Tote Hosen rocken gratis in Usbekistan

+
Bandleader Campino in Aktion.

Samarkand - Disco in Zentralasien: Die Düsseldorfer Punkrocker Die Toten Hosen sind als musikalische Botschafter durch Kasachstan, Usbekistan und Tadschikistan gereist.

“Wir sind gekommen für die einfachen Menschen, das ist uns gelungen“, sagte Sänger Campino (48) in einem Telefongespräch aus dem usbekischen Samarkand mit der Nachrichtenagentur dpa in Moskau. “Die jungen Leute hier wollen Rock sehen.“ Die Konzerte in den autoritär regierten Ex-Sowjetrepubliken kosteten keinen Eintritt.

“Es ist schon ein politisches Statement, dass wir überhaupt hier sind“, sagte Campino, der bürgerlich Andreas Frege heißt. “Das ist auch eine Art, ein System auszuhöhlen. Aber Du musst Dich immer fragen, wie viel Öl Du dabei ins Feuer kippst.“ So wurde dem für wilde Sprünge ins Publikum bekannte Frontmann etwa untersagt, das Publikum zum Tanzen aufzufordern. Alkohol war verboten, hinter der Bühne stand ein Zensurbeauftragter. “Der ist schon ausgerastet, als ich mir bloß das Hemd ausgezogen habe“, erzählte Campino.

Popstars und ihre früheren Berufe

Popstars und ihre früheren Berufe: Trucker, Tankwart, Totengräber

Neben 3500 Zuschauern waren zum Beispiel in der usbekischen Hauptstadt Taschkent auch etwa 600 Sicherheitskräfte im Saal. “Die hatten Sorge, dass wir ihre Jugend infizieren könnten“, sagte der Sänger. “Wenn Leute abgeführt worden wären, hätten wir sofort abgebrochen.“ Vor allem einige Liedtexte seien heftig. Die Band kritisiert in ihren Songs oft die Staatsmacht und die Autoritäten. Hilfe bei Organisation und Planung erhielten die Toten Hosen vom Auswärtigen Amt sowie den deutschen Botschaften.

Das Konzert in der kasachischen Hauptstadt Astana war der Auftakt des Deutschlandjahres in Kasachstan mit zahlreichen Veranstaltungen. Nur von einem geplanten Auftritt in Kirgistan wurde den Düsseldorfern wegen der gefährlichen Lage im Land abgeraten. “Zu den Konzerten sind Punks aus dem ganzen Land über hunderte Kilometer weit extra angereist“, war Campino von der Freundlichkeit der Zentralasiaten begeistert. Außerdem waren etwa 30 Fans aus Deutschland mit dabei. Die Band reist weiter in die Türkei, bevor es zum Abschluss der “Schall und Rauch Tour“ noch nach Jordanien - “Da dürfen wir zu den Gebetszeiten keinen Soundcheck machen“, erzählte Campino - sowie nach Israel und schließlich Polen geht.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.