So hart ist Kachelmanns Anwalt Schwenn

Mannheim - Messerscharf, angriffslustig und erfolgreich: Das ist Johann Schwenn, der knallharte Verteidiger des freigesprochenen Wettermoderators Jörg Kachelmann. Im Video schimpft er über die Richter.

Zugleich feuerte er noch eine Breitseite gegen die Staatsanwaltschaft ab, von der Kachelmann “auf das Schäbigste behandelt“ worden sei. Und das Landgericht, das Kachelmann wegen des Verdachts der schweren Vergewaltigung zeitweise in Untersuchungshaft hielt, sei überfordert gewesen, kritisierte Schwenn. Insgesamt sei der bekannte Wettermoderator stark “beschädigt“ worden.

Fall Kachelmann: Der Tag der Urteilsverkündung

Urteil Kachelmann Bilder
31. Mai: Jörg Kachelmann kommt zur Urteilsverkündung am Landgericht Mannheim an. © dpa
Urteil Kachelmann Bilder
Der Medienrummel am Tag der Urteilsverkündung ist enorm. © dpa
Urteil Kachelmann Bilder
Vor dem Landgericht Mannheim bildete sich eine lange Schlange von Zuhörern. © dpa
Urteil Kachelmann Bilder
Die ersten hatten sich bereits um 5.00 Uhr angestellt, um einen Platz im Gerichtssaal zu bekommen. © dpa
Urteil Kachelmann Bilder
Der Medienrummel am Tag der Urteilsverkündung ist enorm. © dpa
Urteil Kachelmann Bilder
Der Wetterexperte kommt beim 44. Prozesstag mit Anwältin Andrea Combe zur Urteilsverkündung zum Gericht. © dpa
Urteil Kachelmann Bilder
Seit fast neun Monaten stand der 52-jährige Schweizer vor Gericht. © dpa
Urteil Kachelmann Bilder
Jörg Kachelmann bei der Ankunft am Gericht. © dapd
Urteil Kachelmann Bilder
Jörg Kachelmann kommt mit seinem Medienanwalt Ralf Höcker im Gerichtssaal an. © dpa
Urteil Kachelmann Bilder
Jörg Kachelmann im Gerichtssaal. © dpa
Urteil Kachelmann Bilder
Die Kolummnistin Alice Schwarzer im Gerichstsaal im Landgericht in Mannheim. © dpa
Urteil Kachelmann Bilder
Vor der Urteilsverkündung. © dpa
Urteil Kachelmann Bilder
Jörg Kachelmann steht mit seinen beiden Anwälten Johann Schwenn und Andrea Combe vor der Urteilsverkündung im Landgericht Mannheim. © dpa
Urteil Kachelmann Bilder
Gefasst nahm Jörg Kachelmann das Urteil zur Kenntnis. © dpa
Urteil Kachelmann Bilder
Zufriedene Gesichter: Jörg Kachelmann mit seinen beiden Anwälten Johann Schwenn und Andrea Combe. © dpa
Urteil Kachelmann Bilder
Das Medienaufkommen nach der Urteilsverkündung ist enorm. © dpa
Urteil Kachelmann Bilder
Das Medienaufkommen nach der Urteilsverkündung ist enorm. © dpa
Urteil Kachelmann Bilder
Das Medienaufkommen nach der Urteilsverkündung ist enorm. © dpa
Urteil Kachelmann Bilder
Verteidiger Johann Schwenn kommt nach der Urteilsverkündung aus dem Gericht. © dpa
Urteil Kachelmann Bilder
Verteidiger Johann Schwenn beantwortet Fragen der Journalisten nach dem Freispruch für seinen Mandanten Jörg Kachelmann. © dpa
Urteil Kachelmann Bilder
Alice Schwarzer äußert sich nach der Urteilsverkündung. © dpa
Urteil Kachelmann Bilder
Alice Schwarzer äußert sich nach der Urteilsverkündung. © dpa
Urteil Kachelmann Bilder
Das Medieninteresse im Fall Kachelmann war enorm. © dpa
Urteil Kachelmann Bilder
Nachdenklich scheint Jörg Kachelmann, als er das Landgericht Mannheim nach dem Freispruch verlässt. © dpa
Kachelmann freigesprochen: Die Bilder nach dem Urteil in Mannheim. © dpa
Kachelmann freigesprochen: Die Bilder nach dem Urteil in Mannheim. © dpa
Kachelmann freigesprochen: Die Bilder nach dem Urteil in Mannheim. © dpa
Kachelmann freigesprochen: Die Bilder nach dem Urteil in Mannheim. © dpa
Kachelmann freigesprochen: Die Bilder nach dem Urteil in Mannheim. © dpa
Kachelmann freigesprochen: Die Bilder nach dem Urteil in Mannheim. © dpa
Kachelmann freigesprochen: Die Bilder nach dem Urteil in Mannheim. © dpa
Kachelmann freigesprochen: Die Bilder nach dem Urteil in Mannheim. © dpa
Kachelmann freigesprochen: Die Bilder nach dem Urteil in Mannheim. © dpa
Kachelmann freigesprochen: Die Bilder nach dem Urteil in Mannheim. © dpa
Kachelmann freigesprochen: Die Bilder nach dem Urteil in Mannheim. © dpa
Kachelmann freigesprochen: Die Bilder nach dem Urteil in Mannheim. © dpa
Kachelmann freigesprochen: Die Bilder nach dem Urteil in Mannheim. © dpa
Kachelmann freigesprochen: Die Bilder nach dem Urteil in Mannheim. © dpa
Kachelmann freigesprochen: Die Bilder nach dem Urteil in Mannheim. © dpa
Kachelmann freigesprochen: Die Bilder nach dem Urteil in Mannheim. © dpa
Kachelmann freigesprochen: Die Bilder nach dem Urteil in Mannheim. © dpa
Kachelmann freigesprochen: Die Bilder nach dem Urteil in Mannheim. © dpa

