Rechtzeitig orientieren

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Früher oder später muss sich jeder damit beschäftigen: Wie stellt man sich sein Leben im Alter vor?

Die Pflege-Professorin Karin Wolf-Ostermann rät dazu, sich rechtzeitig mit der Frage zu beschäftigen, wie das Wohnen im Alter gestaltet werden soll. Das verdrängten viele Menschen gerne, sagt die Expertin.

„Wir sollten aber nicht warten, bis uns die Fakten einholen, bis nichts mehr geht“, betont die 51 Jahre alte Wissenschaftlerin. Wichtig sei, „aktiv zu werden, um die Zukunft selbst zu gestalten“.

Die große Kunst bestehe darin, das Thema in kleinen Schritten anzugehen. „Beispielsweise damit, Informationen zu sammeln“, so Wolf-Ostermann. Gute Ansprechpartner seien dabei Pflegestützpunkte, kirchliche Beratungsstellen wie auch Experten für barrierefreies Wohnen, die auch in die eigene Wohnung kämen. „Ein erster Schritt kann dann schon sein, die allseits beliebten Matten und Teppiche im Haus zu reduzieren, um Stolperfallen zu vermeiden.“

Ein angemessenes Wohnangebot müsse keine Frage des Geldes sein. Die Vielfalt sei groß, Beratung deshalb besonders wichtig. „Es geht um die Frage, was zu mir und zu meinen Bedürfnissen passt. Und darum, wie ich mir ein Umfeld schaffen kann, damit mein Hilfebedarf gedeckt wird.“ Zwar erscheine die Leitlinie „ambulant vor stationär“ prinzipiell richtig – sie müsse aber nicht immer passen. Neben unterschiedlichen ambulanten Wohnformen gebe es mittlerweile in Pflegeheimen kleinräumige stationäre Angebote wie Wohngemeinschaften, die gute Alternativen böten. „Ich maße mir nicht an zu entscheiden, ob das Wohnen in den eigenen vier Wänden mit dazu gebuchter Pflegeleistung besser ist als ein stationärer Heimplatz“, räumt die Expertin ein. „Das ist richtig, das ist falsch – das gibt es so nicht.“ Wichtigstes Ziel neben der pflegerischen Versorgung sei die soziale Teilhabe: „Einsamkeit ist für viele ältere Menschen ein großes Problem.“

So könne das Wohnprojekt mit Freunden genauso gut sein wie Servicewohnen begleitet von einem Pflegedienst oder das Stadtteilhaus mit mehreren Generationen unter einem Dach. Auch auf dem Land entwickelten sich beispielsweise mit sogenannten „Green-Care-Farms“ neue Angebote: „Bauernhöfe als Pflegeheime, das kann ein Angebot sein, von dem Höfe und Ältere – beispielsweise mit einer Demenz – gleichermaßen profitieren.“ Österreich, Norwegen und die Niederlande seien da schon weiter als Deutschland, sagt Wolf-Ostermann. (epd)

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