Tourneestart: James Blunt verzückt Publikum

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James Blunt in der Arena in Nürnberg

Nürnberg - James Blunt weiß um seine Wirkung: Mit nassgeschwitzten Wuschelhaaren, in einem ausgewaschenen T-Shirt und engen Jeans steht der hochgewachsene Brite auf der Bühne der Nürnberger Arena und singt gefühlvoll seine Lieder.

Knapp 5500 Zuhörer verfolgen am Donnerstagabend begeistert den Deutschlandstart seiner “Some Kind Of Trouble“-Tour. Rund eineinhalb Stunden lang präsentiert Blunt seine neue Platte, aber auch Hits der Nummer-Eins-Alben “Back to Bedlam“ und “All The Lost Souls“ kommen nicht zu kurz.

Vom ersten Moment an hat Blunt die Zuhörer auf seiner Seite. Quer durch die Halle joggt der 37-Jährige zur Bühne, klatscht dabei die Hände ab, die ihm seine Fans entgegenstrecken. Am Mikrofon angekommen begrüßt er seine Zuhörer kurz auf Deutsch, greift ohne weitere Umstände zur Gitarre und singt erstmal vier Lieder am Stück durch. Als Blunt endlich das Wort an seine Fans richtet, verkündet er ihnen die wichtigste Regel des Abends: Hinstellen und feiern! “Ihr mögt Eure Stühle, die sind sehr bequem. Aber ich frage mich, warum? Werdet Ihr alt?“

So wirkt Musik auf unseren Körper

Musikwirkung auf den Körper
Elektropop (z.B. Lady Gaga, Alejandro):  Bei einem Tempo über 72 bmp haben Musikstücke insbesondere auf Frauen aufputschende Wirkung. Frequenz: 80 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Rock/Pop (z. B. U2 – Beautiful Day): Gut für Männer, da sie häufig zu höheren Blutdruck als Frauen neigen. Ihre Leistung wird durch hohe motorische Erregung beeinträchtigt. Aus diesem Grund führen bei Männern tendenziell ruhigere, fließende Klänge zu einer Steigerung der Leistungsfähigkeit. Frequenz: unter 72 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Akustik/Folk/Blues (z. B. Jack Johnson – Wasting Time): Ruft stärkste Reaktion des Körpers hervor, da das Tempo einem verlangsamten Herzrhythmus ähnlich dem Schlafzustand entspricht. Dabei kommt es beim Zuhörer zur größten Entspannung, zur Beruhigung der Atmung und zur Entkrampfung der Muskulatur. Frequenz: 60 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Klassik (z. B. Wolfgang Amadeus Mozart – „Lacrimosa“ aus dem Requiem):  Die klassischen Klänge im langsamen Tempo helfen bei Schlafstörungen und lösen körperliche Verspannungen. Daher wird heute häufig in Zahnarztpraxen oder OP-Sälen klassische Musik zur präoperativen Angstreduktion der Patienten abgespielt. Frequenz: 65 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Oper (z. B. Guiseppe Verdi – „Triumphmarsch“ aus der Aida): Kann die Konzentrationsfähigkeit fördern und sich positiv auf den Blutdruck auswirken. So führte Verdis emotional mitreißende Opernmusik aus Aida in wissenschaftlichen Untersuchungen zu einer Blutdrucksenkung um durchschnittlich 5 mmHg bei den Zuhörern. Frequenz: 100 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Heavy Metal (z. B. Metallica – Enter Sandman): Das Lied beschleunigt die Herz-Kreislauf-Aktivität, da das Tempo dem Herzschlag während höherer Belastungen entspricht. Daher kommt es zu einer aufputschenden Wirkung. Frequenz: über 120 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Hard Rock (z. B. AC/DC – Highway To Hell): Hard Rock-Musik im schnellen Tempo wie dieser Klassiker kann zum Abbau von Aggressionen beitragen und helfen, Ängste und Frustrationen zu überwinden. Frequenz: im Mittel bei ca. 120 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Latino-Pop (z. B. Shakira – Waka Waka): Der beschwingte, lateinamerikanische Rhythmus im schnellen Tempo bringt das Herz-Kreislauf-System in Schwung und kann helfen, melancholische Augenblicke zu überbrücken. Frequenz: ca. 125 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Chanson (z. B. Beispiel: Udo Jürgens – Aber bitte mit Sahne): Hat einen anregenden Effekt, hilft gegen Müdigkeit. Hat eine Stimmung-aufhellende Wirkung und verbessert die Leistungsfähigkeit. Frequenz: 120 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Schlager (z. B. Jürgen Drews – Ein Bett im Kornfeld): Das mittlere Tempo erzeugt Ausgeglichenheit und hilft gegen Stress-Symptome. Kann darüber auch motivationssteigernd wirken. Frequenz: 110 Hz. © dpa

Und in der Tat scheint das Publikum mit dem Musiker älter zu werden. Schmachtende Teenager sieht man nur wenige, stattdessen sind viele Paare im Studentenalter und Menschen um die 40 gekommen. Ältere Ehepaare, Kolleginnen, Mütter mit Söhnen - die Menge ist bunt gemischt, die Männerquote überraschend hoch.

Denn auch wenn Blunts neues Album deutlich dynamischer und lebensfroher ausfällt, sind die melodisch-melancholischen Liebeslieder weiterhin sein Markenzeichen. Etwa sein Debüt-Hit “You're Beautiful“ oder das gefühlvolle “Carry You Home“. Als Blunt bei letzterem unangekündigt aufhört zu singen, setzt das Publikum bruchlos ein. Es klingt fast zärtlich.

Blunt rockt auf der E-Gitarre, zupft auf der Akustikklampfe und greift auch am Klavier selbst in die Tasten. Seine Botschaft “I'll Take Everything (in this life)“ spielt er im Stehen, der Klavierhocker liegt umgeworfen auf dem Boden. Bis in die letzte Faser gespannt reckt Blunt immer wieder den Arm nach oben, und man fragt sich: Ist ihm das Leben in vollen Zügen tatsächlich so ein Herzensanliegen, oder wird er nun pathetisch?

Popstars und ihre früheren Berufe: Trucker, Tankwart, Totengräber

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Und wann treten Sie ins Scheinwerferlicht? © dpa

Zum Glück gibt es nur wenige solche Momente, Blunt spielt seine Songs im Großen und Ganzen schlicht und schnörkellos. Der Bühnenaufbau unterstützt ihn dabei: Die fünfköpfige Band ist auf unterschiedlich hohen Blöcken platziert, die von innen leuchten und farbige, sich bewegende Motive zeigen können. Die Effekte wiederholen sich auf Säulen im Hintergrund und zeigen etwa beim Eröffnungslied “So Far Gone“ - einem Song über eine auseinanderdriftende Beziehung - eine nächtlich-kalte Großstadt.

Immer wieder jedoch liegt die Bühne im Dunkeln, nur einzelne Scheinwerfer sind auf den Sänger gerichtet - besonders effektvoll bei Liebesliedern, bei denen Blunt in Großaufnahme auf den beiden Leinwänden gezeigt wird. Jeder einzelnen Frau im Saal scheint er dann tief in die Augen zu schauen. Das Publikum dankt ihm die Show. Spätestens bei “Stay the night“, der zweiten Zugabe, reißt es auch die Allerletzten von den Sitzen.

Als Blunt dann zum endgültigen Abschied für den Radiohit “1973“ auf das wackelnde Klavier klettert, gibt es endgültig kein Halten mehr: Die Nürnberger tanzen, klatschen und singen begeistert mit.

dpa

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