Spektakuläres Comeback von "The Wall"

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Roger Waters bei seinem Comeback.

Mannheim - Mehr als 250 Millionen Alben hat Pink Floyd verkauft. Doch nach dem Ausstieg von Roger Waters 1985 ging es bergab. Der Abtrünnige erinnert jetzt mit einer Tour an alte Glanzzeiten.

Hunderttausende waren dabei, als in Berlin die Mauer fiel: Einige Monate später zelebrierte Roger Waters im Juli 1990 am Potsdamer Platz “The Wall“, das wohl berühmteste Konzeptalbum der Welt. “Das war das Tollste. Das war meine Jugend“, sagt Christoph Kampa aus Stuttgart, damals 25 Jahre alt. Heute, 21 Jahre danach, leben viele solcher Geschichten wieder auf, auch die deutsche Geschichte, auch die der Rockband Pink Floyd. Denn Roger Waters ist wieder auf Tour mit “The Wall“. Am Freitagabend war Mannheim seine erste Station in Deutschland.

Die Show beginnt mit einem Knall. Ein dröhnender Bass, Bühnenfeuerwerk schießt in die Luft, minutenlang riecht es verbrannt. Dazwischen steht Roger Waters. Der ehemalige Bassist, Sänger und kreative Kopf von Pink Floyd hatte die Band 1985 verlassen, besitzt aber die Rechte an “The Wall“. Der 67-jährige reißt mit geballten Fäusten die Arme in die Luft. Er ist schlicht gekleidet in schwarzem T-Shirt, schwarzer Hose und weißen Turnschuhen. Alles andere als schlicht ist das folgende Spektakel.

So wirkt Musik auf unseren Körper

Musikwirkung auf den Körper
Elektropop (z.B. Lady Gaga, Alejandro):  Bei einem Tempo über 72 bmp haben Musikstücke insbesondere auf Frauen aufputschende Wirkung. Frequenz: 80 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Rock/Pop (z. B. U2 – Beautiful Day): Gut für Männer, da sie häufig zu höheren Blutdruck als Frauen neigen. Ihre Leistung wird durch hohe motorische Erregung beeinträchtigt. Aus diesem Grund führen bei Männern tendenziell ruhigere, fließende Klänge zu einer Steigerung der Leistungsfähigkeit. Frequenz: unter 72 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Akustik/Folk/Blues (z. B. Jack Johnson – Wasting Time): Ruft stärkste Reaktion des Körpers hervor, da das Tempo einem verlangsamten Herzrhythmus ähnlich dem Schlafzustand entspricht. Dabei kommt es beim Zuhörer zur größten Entspannung, zur Beruhigung der Atmung und zur Entkrampfung der Muskulatur. Frequenz: 60 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Klassik (z. B. Wolfgang Amadeus Mozart – „Lacrimosa“ aus dem Requiem):  Die klassischen Klänge im langsamen Tempo helfen bei Schlafstörungen und lösen körperliche Verspannungen. Daher wird heute häufig in Zahnarztpraxen oder OP-Sälen klassische Musik zur präoperativen Angstreduktion der Patienten abgespielt. Frequenz: 65 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Oper (z. B. Guiseppe Verdi – „Triumphmarsch“ aus der Aida): Kann die Konzentrationsfähigkeit fördern und sich positiv auf den Blutdruck auswirken. So führte Verdis emotional mitreißende Opernmusik aus Aida in wissenschaftlichen Untersuchungen zu einer Blutdrucksenkung um durchschnittlich 5 mmHg bei den Zuhörern. Frequenz: 100 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Heavy Metal (z. B. Metallica – Enter Sandman): Das Lied beschleunigt die Herz-Kreislauf-Aktivität, da das Tempo dem Herzschlag während höherer Belastungen entspricht. Daher kommt es zu einer aufputschenden Wirkung. Frequenz: über 120 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Hard Rock (z. B. AC/DC – Highway To Hell): Hard Rock-Musik im schnellen Tempo wie dieser Klassiker kann zum Abbau von Aggressionen beitragen und helfen, Ängste und Frustrationen zu überwinden. Frequenz: im Mittel bei ca. 120 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Latino-Pop (z. B. Shakira – Waka Waka): Der beschwingte, lateinamerikanische Rhythmus im schnellen Tempo bringt das Herz-Kreislauf-System in Schwung und kann helfen, melancholische Augenblicke zu überbrücken. Frequenz: ca. 125 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Chanson (z. B. Beispiel: Udo Jürgens – Aber bitte mit Sahne): Hat einen anregenden Effekt, hilft gegen Müdigkeit. Hat eine Stimmung-aufhellende Wirkung und verbessert die Leistungsfähigkeit. Frequenz: 120 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Schlager (z. B. Jürgen Drews – Ein Bett im Kornfeld): Das mittlere Tempo erzeugt Ausgeglichenheit und hilft gegen Stress-Symptome. Kann darüber auch motivationssteigernd wirken. Frequenz: 110 Hz. © dpa

Gigantisch ist die Mauer, die sich mit 70 Metern über die gesamte Breite der Bühne erstreckt. Bei jedem Titel kommen Bausteine dazu, sie wächst auf mehr als zehn Meter Höhe. Zum Ende der ersten Konzerthälfte wird das letzte Loch in der Wand geschlossen. In der zweiten Hälfte spielen die Musiker hinter und vor der Mauer weiter, erst am Ende kippt sie vorne über und sackt in sich zusammen.

Durch das Konzert ziehen sich Antikriegsbotschaften. Uniformierte schwenken schwarz-weiß-rote Fahnen mit zwei gekreuzten Zimmermannshämmern, als Symbol für den Faschismus. Hubschraubergeräusche dröhnen durch die SAP-Arena. Auf die Mauer werden Kriegsflugzeuge projiziert, aus denen rote Kreuze herausrieseln. Immer wieder auch Fotos von im Krieg Gefallenen.

Zu dem Spektakel gehören auch überdimensionale Marionetten mit verzerrten Gesichtern, wie bei “Another Brick in the Wall“. Bei “In the Flesh“ fliegt eine aufgeblasene Riesenschwein-Attrappe über den Köpfen der Fans hinweg, mit der Aufschrift: “Everything will be ok - just keep consuming.“

Die Zuschauer nicken mit den Köpfen im Takt, manche singen mit, andere klatschen. Bis zu 240 Euro haben sie für ihre Tickets gezahlt. Erst beim fünftletzten Titel “Run like Hell“ hält es viele der 9000 Besucher nicht mehr auf den Stühlen.

Auch wenn es nicht ganz so rockt wie früher, Christoph Kampa ist begeistert. “Perfekt“, sagt er, auch als Ergänzung zu dem Konzert 1990, bei dem er gar nichts sehen konnte. “Diese Platte hat mich bis heute geprägt. Eigentlich bin ich stock-konservativ. Aber irgendwie auch Pazifist“, sprudelt es aus ihm heraus. Eines steht für den Stuttgarter fest: Wenn “The Wall“ wieder auf die Bühne kommt, wird es wieder etwas Besonderes sein - und er will wieder dabei sein.

dpa

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