In dem seit 6. September 2010 laufenden Verfahren war Schwenn im Dezember eingestiegen, nachdem Kachelmann seine ersten beiden Verteidiger entbunden hatte. Der Hamburger Schwenn, 1947 geboren, gilt als Prominentenanwalt. Er vertrat den Radrennfahrer Jan Ullrich, den früheren VW-Betriebsratschef Klaus Volkert und nach der Wiedervereinigung DDR-Spionagechef Markus Wolf.

Freisprüche erzielte er in den Promi-Verfahren allerdings nicht. Volkert wurde 2008 wegen Untreue sogar überraschend hoch zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Für Ullrich schaffte Schwenn jedoch gegen Auflagen eine Einstellung des Verfahrens und für Wolff holte er nach langen Prozessen 1997 eine Bewährungsstrafe heraus.

Urteil im Fall Kachelmann: Die Stationen des Prozesses

8./9. Februar 2010: Vor seiner Abreise zu den Olympischen Spielen nach Vancouver, wo Kachelmann für das Fernsehen berichtet, kommt es zum Streit mit seiner langjährigen Freundin, die ihn daraufhin wegen Vergewaltigung anzeigt. © dpa
20. März: Kachelmann wird bei seiner Rückkehr am Frankfurter Flughafen festgenommen und in die Justizvollzugsanstalt Mannheim gebracht. © dpa
24. März: Der Moderator weist in seiner einzigen Aussage beim Haftrichter die Vergewaltigungsvorwürfe zurück. © dpa
19. Mai: Knapp zwei Monate nach seiner Verhaftung erhebt die Staatsanwaltschaft Mannheim Anklage gegen Kachelmann wegen des Verdachts der schweren Vergewaltigung und gefährlicher Körperverletzung. © dpa
5. Juni: Der “Spiegel“ veröffentlicht Passagen aus einem von der Staatsanwaltschaft in Auftrag gegebenen Gutachten, das die Aussage des mutmaßlichen Opfers zum Vergewaltigungsgeschehen als lückenhaft und nicht belastbar einordnet. © dpa
29. Juni: Kachelmanns Verteidiger legt Haftbeschwerde ein, die das Landgericht Mannheim am 1. Juli jedoch mit der Begründung ablehnt, dass Kachelmanns Einlassungen “wenig plausibel“ seien. Die Haftbeschwerde geht in die nächste Instanz. © dpa
9. Juli: Das Landgericht Mannheim eröffnet das Hauptverfahren gegen den Meteorologen und setzt den Prozessbeginn auf den 6. September fest. © dpa
29. Juli: Nach 132 Tagen wird Kachelmann freigelassen, nachdem das Oberlandesgericht Karlsruhe seiner Haftbeschwerde stattgegeben hat. Die Richter begründen die Entscheidung damit, dass nicht ausgeschlossen werden könne, dass das mutmaßliche Opfer Kachelmann mit einer falschen Aussage belastet habe. Es stehe Aussage gegen Aussage. © dpa
6. September: Vor dem Landgericht Mannheim, 5. Große Strafkammer, beginnt der Kachelmann-Prozess mit einem Befangenheitsantrag der Verteidigung. Der Antrag wird abgelehnt. Auch ein zweiter Befangenheitsantrag bleibt später erfolglos. Kachelmann kündigt an zu schweigen. © dpa
18. Oktober: Die Ex-Freundin sagt unter Ausschluss der Öffentlichkeit über vier Verhandlungstage hinweg mehr als 20 Stunden lang aus. © dpa
4. Dezember: Verteidigerwechsel im Kachelmann-Prozess: Der Hamburger Strafverteidiger Johann Schwenn erscheint als neuer Anwalt. Reinhard Birkenstock (Köln) und Wahlverteidiger Klaus Schroth (Karlsruhe) wurden von Kachelmann entbunden. Pflichtverteidigerin Andrea Combe verfolgte den Prozess als einzige von Beginn an. © dpa
