US-Zeitschrift

Trump-Schelte beschert "Vanity Fair" angeblich Abo-Rekord

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Graydon Carter, Chefredakteur der Zeitschrift "Vanity Fair". Foto: Andrew Gombert

Der Schuss ging nach hinten los: Kaum spottet Donald Trump im Netz über ein missliebiges US-Magazin, gehen dessen Verkaufszahlen durch die Decke. Die Vertriebsabteilung hatte sich einen kecken Konter ausgedacht.

New York (dpa) - Mit seiner öffentlichen Schelte gegen die ihm kritisch gesonnene US-Zeitschrift "Vanity Fair" hat Donald Trump anscheinend ungewollt deren Absatz beflügelt.

Kurz nach Trumps Spott über die vermeintlich sinkenden Verkaufszahlen von "Vanity Fair" wusste eine Sprecherin des Verlags Condé Nast jedenfalls vom genauen Gegenteil zu berichten: Die Zeitschrift habe prompt den bislang höchsten Abonnenten-Zuwachs binnen eines Tages bei Condé Nast verzeichnet, sagte sie dem Magazin "Folio".

Demnach überstieg die Zahl der Abo-Neuabschlüsse innerhalb von 24 Stunden den üblichen Tagesschnitt um das Hundertfache. Abgesehen davon habe "Vanity Fair" vergangenes Jahr in einem schwierigen Marktumfeld seine Einnahmen steigern können und werde voraussichtlich auch 2016 wieder in den schwarzen Zahlen landen.

Der designierte US-Präsident Trump hatte am Donnerstag im Kurznachrichtendienst Twitter gelästert: "Hat jemand die wirklich armseligen Zahlen der Vanity Fair gesehen. Ziemlich unten, großer Ärger, tot!" Belege für seine Behauptung führte er nicht an, stattdessen schrieb der 70-Jährige über den Chefredakteur der Zeitschrift: "Graydon Carter, kein Talent, wird rausfliegen."

Das Magazin hatte kürzlich Trumps Restaurant "Trump Grill" in einem Artikel als eines der schlechtesten Restaurants der USA verrissen, das nicht einmal Pommes richtig hinbekomme. Darüber hinaus widmete Carter sein Vorwort zur Dezember-Ausgabe Trump und listete darin 21 Dinge auf, die ihm nur in den USA möglich scheinen - alle bezogen sich auf Trump. So sei es zum Beispiel "Only in America" möglich, dass ein Mann, der als Nachtlektüre Reden Hitlers neben dem Bett liegen habe, die zweitgrößte jüdische Bevölkerung der Welt regiere.

Trump hatte vor und nach seiner Wahl zum Präsidenten wiederholt gegen Medien geätzt, die sich kritisch über ihn geäußert hatten. Dass der gewählte Präsident dünnhäutig ist, stellte auch Chefredakteur Carter im Vorwort fest: "Nur in Amerika kann jemand, der wegen der kleinsten Kleinigkeiten ausrastet, Verhandlungsführer mit den Russen, Chinesen und Nordkoreanern werden."

Nicht übermäßig witzig dürfte der Republikaner auch die neueste Idee von Carters Vertriebskollegen finden: Auf seiner Internetseite wirbt "Vanity Fair" nun mit dem Spruch "Das Magazin, von dem Trump nicht will, dass ihr es lest. Jetzt abonnieren!"

Vorwort "Vanity Fair"

Restaurant-Kritik "Vanity Fair"

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"Folio"-Bericht

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