Die Welt ist flach: Schallplatte wird 125

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Herzlichen Glückwunsch, Schallplatte!

New York - Bis Ende des vorletzten Jahrhunderts gab es Musik nur live. Erst seit 1887 gibt es die schwarzen Dinger, mit denen jeder Beethoven und Bach oder auch Elvis hören kann. Am 16. Mai wird die Schallplatte offiziell 125.

Ein Jahrhundert lang gab es Musik nur live oder mit Knistern. Fast wie ein wärmendes Kaminfeuer klang es, wenn der Arm endlich ganz vorsichtig an den Rand der schwarzen Scheibe gesetzt war. Was dann kam, war Musik in den Ohren von Millionen, ja Milliarden Menschen. Die Schallplatte hat die Musik demokratisiert, erst mit ihr konnte (fast) jeder (fast) überall Musik hören. Jetzt hat sie Geburtstag.

Eine erste Tonaufnahme gelang schon 1857. Dummerweise konnte der Phonautograph des Franzosen Édouard-Léon Scott de Martinville zwar Schall aufnehmen, aber nicht wiedergeben. Das gelang erst 20 Jahre später der Erfinderwerkstatt von Thomas Alva Edison. Doch die verwendeten Walzen hatten zwei entscheidende Nachteile: Sie waren umständlich zu benutzen, vor allem aber schwer zu vervielfältigen.

Der Amerikaner Charles Tainter hatte deshalb bald die Idee, die Tonrille auf eine Platte aufzutragen. Darauf kam auch Emil Berliner, aber im Gegensatz zum Neuengländer Tainter gelang es dem aus Hannover in die USA eingewanderten Juden, sein Gerät wirklich marktreif zu machen: Das Grammophon war geboren und die Schallplatte gleich mit. Bis weit in die 1980er Jahre war sie das entscheidende Musikmedium - und als Symbol ist sie es noch heute.

“Das war aber erst einmal nur etwas für Reiche“, sagt Gert Redlich. Der Diplom-Ingenieur erklärt in seinem Hifi-Museum, das es nur im Internet gibt, die Technik des hohen Klangs - aber davon waren die Schallplatten damals noch weit entfernt. “Sie zerkratzten schnell und konnten nur ein paar Mal benutzt werden. Und außerdem war das Hörvergnügen kurz: Pro Seite konnten sie nur vier Minuten abspielen.“

Der Durchbruch kam 1931, als die Langspielplatte vorgestellt wurde. Die Geräte waren zwar noch für die meisten zu teuer und wurden ausgeborgt. Doch mit der LP war Musik endgültig zum Massenmedium geworden. Selbst für Autos gab es einen Plattenspieler, der fast wie ein CD-Player funktionierte. Die “Weltmacht Schallplatte“ (Historiker Curt Riess 1966) war Symbol für Musik, Spaß, Kultur, ja sogar Revolution und Aufbegehren und prägte ganze Generationen.

“Mein Mann ist zu DDR-Zeiten extra zur See gefahren, um an Platten zu kommen“, erklärt Heike Zenker den Ursprung des Plattenmuseums, das das Paar gerade aufbauen will. Mehr als 50 000 sind es schon, ob mit Musik, Gymnastikanleitungen für Schwangere oder Spanischkursen. “Alle anderen Medien sind Datenträger. Die Schallplatte aber ist ein Stück Kulturgut“, schwärmt die Sächsin, die durchaus auch eine große CD-Sammlung hat. “Aber die Schallplatte ist ein Gesamtkunstwerk.“

Da sei ja nicht nur die Musik. “Die Hüllen waren auch jeweils ein Kunstwerk für sich. Und manchmal sogar buchstäblich, zum Beispiel die von Andy Warhol gestalteten.“ Dessen Kunst hieß ja nicht umsonst Pop-Art. Zum Hören kam das Fühlen: “Die Hüllen waren aus Papier oder Pappe, gewellt oder glatt, mit erhabenen Elementen oder Glanz, selbst aus Jeansstoff gab es welche. Die Platte ist ein Fest für die Sinne.“