20. Dezember. Ein Sachverständiger stellt am Griff des Küchenmessers nur Mischspuren fest, die durch Sekundärübertragung erzeugt sein können. Ein objektiver Beleg, dass Kachelmann das Messer in der Hand hatte, ist damit nicht erbracht. Die Ex-Freundin gibt an, sie hätte in der fraglichen Nacht aufgeräumt und das Messer kurz am Griff angefasst. Am Messerrücken der Klinge finden sich keine DNA-Spuren des mutmaßlichen Opfers, an der geriffelten Schneide gibt es genetische Spuren. An einem Tampon wird die DNA von Kachelmann nachgewiesen. © dpa
1. Februar 2011: Der vom Gericht geladene Rechtsmediziner hält es für möglich, dass die Halsverletzungen der Frau vom Messerrücken stammen, kann aber auch Selbstverletzungen nicht ausschließen. Die Hämatome an den Oberschenkeln könnten von Kniestößen stammen. Aber auch hier seien Selbstbeibringungen möglich. © dpa
9. Februar: Die von Kachelmann geladenen beiden Rechtsmediziner halten Selbstverletzungen der Frau für naheliegend, können das Messer als Verletzungswerkzeug aber nicht ausschließen. Das Messer müsse dann aber anders eingesetzt worden sein als von ihr geschildert © dpa
15. Februar: Das Gericht reist zur Vernehmung einer Schweizer Zeugin nach Zürich. Sie soll von Übergriffen Kachelmanns im Januar 2010 berichtet haben. © dpa
1. März: Ein Techniker der Polizei hat auf dem Computer der Ex-Freundin rekonstruiert, dass sie im Februar 2009 schon einmal nach dem Namen einer weiteren Freundin Kachelmanns suchte. Ende 2009 nahm sie unter falschem Namen im Internet Kontakt zu der Nebenbuhlerin auf. © dpa
31. März: Die beiden Staatsanwälte bestätigen, dass das angebliche Vergewaltigungsopfer seine ursprüngliche Aussage zwei Monate nach der Anzeige korrigierte. Ein Flugticket mit dem Namen Kachelmann und dem der Nebenbuhlerin hatte sie schon Monate vor der angeblichen Tat erhalten. Den Zusatz “Er schläft mit ihr“ hatte sie selbst geschrieben und beide Schriftstücke Kachelmann vorgelegt. Während sie bei der Polizei am 9. Februar 2010 angab, dass Ticket und Schreiben am Vortag der angeblichen Vergewaltigung im Briefkasten lagen, korrigierte sie später. © dpa
2. Mai: Die Aussagepsychologin lässt offen, ob die Aussage der Ex-Freundin auf wahrem Erleben beruht oder nicht. Die Angaben zum mutmaßlichen Vergewaltigungsgeschehen seien stark lückenhaft. Die Gutachterin zieht in Betracht, dass die Erinnerungslücken Folge des Zusammenbruchs ihres Selbstbilds von einer gemeinsamen Zukunft mit Kachelmann sein könnten. Ebenso müssten autosuggestive Ergänzungen des Geschehens in Betracht gezogen werden. © dpa
5. Mai: Der von Kachelmann beauftragte Aussagepsychologe hält eine bewusste Falschaussage der Ex-Freundin für möglich. © dpa
Jörg Kachelmann
31. Mai: Jörg Kachelmann kommt zur Urteilsverkündung am Landgericht Mannheim an. © dpa
Der Wetterexperte kommt beim 44. Prozesstag mit Anwältin Andrea Combe zur Urteilsverkündung zum Gericht. © dpa
Jörg Kachelmann
Das Landgericht Mannheim hat den Wettermoderator Jörg Kachelmann vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen. © dpa
Der Medienrummel am Tag der Urteilsverkündung ist enorm. © dpa

