Die Geschichte des Herkules

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In neuem Glanz: Ende 2017 wurde die neue Herkules-Figur am Leipziger Platz aufgestellt. Mit dabei Malermeister Heinz Moll (links) und Klaus Neddermann von der WGB.

Bettenhausen. Der unkundige Besucher des Leipziger Platzes mag sich wundern: Was hat denn der Herkules hier zu suchen?

Seit dem Jahr 2006 steht an der dortigen Tram-Haltestelle eine Miniatur des Kasseler Wahrzeichens und erinnert daran, dass das Original, das als Wahrzeichen an exponierter Stelle über die Stadt wacht, eigentlich aus Bettenhausen stammt.

Die Wiege des Herkules: Der Messinghof

Um genau zu sein, aus der direkten Nachbarschaft. Denn im Jahr 1717 vollendete der Augsburger Goldschmied Johann Jacob Anthoni im Messinghof in der Leipziger Straße die Statue des Herkules für den Bergpark Wilhelmshöhe. Die damals erste Großstatue in Leichtbauweise, legte Zeugnis von der Leistungsfähigkeit der hessischen Metallindustrie im frühen 18. Jahrhundert ab. Noch heute gilt der Messinghof daher nicht nur als Nordhessens ältestes Baudenkmal für frühe Industriekultur, sondern auch als die Wiege des Herkules.

Absolutistische Architektur

Seit 2013 ist der Herkules, als Teil des Wilhelmshöher Bergparks, und damit als Beispiel absolutistischer Architektur auf der Weltkulturerbeliste der UNESCO. So kam die Werbegemeinschaft Pro Bettenhausen (WGB) auf den naheliegenden Gedanken, dem „Bettenhäuser Jungen“ in unmittelbarer Nähe seiner Geburtsstätte ein Denkmal zu setzen, um ihn – sowie alle Besucher – an seine Wurzeln zu erinnern.

Umfangreiche Restaurierungen

Doch auch am Herkules im Bergpark sind die Jahrhunderte nicht spurlos vorbei gegangen, während die Figur bereits vor einigen Jahren eine Restaurierung erfuhr, wird am Oktogon noch heute gearbeitet. Ähnlich erging es dem „kleinen Bruder“ am Leipziger Platz, der immer wieder Ausbesserungsarbeiten über sich ergehen lassen musste. Hier musste der Bettenhäuser Malermeister Heinz Moll regelmäßig Hand anlegen. „Trotz mehrfachen Nachbesserns in den vergangenen Jahren war die Herkules-Figur nach zehn Jahren am Standort derart verschlissen, dass sich eine Sanierung nicht mehr lohnte“, sagt Klaus Neddermann vom Vorstand der WGB.

Daher entschloss sich die WBG, eine neue Statue in Auftrag zu geben. Im November 2016 wurde die Miniatur abgebaut. Nach dem Abbau musste zunächst eine Negativform der Statue aus Gips und Silikon erstellt werden, die als Vorlage für die neue Figur dienen sollte. Anhand dessen wurde eine neue Skulptur angefertigt. Diesmal aus Beton, der eine wesentlich höhere Lebensspanne von 30 bis 40 Jahren verspricht. Die neue Herkules-Figur erhielt einen Anstrich mit Bronzefarbe und Patina für einen authentischen Look, der sehr an das Original erinnert.

Die Miniatur wacht über Bettenhausen

Im Dezember vergangenen Jahres, pünktlich zum 300. Geburtstag des Originals, wurde die neue Herkules-Figur am Leipziger Platz aufgestellt, wo sie nach gut einjähriger Abwesenheit nun wieder die Leute und das Leben in Bettenhausen fest im Blick hat. In Bettenhausen, der Wiege des „kleinen“ und „großen“ Herkules, ist man mit dem Ergebnis zufrieden. „Jetzt haben wir am Leipziger Platz wieder den schönsten Herkules in der Stadt – neben dem Original im Bergpark Wilhelmshöhe“, sagt Klaus Neddermann. (pee)

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