als sie mit 15 Jahren ihr erstes Geld als Fotomodell verdiente, war dies der erste Schritt aus dem strengen und wohlbehüteten Elternhaus. Doch erst die Begegnung mit dem Filmregisseur und späteren Ehemann Roger Vadim half ihr zum endgültigen Ausbruch.

Vadim heiratete die knapp 18-Jährige, trainierte mit ihr den berühmten Schmollmund, ließ sie ihre kastanienbraune Mähne blond färben und formte sie nach seinem Bild: halb Vamp, halb Lolita, eine Mischung aus Busenwunder, Kindfrau und naiver Unschuld. Mit dem Film “Und ewig lockt das Weib“ unter seiner Regie wurde die 21-Jährige über Nacht zum Star und zum Mythos B.B.. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere in den Jahren 1973/74 verabschiedete sie sich von der Leinwand mit folgenden Worten: “Ich hasse die Menschen. Mein Gleichgewicht finde ich in der Natur, in der Gesellschaft von Tieren.“

Von Sabine Glaubitz

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