Lieblingsplatz hinter Glas

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Designelement: Die großen Glasflächen eines Wintergartens steigern auch den optischen Anreiz eines Gebäudes – das Wohnhaus wirkt offener und einladender.

Was tun, wenn draußen zwar die Sonne scheint, es aber auch bitterkalt ist? Dann wäre ein Platz im Wintergarten optimal – kuschelig warm und dazu im Licht der Sonne. Für viele ist es der Lieblingsplatz im Haus. Doch aus energetischer Sicht sind Wintergärten eine Herausforderung.

Im Sommer heizen sich Glasbauten schnell auf, und im Winter kühlen sie aus, sobald die Sonne verschwunden ist. Das Problem: Oft werden Wintergärten auf alte Terrassen aufgesetzt. „Manche Hausbesitzer denken, wenn sie einfach einen Glasbau darauf bauen, haben sie schon einen Wintergarten“, sagt Klaus Helmich, Sachverständiger für Wintergärten aus Wertheim. „Dabei handelt es sich bei solchen Konstruktionen oft lediglich um einen geschlossenen Freisitz.“

Ein Wintergarten, der zum Wohnen geeignet ist, benötigt ein solides Fundament, eine Abdichtung und eine Wärmedämmung nach unten sowie Einrichtungen zur Belüftung und Beschattung. Sonst dringen Kälte und Feuchtigkeit ein, oder der Raum heizt sich im Sommer stark auf.

Richtige Verglasung wichtig

Beheizte Wintergärten müssen die strengen Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) für Glasdächer und Fassaden von beheizten Gebäuden erfüllen. „Das ist mit einer fachgerechten Planung und der Auswahl der richtigen Technik und Materialien durchaus machbar“, erklärt Steffen Spenke, Geschäftsführer des Bundesverbands Wintergarten in Berlin. Ein Wintergarten verbraucht dann unter Berücksichtigung der Sonnenenergie etwa so viel Heizenergie im Jahr wie ein Raum mit kompakten Wänden.

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Ausschlaggebend für eine gute Energiebilanz ist das Zusammenspiel von Trägermaterial und Verglasung. Wegen seines geringen Gewichts und der zugleich hohen Festigkeit entscheiden sich die meisten Bauherren für Aluminium. Alu-Profile gibt es mit hochwertiger thermischer Trennung für Wohnwintergärten. „Bei der sogenannten thermischen Bremse werden Außen- und Innenschale getrennt, so dass der Wintergarten gut isoliert ist“, erklärt Spenke. Bei weniger oder nicht beheizten Wintergärten kann eine thermische Trennung mit geringeren Anforderungen eingesetzt werden. Das Profil der tragenden Konstruktion ist zu rund 25 Prozent dafür verantwortlich, wie viel Wärme verloren geht. Etwa 75 Prozent der Wärmedämmung übernimmt das Glas. Und das wird immer besser. „Früher ist Heizenergie durch alte Rahmen und schlecht isolierende Verglasungen einfach in den Garten verpufft“, sagt Ulrich Tschorn, Geschäftsführer des Verbandes Fenster + Fassade. Das erkenne man am Gartenboden: „Manchmal war ein guter Meter rund ums Haus selbst im tiefsten Winter eisfrei.“

Heute sind Wärmeschutz-Verglasungen aus zwei Glasscheiben Standard. Sie haben einen U-Wert um 1,0 bis 1,1 Watt pro Quadratmeter und Kelvin. Genauso wichtig wie das richtige Glas ist eine passende Verschattung des Wintergartens. Sie sollte von vornherein in die Planung einbezogen werden. Viel Sonnenlicht und Hitze können mit Sonnenschutzverglasungen, Markisen, Rollläden, Raffstoren, Jalousien oder Plissees abgehalten werden. „Diese Systeme gibt es auch mit automatischen Steuerungen, die zum Beispiel die Wintergartenmarkisen bei starker Sonneneinstrahlung schließen und sie wieder öffnen, sobald die Sonne weitergezogen ist“, erklärt Tschorn.

Himmelsrichtung beachten

Bei der Auswahl der Verschattung spielen auch die geografischen Verhältnisse eine Rolle, vor allem die Himmelsrichtung. Die Nordlage hat den Vorteil, dass sie sich im Sommer nicht so sehr aufheizt. Die Ostseite ist ideal für Menschen, die bei Morgensonne ihr Frühstück in Ruhe in ihrem Wintergarten genießen können. In Westlage bleibt die Abendsonne lange präsent, und in Südlage gibt er den ganzen Tag über viel Tageslicht und Wärme. (tmn)

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