Simply the best: Tina Turner wird 70

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Tina Turner, die „Queen of Soul“ sieht auch mit 70 Jahren noch toll aus.

Frankfurt/Main - Happy Birthday! Tina Turner, die “Queen of Soul“, feiert am Donnerstag ihren 70. Geburtstag . Und sie sieht immer noch blendend aus.

Anfang des Jahres wirbelte Tina Turner so atemberaubend und dynamisch über die großen Bühnen der Welt, dass die Londoner “Times“ in Abwandlung einer ihre großen Hits fragte: “What's age got to do with it?“ Die Welttournee wurde ein einziger Triumphzug, allein in Deutschland gab die Soul-Königin 17 statt der ursprünglich sieben geplanten Konzerte. Nun feiert sie am heutigen Donnerstag ihren 70. Geburtstag.

Tina Turner: Das Leben der Queen of Rock‘n‘Roll

Sie ist die „Queen of Rock‘n‘Roll“. Das Magazin „Rolling Stone“ rühmte sie als eine der größten Stimmen aller Zeiten. Jetzt feiert die Rockröhre ihren 70. Geburtstag. Klicken Sie sich in unserer Fotostrecke durch ihren Lebenslauf.  © ap
Fast 200 Millionen Platten hat die Rock-Ikone bisher verkauft und mehr Konzertkarten als irgendein anderer Solo-Interpret der Geschichte.  © dpa
Bei der letzten Tournee, “Tina! 50th Anniversary Tour“, aus Anlass ihrer ein halbes Jahrhundert umspannenden Musikkarriere blieb nicht ein Platz frei.  © dpa
Mühelos füllte die 70-jährige Rock-Veteranin die Olympiahalle in München, das Staples Center in Los Angeles, den Madison Square Garden in New York und das O2-Stadion in London.  © dpa
Derzeit legt sie wieder eine Pause ein. Fragt sich nur, wie lange. Fünfmal schon hat sich die frühere Soulsängerin mit der rauchig-röhrenden Stimme in den Ruhestand verabschiedet.   © dpa
Jedes Mal kehrte sie zum Show-Business zurück, als wäre die Zeit spurlos an ihr vorbeigegangen: Kein Zeichen von Alter und Müdigkeit, kein Verlust an Vitalität und erotischer Ausstrahlung.  © dpa
1939 - noch zur Zeit des rassistischen Ku-Klux-Klans - kam Tina Turner als Anna Mae Bullock in Brownsville (Tennessee) zur Welt.  © dpa
Ihr Vater war der schwarze Vorarbeiter auf einer Baumwollplantage, die Mutter hatte indianisches Blut in den Adern.  © dpa
Das Südstaaten-Girl wuchs in einer Gospelkirche auf, wandte sich während seiner chaotischen 70er Jahre jedoch dem Buddhismus zu und folgt seinen Lehren bis heute. Gemeinsam mit zwei Schweizerinnen hat Turner buddhistische und christliche Gebete vertont und in dem Album „Beyond“ festgehalten.  © dpa
Nach der Schulzeit zog es die stimmgewaltige und bildschöne junge Frau in die damalige Blues-Metropole St. Louis. Dort traf sie auf den acht Jahre älteren Gitarristen Ike Turner.  © dpa
“Fool in Love“, die erste Single, die Ike und Tina gemeinsam aufnahmen, stürmte 1960 die US- Hitparaden. Mit dem Song “River Deep Mountain High“, den Phil Spector 1966 für Tina komponierte, gelang ihr der Durchbruch.  © dpa
Doch erst als das Duo 1969 im Vorprogramm der Rolling Stones auftrat, hatte es auch das weiße Publikum für sich gewonnen.  © ap
Der Erfolg des inzwischen auch verheirateten Paares wurde durch die Drogensucht, Untreue und Brutalität des Ehemannes überschattet.  © ap
Nachdem Tina am 2. Juli 1976 in einem Hotelzimmer in Dallas erneut von Ike zusammengeschlagen worden war, massierte sie ihn noch einmal wie gewohnt in den Schlaf.  © ap
Dann aber nahm sie die vier Kinder, ihre eigenen Söhne und die beiden Stiefkinder, und flüchtete mit wenig Geld in der Tasche.  © dpa
Bei der Scheidung verzichtete Tina auf Unterhalt und alle Rechte an der gemeinsamen Musik. Bis zum Start der eigenen Solo-Karriere 1984 in New York hatte sie eine halbe Million Dollar Schulden und lebte von Sozialhilfe.  © dpa
Noch im selben Jahr bekam die 45-Jährige für ihr Comeback-Album “Private Dancer“ vier Grammys und spielte neben Mel Gibson die Rolle der Aunt Entity in “Mad Max - Jenseits der Donnerkuppel“.  © dpa
Es folgten weitere Filmrollen, darunter die als indische Göttin Shakti, mehr als zehn neue Alben, einige der höchsten Ehren der Musikbranche, und die Gewissheit, fast alle Kollegen überrundet zu haben.  © dpa
Nur Marlene Dietrich hielt es länger aus: Sie trat noch 73-jährig mit ihrer One-Woman-Show auf, allerdings eher wie eine Statue im langen Abendkleid - und nicht wie der Wirbelwind Tina Turner mit wilden Tanzschritten in hautengen Hosen.  © dpa

Und noch immer gilt: Alter ist für Tina Turner kein Problem. Karriere und Leben der als Anna Mae Bullock am 26. November 1939 in Brownsville/Texas geborenen Sängerin gehören zu den wichtigsten Meilensteinen der in den 60er Jahren entstandenen Popkultur. 1958 lernte sie Ike Turner kennen, mit “A Fool In Love“ hatte das Paar 1960 seinen ersten Erfolg. Anna nannte sich fortan Tina, und 1962 heirateten die beiden.

