Tschüss, Dirty Harry: Nachruf auf Harald Schmidt vor der letzten Sendung

Für alle, die glauben, Harald Schmidt sei nicht mehr der Alte, hat der Pay-TV-Sender Sky Ausschnitte aus seinen jüngsten Shows auf seine Website gestellt. Über die 27,2 Millionen Euro Steuern, die Uli Hoeneß hinterzogen haben soll, sagte Schmidt am Dienstag:

„Da hätte er Christian Wulff sechsundzwanzigtausendmal zum Oktoberfest einladen können.“ Hoeneß sei von seinem Freispruch überzeugt und habe heute noch fünfzigtausend Euro darauf gewettet.

Der 56-Jährige kann also immer noch in Bestform sein. Deshalb ist es schade, dass am Donnerstag (22.15 Uhr) mit der letzten Ausgabe der „Harald Schmidt Show“ eine Ära im deutschen Fernsehen endet. Seit 1995 gab es mehr als 1700 Ausgaben - zuerst auf Sat.1, dann im Ersten, ehe er zu dem Privatsender zurückkehrte und seit 2012 im Pay-TV unter Ausschluss der Öffentlichkeit sendete. Dort schauten nicht mal 100.000 Abonnenten zu.

Schmidt war noch nie ein Mann für Quote, aber er hat es als Einziger geschafft, das Late-Night-Format in Deutschland zu etablieren - jene Mischung aus Stand-up, Talk und Kommentaren zur Lage der Nation. Mit seiner zynischen Ironie befreite uns Dirty Harry vom Mief des SPD-Kabaretts, das mit erhobenem Zeigefinger alles besser weiß. Für manche war er der „Enzensberger des Privatfernsehens“, für andere lieferte er die „beste und wichtigste Sendung des deutschen Fernsehens überhaupt“.

Einmal moderierte der ausgebildete Schauspieler eine Ausgabe auf Französisch, einmal saß er 45 Minuten lang wie der Jazztrompeter Miles Davis mit dem Rücken zum Publikum, und als Höhepunkt schipperte er 2003 vier Stunden lang über den Rhein. Selbst wenn Schmidt Sendezeit verschwendete, konnte es ein Vergnügen sein.

Totgesagt wurde der aus Nürtingen stammende Schwabe oft - etwa als er 2009 nach einer Weltreise mit Vollbart ins Erste zurückkehrte. Sein Versuch, mit dem Kollegen Oliver Pocher junges Publikum zu gewinnen, scheiterte grandios. Trotzdem wird Harald Schmidt weiterleben. All die jungen komischen Fernsehtalente wie Jan Böhmermann, Pierre M. Krause und Klaas Heufer-Umlauf würde es ohne Schmidt nicht geben.

Vielleicht wird der fünffache Familienvater nun der Helmut Schmidt des Unterhaltungswesens und meldet sich wie der Altkanzler nur noch in Interviews zu Wort. Vielleicht macht er aber doch weiter. Gerade twitterte Schmidt: „Sky und ich haben gewettet: Bei mehr als 150 000 Zuschauern auf dem Livestream verlängert Sky den Vertrag um ein weiteres Jahr.“ Eher wird Uli Hoeneß Mitglied der Steuer-Gewerkschaft.

Sky zeigt die letzte Folge Donnerstag ab 22.15 Uhr auch bei Youtube: www.youtube.com/skyde

Von Matthias Lohr

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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