Mit der Kälte gehen die Cabrios

Pflege ist wichtig: Vor allem Oldtimer benötigen vor dem Winter eine gute Pflege und einen sicheren Standort. Foto: Auto-Medienportal.Net/TÜV Rheinland

Mit sinkenden Temperaturen verschwinden die Cabrios und Oldtimer von den Straßen. Die Zahlen auf den Saisonkennzeichen zeigen: Spätestens Ende Oktober ist in der Regel Schluss für automobiles Sonnenvergnügen.

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Was die Liebhaber von sommerlichen Ausfahrten alles tun können, damit der Wagen zum kommenden Saisonstart noch genauso gut da steht und einwandfrei anspringt, wissen die Experten vom Tüv.

Mit sinkenden Temperaturen verschwinden die Cabrios und Oldtimer von den Straßen. Die Zahlen auf den Saisonkennzeichen zeigen: Spätestens Ende Oktober ist in der Regel Schluss für automobiles Sonnenvergnügen. Was die Liebhaber von sommerlichen Ausfahrten alles tun können, damit der Wagen zum kommenden Saisonstart noch genauso gut da steht und einwandfrei anspringt, wissen die Experten vom Tüv.

Liebhaberfahrzeuge wie Oldtimer oder Cabriolets werden in der Regel nur im Sommer bewegt. Die Zulassungsstellen unterstützen die Bewegung seit Jahren mit der Ausgabe von Saisonkennzeichen. Die Schilder mit dem Jahreszeitenzusatz ersparen mühsames Ab- und wieder Anmelden und kommen inzwischen an allen möglichen Fahrzeugen zum Einsatz. 2014 waren laut Kraftfahrtbundesamt mehr als 2,1 Millionen Fahrzeuge mit Saisonkennzeichen hierzulande unterwegs – Tendenz steigend.

Waschen: Sauberkeit beugt Rost und Startproblemen vor. Shampoo mit Waschkonservierer oder Waschanlagenprogramme mit Wachszusatz sind die erste Wahl. Die Reinigung des Unterbodens ist ebenfalls wichtig. Eine Motorwäsche hat nicht nur optische Effekte, sondern sorgt für einen problemlosen Start in den Frühling. Vorsicht bei der Hochdruckwäsche. Nicht zu nahe an Aggregate wie die Lichtmaschine und andere elektrische Komponenten herangehen. Ein Abstand von mindestens 50 Zentimetern ist nötig. Das gilt auch für die Reifen: „Ein harter Wasserstrahl kann bleibende, aber zunächst nicht sichtbare Schäden anrichten“, so der Hinweis von Uwe Herrmann vom Tüv.

Lüften: Schmutz zieht Feuchtigkeit und damit Korrosion an. Die Reinigung des Innenraums beugt dem und auch schlechten Gerüchen vor. Moderne Autos haben einen Pollenfilter für die Zuluft in den Innenraum. Herrmann empfiehlt, den Einsatz aus hygienischen Gründen jetzt zu wechseln. Zusätzliche Fußmatten überwintern am besten außerhalb des Autos, damit sich unter ihnen keine Feuchtigkeit bilden kann. Eine gute Belüftung des Innenraums dient dem gleichen Ziel. Dazu einfach die Seitenscheiben ein paar Zentimeter geöffnet halten. Für wertvolle Ledersitze gibt es entsprechende Pflegemittel, die sie vor Versprödung und Feuchtigkeit schützen.

Platz nehmen: Am besten steht das Sommerauto in einer trockenen und gut belüfteten Garage. Muss es unter freiem Himmel überwintern, sollte zumindest eine feste, durchgehende Standfläche vorhanden sein. Plätze mit durchbrochenen Formsteinen sind Gift für die Reifen! Sie können die Aufstandsflächen dauerhaft verformen und Gras oder Pflanzenreste schaden beim langen Stehen dem Gummi.