Lesen Sie dazu:

Freispruch: Kachelmann schweigt - Sabine W. weint

Alice Schwarzer: Respekt für mögliches Opfer zeigen

"Erbärmlich": Kachelmann-Anwalt kritisiert Gericht

Wegen dieser Verfahren wurde Schwenn aber nicht von Kachelmann engagiert. Der Advokat, der messerscharf werden kann, hatte in der Vergangenheit von sich Reden gemacht, weil er Fehlurteile aufdeckte und in Wiederaufnahmen Freisprüche für die Angeklagten erreichte. Die Männer waren zuvor rechtskräftig wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt worden. Schwenn konnte nachweisen, dass die angeblich missbrauchten Opfer Falschaussagen gemacht hatten.

Auch im Kachelmann-Prozess war die Aussage der Ex-Freundin zum Verlauf der angeblichen Vergewaltigung lückenhaft. Der Therapeut erklärte die Lücken mit der Traumatisierung der Frau durch die Vergewaltigung. Genau das war ein Spezialgebiet des neuen Strafverteidigers. Den Opfern werde unkritisch geglaubt, gegenüber den Tätern gebe es “eine faktische Abschaffung der Unschuldsvermutung“, schrieb Schwenn in der Fachzeitschrift “Strafverteidiger“.

Das ist Kachelmanns neuer Anwalt: Johann Schwenn

Johann Schwenn ist Jörg Kachelmanns neuer Anwalt. Er ist schon mehrfach als Verteidiger in aufsehenerregenden Prozessen aufgetreten. © dpa
Schwenn verteidigte den entführten Multimillionär Jan Philipp Reemtsma als Nebenkläger gegen seinen Entführer. © dpa
Auch im Steuerprozess gegen Peter Graf war Johann Schwenn im Verteidigerteam. Der Revisionsspezialist vertrat auch Monika Böttcher, geschiedene Weimar. © dpa
Schwenn holt bei seinem ersten Auftritt im Kachelmann-Prozess kräftig aus und kritisiert die Medien. © dpa
Jörg Kachelmann und seine Verteidiger: Johann Schwenn und Andrea Combé. © dpa
Während des Prozesses. © dpa
Kachelmanns Anwälte. © dpa
Schwenn und Kachelmann vor Gericht. © dpa
Kachelmann verlässt sich auf Schwenn. © dpa
Die Verteidiger Schwenn und Combé. © dpa
Schwenn, Kachelmann und ein Justizbeamter. © dpa

Gleich bei seinem ersten Auftritt hatte Schwenn ein Zeichen gesetzt. Er ließ die nicht-öffentliche Befragung einer Kachelmann-Freundin unterbrechen und rügte die Fragen der Richterbank. Die Fragen an die 40-jährige Frau seien teilweise suggestiv, kritisierte Schwenn, der seit über 30 Jahren Anwalt ist.

Insgesamt verhielt sich Schwenn im Kachelmann-Prozess sehr zum Mißfallen der Strafkammer. Schwenn habe mehrfach in seinem Verhalten vor der Strafkammer “Anstand und Respekt vermissen lassen“, rügte Richter Michael Seidling. Schwenn habe die Richter manchmal so behandelt, als müsse er kleinen Kindern “auf die Finger klopfen“. Doch letztlich kann Schwenn nun als einer der wenigen Gewinner des Prozesses gelten. Nach der Urteilsverkündung zeigte er sich sichtlich zufrieden: “Mit dem Freispruch muss man zufrieden sein.“

Von Norbert Demuth

Rubriklistenbild: © dapd

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.