In der Ausstellung werden die Sprachforscher und Märchensammler von A bis Z vorgestellt

Die drei Welten der Grimms

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Bei Rotkäppchens Großmutter: In einem Häuschen kann man sich an ein Bett setzen, auf dem per Projektion dann nicht die Oma, sondern der böse Wolf erscheint.

Die Ausstellung in der Grimmwelt gliedert sich in drei Bereiche, es gibt 25 Stationen, die nach Stichworten aus dem Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm betitelt sind. Wir stellen die drei Teile in diesem Artikel vor.

Wie in die Seiten eines aufgeklappten Buchs geht der Besucher in den Ausstellungsbereich hinein, der sich mit den Aktivitäten der Brüder Grimm als Sprachforscher beschäftigt. Ein langer Gang führt – wegen eines Spiegels am Ende – scheinbar ins Unendliche, rechts und links zweigen Kabinette ab, in denen Erklärungen, Exponate oder Kunst auffindbar sind. Leuchtbuchstaben weisen den Weg, die ganze Ausstellung ist nach den Buchstaben des Alphabets sortiert. Mit Z wie Zettel fängt der Rundgang an. „Zettel sind ein Energiezentrum des Grimmschen Werkes“ sagt Kuratorin Nicola Lepp. Herzstück dieses Ausstellungsbereichs sind die Handexemplare der Kinderund Hausmärchen. Auch die Überlieferungsgeschichte der Märchen findet hier ihren Platz. Es wird eine französische Märchensammlung von Charles Perrault vorgestellt, die den Märchenzuträgern der Brüder Grimm zum Teil wohl bekannt war. In einem Schaukasten stehen Übersetzungen in 67 Sprachen.

DIE WELT DER BILDER:

Was im alten Brüder-Grimm-Museum besonders gefehlt hat, war das Mitmachen. In der Grimmwelt ist das anders. Hier ist der Besucher mittendrin statt nur dabei. Das wird vor allem im zweiten Teil deutlich, der sich mit der Welt der Fantasie beschäftigt. Hier werden die Bilder Wirklichkeit, die die Brüder Grimm mit ihren Märchen geschaffen haben. Wer die Treppe hinuntergeht, steht in einem Märchenwald, in dem die Besucher Stimmen aus einer Dornenhecke hören. Eine Station weiter spricht ein Spiegel zu den Besuchern. Es geht um die alte Frage: Wie schön bin ich selbst und wie schön sind die anderen? Man kann sich zu den sieben Zwergen an den Tisch beamen lassen, die Hexe in den Ofen schieben oder Interviews des Schriftstellers und TV-Machers Alexander Kluge über Hans im Glück anschauen. Das Fantastische spiegelt sich im Realen und umgekehrt. Besonders eindrucksvoll ist eine Videoinstallation, in der Schauspieler in 28 Sprachen und auf sechs Leinwänden das „Rumpelstilzchen“-Märchen erzählen. Aus Kassel sind etwa Stefan Becker, Sabine Wackernagel und Günter Staniewski dabei. HNA-Chefredakteur Horst Seidenfaden erzählt die Geschichte auf Nordhessisch.

DIE LEBENSWELT:

Wie stellt man eine Biografie im Museum aus? Dieses Problem mussten die Ausstellungsmacherinnen lösen – und sie wollten eben nicht eine schnöde Lebenslauf-Tafel an die Wand hängen. Es gibt also in der Ausstellung einen Bereich, der das Leben von Jacob und Wilhelm Grimm veranschaulicht – mit vielen Original-Exponaten. Dazu kommen Zitate der Brüder, in denen sie über ihre Lebenssituation sprechen. Unter dem Buchstaben Q wie Quitte wird hier auch das häusliche Leben vorgestellt – am Beispiel von Wilhelms Frau Dorothea, die Rezepte gesammelt hat – unter anderem einige mit Quitte. Der Künstler Antoni Miralda hat eine Wandinstallation angefertigt, auf der Märchenmotive und Rezepte wie an einer gedeckten Tafel präsentiert werden – auf Porzellantellern.

VON BETTINA FRASCHKE UND MATTHIAS LOHR

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