Schmieren: Frisches Öl schützt den Motor. Auch wenn das Wechselintervall längst nicht erreicht ist, lohnt sich die Investition. „Im Laufe des Betriebs bilden sich Säuren und andere aggressive Stoffe im Öl, die Metallteile und Dichtungen angreifen“, sagt Hermann. Echte Oldtimer kommen mit dünnen Ölen wie 0W-30 schlecht zurecht und ältere Dichtungsmaterialien leiden oft unter synthetischem Schmierstoff. Den wiederum benötigt ein aktuelles Cabrio. Also auf die richtige Sorte achten! Die Kontrolle der Ölstände in Getriebe und Achsantrieb und das Auffüllen auf den korrekten Stand mit dem richtigen Öl stellt sicher, dass alle Zahnräder und Lager während des Stillstands optimal versorgt sind.

Pflegen: Ein Cabrioverdeck braucht jetzt besonders viel Aufmerksamkeit. Die Autohersteller verkaufen spezielle Reiniger und Konservierungsmittel. Moderne Synthetik-Dichtungen brauchen aber keine besonderen Pflegemittel mehr. Die Reinigung mit Seifenwasser genügt. Bei Oldtimern mit Gummileisten hilft gewöhnliches Talkum. Ein Stoffverdeck selbst steht in der Garage am besten in einer leicht entspannten Position, also einen Spalt geöffnet. Keinesfalls darf es aber über längere Zeit ganz offen sein. Dies kann nämlich bleibende Falten und mürbe Stellen erzeugen. Bei den so genannten Retractable Hardtops (klappbares Dach) sind keine besonderen Maßnahmen nötig.

Auffüllen: Für die Pneus ist ein leicht erhöhter Fülldruck gut. 2,5 bis 3 Bar sollten vor dem Abstellen drin sein. Und etwas Talkum an den Außenseiten von Oldtimer-Reifen erhöht die Haltbarkeit des Gummis. Anlässlich des Auffüllens an der Tankstelle auch gleich volltanken. Ist viel Luft in Kraftstoffbehältern, kann sich während der Winterpause Kondenswasser bilden. Ein voller Tank dagegen beugt Korrosion und Startschwierigkeiten vor.

Ablassen: Gern vergessen wird die Scheibenwaschanlage. Ist kein Wasser mehr drin, kann sie nicht einfrieren. Alternativ sorgt Frostschutz dafür. Nach dem Einfüllen die Anlage ein paar Mal betätigen, so dass der Gefrierschutz bis in die Düsen gelangt! Die Scheibenwischer selbst kommen abgeklappt am besten und ohne Verformung oder Festkleben über den Winter. Bei modernen Fahrzeugen ist zum Abheben manchmal die Serviceposition der Wischer nötig. Die Betriebsanleitung sagt, wie das geht.

Laden: Die Batterie von Oldtimern kann abgeklemmt werden. Bei modernen Autos mit viel Elektronik empfiehlt sich das nicht. In beiden Fällen ist regelmäßiges Laden des Stromspenders nötig. Eine leere Batterie kann nämlich bei Minustemperaturen einfrieren. Das würde sie zerstören. Sehr empfehlenswert sind moderne Ladegeräte, die den Ladezustand automatisch prüfen und nur bei Bedarf tätig werden.

Bewegen: Keinem Auto tut es gut, immer an der gleichen Stelle zu stehen. Alle paar Wochen ein paar Dezimeter die Position verlagern. Das vermeidet so genannte Standplatten an den Reifen. Auch verteilen sich Öl im Achsantrieb oder Fett in Antriebswellen dabei und bauen einen schützenden Schmierfilm auf. Der Motor von jungen Fahrzeugen darf sogar hin und wieder ein paar Minuten laufen, um die Klimaanlage zu schmieren. Dabei aber sicherstellen, dass die Anlage wirklich eingeschaltet ist. „Sonst kann ein Teil des Kältemittels durch ausgetrocknete Dichtungen entweichen und die Kühlwirkung ist in der nächsten Saison verschwunden“, so der Experte. Das Laufenlassen des Motors sollte aber dann solange andauern, dass sich kein Kondenswasser in der Abgasanlage bilden kann. Dabei unbedingt auf ausreichende Belüftung geschlossener Räume achten (Kohlenmonoxidvergiftungsgefahr). (nh)

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