Die Platte sei keine Musik für den schnellen Verbrauch, nicht zum Nebenbeihören. “Eine Platte wird zelebriert“, schwärmt Zenker. Echte Freunde störe deshalb auch nicht, dass nach 23 Minuten schon wieder Schluss ist. “Die Platte begrenzt. Man ist zur Langsamkeit verurteilt“, sagt sie. “Und ein bisschen Knistern gehört zur Musik doch einfach dazu.“

dpa

So wirkt Musik auf unseren Körper

Musikwirkung auf den Körper
Elektropop (z.B. Lady Gaga, Alejandro):  Bei einem Tempo über 72 bmp haben Musikstücke insbesondere auf Frauen aufputschende Wirkung. Frequenz: 80 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Rock/Pop (z. B. U2 – Beautiful Day): Gut für Männer, da sie häufig zu höheren Blutdruck als Frauen neigen. Ihre Leistung wird durch hohe motorische Erregung beeinträchtigt. Aus diesem Grund führen bei Männern tendenziell ruhigere, fließende Klänge zu einer Steigerung der Leistungsfähigkeit. Frequenz: unter 72 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Akustik/Folk/Blues (z. B. Jack Johnson – Wasting Time): Ruft stärkste Reaktion des Körpers hervor, da das Tempo einem verlangsamten Herzrhythmus ähnlich dem Schlafzustand entspricht. Dabei kommt es beim Zuhörer zur größten Entspannung, zur Beruhigung der Atmung und zur Entkrampfung der Muskulatur. Frequenz: 60 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Klassik (z. B. Wolfgang Amadeus Mozart – „Lacrimosa“ aus dem Requiem):  Die klassischen Klänge im langsamen Tempo helfen bei Schlafstörungen und lösen körperliche Verspannungen. Daher wird heute häufig in Zahnarztpraxen oder OP-Sälen klassische Musik zur präoperativen Angstreduktion der Patienten abgespielt. Frequenz: 65 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Oper (z. B. Guiseppe Verdi – „Triumphmarsch“ aus der Aida): Kann die Konzentrationsfähigkeit fördern und sich positiv auf den Blutdruck auswirken. So führte Verdis emotional mitreißende Opernmusik aus Aida in wissenschaftlichen Untersuchungen zu einer Blutdrucksenkung um durchschnittlich 5 mmHg bei den Zuhörern. Frequenz: 100 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Heavy Metal (z. B. Metallica – Enter Sandman): Das Lied beschleunigt die Herz-Kreislauf-Aktivität, da das Tempo dem Herzschlag während höherer Belastungen entspricht. Daher kommt es zu einer aufputschenden Wirkung. Frequenz: über 120 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Hard Rock (z. B. AC/DC – Highway To Hell): Hard Rock-Musik im schnellen Tempo wie dieser Klassiker kann zum Abbau von Aggressionen beitragen und helfen, Ängste und Frustrationen zu überwinden. Frequenz: im Mittel bei ca. 120 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Latino-Pop (z. B. Shakira – Waka Waka): Der beschwingte, lateinamerikanische Rhythmus im schnellen Tempo bringt das Herz-Kreislauf-System in Schwung und kann helfen, melancholische Augenblicke zu überbrücken. Frequenz: ca. 125 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Chanson (z. B. Beispiel: Udo Jürgens – Aber bitte mit Sahne): Hat einen anregenden Effekt, hilft gegen Müdigkeit. Hat eine Stimmung-aufhellende Wirkung und verbessert die Leistungsfähigkeit. Frequenz: 120 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Schlager (z. B. Jürgen Drews – Ein Bett im Kornfeld): Das mittlere Tempo erzeugt Ausgeglichenheit und hilft gegen Stress-Symptome. Kann darüber auch motivationssteigernd wirken. Frequenz: 110 Hz. © dpa

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