Die “Ike & Tina Turner Revue“ feierte zwar mit Hits wie “River Deep Mountain High“, “Proud Mary“ und “Nutbush City Limits“ große Erfolge, die Ehe wurde für Tina aber zur Hölle: Ike entpuppte sich als drogenabhängig und gewalttätig. In ihrer Biografie “I, Tina“ beschuldigte sie ihn auch der Vergewaltigung in der Ehe. Tina Turner verließ ihren Mann 1976, nachdem er sie vor einem gemeinsamen Auftritt geschlagen hatte. 1978 erfolgte die Scheidung, Tina verzichtete auf Unterhalt und die Rechte an der gemeinsamen Musik.

Nach der Trennung von Ike fiel Tina Turner in ein Karriereloch; die Soloalben “Rough“ mit Rocksongs und “Love Explosion“ im Disco-Stil floppten 1978 und 1979. Mit Tourneen und Gastauftritten bei Tom Jones, Rod Stewart, David Bowie und den Rolling Stones hielt sie sich finanziell über Wasser, galt den großen Plattenfirmen aber als kommerziell uninteressanter Altstar. 

Weltweiter Nummer-eins-Hit mit 44 Jahren

Bowie soll es 1982 arrangiert haben, dass wichtige Entscheidungsträger von EMI/Capitol bei einem Auftritt Turners anwesend waren - und die Solokarriere nahm Fahrt auf. 1983 erschien zunächst die Single “Let's Stay Together“, die Coverversion eines Al-Green-Songs, der sich in etlichen europäischen Hitparaden platzierte. 1984 folgte das Album “Private Dancer“, und Turner avancierte zur ersten Popmusikerin, die mit 44 Jahren eine weltweiten Nummer-eins-Hit schaffte: “What's Love Got To Do With It“.

In einem Rückblick zu ihrem zum 65. Geburtstag veröffentlichten Doppelalbum “All The Best“ äußerte Turner sich dankbar über Bowie, der ihr damals zum Plattenvertrag verhalf, bedankte sich bei Mark Knopfler, der ihr mit “Private Dancer“ einen Hit überließ, und bei Bono und The Edge von U2, die ihr den James-Bond-Titelsong “Goldeneye“ auf den Leib schrieben. Tina Turners Solokarriere sprengte alle Dimensionen, Alben wie “Break Every Rule“, “Foreign Affair“ bis hin zum 1999 erschienenen letzten offiziellen Studioalbum “Twenty Four Seven“ verkauften sich 170 Millionen Mal. Zudem ist Turner die Solokünstlerin, die in ihrer Karriere die meisten Eintrittskarten verkaufte.

“Ein kleines Mädchen ohne Eltern“

Acht Grammies gewann sie in ihre Karriere, und sie setzte ein imposantes Zeichen als eine Frau, die sich von nichts unterkriegen ließ und aus noch jeder Niederlage gestärkt hervorging. Neue Musik gab es von ihr seit “Twenty Four Seven“ aber nur noch in einzelnen Lied-Dosen, etwa “Open Arms“ vom vor fünf Jahren erschienenen “Best of“-Album. In diesem Jahr veröffentlichte sie aber das Crossover-Album “Beyond“ mit buddhistischen und christlichen Gebeten. Das sei kein Alterserscheinung, erklärte sie zu der Veröffentlichung mit ihren Freundinnen, der Yoga-Lehrerin und Musiktherapeutin Regula Curti und der Mantra-Sängerin Dechen Shak-Dagsay.

“Ich stehe als Tina Turner auf der Bühne, singe, performe und so weiter. Aber ich wurde als Anna Mae Bullock geboren, in eine sehr christliche Familie, und das Beten war immer ein Teil meines Lebens“, erklärte der Weltstar. “Wichtig war mir das Beten immer, weil ich merkte, dass es einem bei Problemen im Leben hilft. Meine Eltern ließen sich früh scheiden, und ich war zwar keine Waise, aber eben ein kleines Mädchen ohne Eltern. Als ich als Tina berühmt wurde, hörte ich nicht einfach mit dem Beten auf, nur weil ich Geld verdiente und bekannt wurde. Mein Hintergrund, das, woraus ich meine Stärke bezog, war immer meine Spiritualität. Ich bete noch immer, und ich werde immer beten. Es ist etwas, das wir alle brauchen und für das wir uns jeden Tag Zeit nehmen sollten. Man muss sich selbst etwas Zeit schenken, um sich selbst helfen zu können.“

Uwe Käding

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