Wildschaden: Was tun?

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Achtung, Gefahr: Auf den Landstraßen ist im Spätsommer mit mehr Wildwechsel zu rechnen.

Kassel. Spätsommer ist Brunftzeit beim Rehwild. Manches Tier bezahlt den Liebesrausch mit dem Tod auf der Straße. Folgende Tipps klären auf, was bei einem Wildunfall zu tun ist.

Besondere Aufmerksamkeit fordern Fahrten von Sonnenuntergang bis -aufgang. Dann ist die halbe Waldbevölkerung auf den Beinen, wechselt Futterplätze, sucht Wasserstellen und überquert dabei die Straßen. Straßenabschnitte mit dem Wildwechsel-Verkehrsschild erfordern höchste Aufmerksamkeit. Wenn es trotzdem kracht: Notruf 110 wählen.

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Die Polizei informiert dann den Jagdpächter, der sich um das angefahrene Tier kümmert. Selber nichts anfassen und schon gar nicht das Tier in den Kofferraum laden, das gilt als Wilderei. Die Polizei stellt eine Bescheinigung für die Versicherung aus.

Dann heißt es, sich um das eigene Auto zu kümmern. Weiterfahren? Kommt auf die Schäden an. Ein ausgewachsenes Wildschwein wiegt bis zu 200 Kilogramm. Wer solch ein kompaktes Tier mit 80 km/h rammt, erlebt zunächst die Krafteinwirkung von umgerechnet 4,5 Tonnen aufs Fahrzeug und einen Sekundenbruchteil später das Zünden der Airbags. Weiterfahrt unmöglich.

Wenn Öl oder Kühlwasser austritt: Abschleppdienst

Doch schon nach weniger schweren Kollisionen kann das Fahrzeug nicht mehr verkehrssicher sein, etwa im Dunkeln mit kaputten Scheinwerfern. Meistens ist dann noch mehr demoliert.

Tritt etwa Flüssigkeit aus, wird es kritisch: Handelt es sich um Öl oder Kühlwasser, wäre ein Motorschaden innerhalb der nächsten fünf bis zehn Kilometer wahrscheinlich, ein Abschleppdienst zwingend nötig.

Das ist keine übertriebene Vorsicht, sondern Fakt. Für einen defekten Turbolader – den hat mittlerweile fast jedes Auto – genügen bereits zehn Sekunden ohne Schmierung. Nur wenn es sich bei der Flüssigkeit um Wasser aus dem geborstenen Scheibenwaschbehälter handelt, droht keine Gefahr.

Auch bei kleinen Tieren Auto genau untersuchen

Doch selbst nach Kollisionen mit kleineren Tieren wie Hasen oder Füchsen, wenn oberflächlich gar nichts zu sehen ist, sollte man sein Auto genau untersuchen.

Moderne Fahrzeuge sind am Unterboden großflächig mit Kunststoff verkleidet. Diese Platten splittern beim Überrollen und reißen sich los, können anschließend an Reifen oder Fahrwerksteilen scheuern sowie andere Verkehrsteilnehmer gefährden.

Eine Gefährdung liegt auch vor, wenn die Frontscheibe zersplittert und keine einwandfreie Sicht mehr gegeben ist. Dann führt ebenfalls kein Weg am Abschlepper vorbei. Dessen Kosten übernimmt übrigens die Kaskoversicherung, sofern Haarwild beteiligt war.

Wer keine hat, kann sich an seinen Automobilklub wenden oder Schutzbriefe seiner Kreditkarten nutzen. Oder zur Not die Kosten selbst tragen. Denn das ist allemal billiger als mit dem waidwunden Auto noch die nächste Werkstatt zu erreichen versuchen und dabei den Motor kaputt zu fahren. (nh)

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