Neue Chance im Handwerk

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An der Universität war Sara Pukall unzufrieden, daran änderte auch ein Studienfachwechsel nichts: Heute kann sie als Goldschmiedin kreativ sein und Schmuck herstellen, an dem andere Menschen Freude haben.

Mehr als 500 000 Studenten beginnen jährlich ein Studium. Zu Semesterbeginn sind die Hörsäle prall gefüllt. Für ihren Wunschstudienplatz nehmen viele sogar lange Wartezeiten in Kauf. Nur etwas mehr als Zweidrittel halten aber bis zum Ende durch. Knapp 30 Prozent verlassen die Uni ohne Abschluss.

Die wichtigsten Gründe für den Studienausstieg sind unter anderem Leistungsprobleme, finanzielle Engpässe, mangelnde Motivation und fehlender Praxisbezug – so eine Untersuchung des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW). Sara Pukall kann diese Beweggründe aus eigener Erfahrung bestätigen: „Ich konnte mir nicht vorstellen, welchen Beruf ich nach dem Studium ausüben sollte. Mir fehlte der Praxisbezug“, berichtet die 26-Jährige, die nach zehn Semestern aus dem BWL-Studium ausstieg und heute zufriedene Goldschmiedin ist.

Auch Benjamin Steffen kennt Studienfrust nur zu gut: „Die höhere Mathematik im Maschinenbaustudium war nicht mein Ding. Schon am Ende des ersten Semesters wusste ich, dass das mit dem Studium nichts wird“, sagt er. Als Metallbau-Meister und Betriebsinhaber bildet er heute junge Menschen aus.

Sara und Benjamin sind zwei von tausenden jungen Menschen, die jährlich feststellen, dass das Studium nicht das Richtige für sie ist. Doch was machen diejenigen, die frühzeitig aus dem Studium aussteigen? Viele von ihnen schlagen sich ohne konkreten Berufsabschluss auf dem Arbeitsmarkt durch – die Einen mit mehr, die Anderen mit weniger Erfolg. Gerade einmal 31 Prozent der Aussteiger aus Bachelor-Studiengängen beginnen laut DZHW eine Ausbildung. Dabei bietet das Handwerk Studienaussteigern attraktive Ausbildungsplätze in über 130 Berufen mit viel Praxis, eigenem Gehalt und guten Aufstiegschancen. Studienaussteiger haben dabei sogar die Möglichkeit, die Ausbildung von drei auf zwei Jahre zu verkürzen. Wenn sie im Anschluss den Meisterbrief machen, haben sie zudem einen Abschluss in der Tasche, der dem Bachelor gleichgestellt ist.

Bei der Entscheidung für den passenden Handwerksberuf helfen die Berater in den Handwerkskammern in den Regionen. Speziell für Studienaussteiger bieten einige Handwerkskammern in Kooperation mit Universitäten und Betrieben vor Ort Beratung an, beispielsweise zur verkürzten Ausbildung und zu passenden Handwerksbetrieben. (nh)

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