400 Interessierte bei Informationsveranstaltung

Erstaufnahme-Unterkünfte in Kassel: Zelte sollen vor dem Winter weg

Ein Zeichen der großen Hilfsbereitschaft in der Stadt: Rund 400 interessierte Bürger kamen in die Aula der Heinrich-Schütz-Schule, um vor allem zu erfahren, wie sie helfen können. Rechts vorne im Bild der Objektleiter der Erstaufnahmeeinrichtung Landesfeuerwehrschule, Günter Jäger. Foto:  Fischer

Kassel. In Kassel entsteht derzeit die dritte neue Erstaufnahme-Unterkunft für Flüchtlinge. Zurzeit haben hier bereits rund 650 Menschen eine vorläufige Zuflucht gefunden. Die Stadt hatte dazu am Dienstagabend zu einer Informationsveranstaltung für Bürger eingeladen.

Eines wurde schon bei den ersten Fragen deutlich: Die rund 400 Bürger, die zur Informationsveranstaltung der Stadt in die Aula der Heinrich-Schütz-Schule gekommen waren, wollten vor allem erfahren, wie sie den Flüchtlingen helfen können. Es gab auch viele andere Fragen rund um das Thema Flüchtlinge. Hier eine Auswahl:

Wie können Bürger den Flüchtlingen helfen? 

Bei den Zweitaufnahme-Einrichtungen in der Stadt beispielsweise im ehemaligen Kinderkrankenhaus Park Schönfeld, in der Jägerkaserne und der Im Druseltal gebe es bereits eine Reihe von ehrenamtlich getragenen und von der Caritas geleiteten Hilfsprojekten wie eine Fahrradwerkstatt oder eine Kleiderkammer, sagte Stadtkämmerer Christian Geselle. Aufgrund des großen Interesses der Bürger veranstaltet die Stadt am Dienstag, 29. September, von 18 bis 19.30 Uhr im Stadtverordnetensaal im Rathaus eigens eine Infoveranstaltung zum Thema ehrenamtliche Hilfe.

Die Erstaufnahmeeinrichtungen seien hingegen nicht geeignet, diese für Bürger zu öffnen, sagte Regierungsvizepräsident Hermann-Josef Klüber: Man habe Angst davor, dass in die Unterkünfte Leute kommen, die es nicht gut mit den Flüchtlingen meinen. Es sei ausgesprochen schwierig, in den Erstaufnahmeunterkünften ehrenamtliche Hilfe zu organisieren. In Teilen sei dies gelungen, beispielsweise gebe es Ehrenamtliche, die Deutsch vermitteln oder Kinder betreuen.

Gesundheitsamtsleiterin Dr. Karin Müller berichtete auch von eine Initiative, die Flüchtlinge in Calden zu einem gemeinsamen Spaziergang eingeladen habe. Und eine Kasselerin berichtete, dass sie auf einem Spielplatz Kontakt zur Flüchtlingen geknüpft habe, um die sie sich jetzt kümmere.

Für Spenden und Hilfsangebote, die die Erstaufnahmeeinrichtungen betreffen, hat das Regierungspräsidium eine E-Mail-Adresse eingerichtet: heae-calden@rpks.hessen.de

Aus welchen Ländern kommen die Flüchtlinge? 

Hier nannte Klüber folgende Zahlen: 22,6 Prozent aus Syrien, 12,5 Prozent aus Eritrea, 8,6 Prozent aus Afghanistan, 8.6 Prozent aus Albanien, 8,4 aus dem Kosovo, 8,3 Prozent aus Serbien, 6,4 Prozent aus Somalia und 3,4 Prozent aus Algerien.

Eine Teilnehmerin berichtete, dass sie sich drei Wochen bei der Kinderbetreuung in der Zeltstadt Calden engagiert habe, das Kinderzelt dann aber für Betten gebraucht wurde. Sie wollte wissen, ob es in Calden und auch in der Landesfeuerwehrschule derzeit eine Kinderbetreuung gibt. 

Regierungsvizepräsident Klüber bestätigte, dass das Kinderzelt für die Unterbringung weiterer Flüchtlinge gebraucht würde. Inzwischen habe man aber eine andere Lösung gefunden und wolle für die Kinder Raum in einer Veranstaltungshalle schaffen.

Für die Landesfeuerwehrschule sei ein Bürocontainer bestellt worden, um Kinder dort zu betreuen, sagte der Objektleiter oder auch „Bürgermeister“ dieser Erstaufunterkunft, Günter Jäger. Derzeit lebten 70 Kinder unter 15 Jahren in der Landesfeuerwehrschule.

Wird Wohnraum für Flüchtlinge gebraucht? 

Hier gebe es bereits eine gute Zusammenarbeit mit der Wohnungswirtschaft, die der Stadt unter die Arme greife, sagte Geselle. Auch gebe es eine Vielzahl privater Angebote. Wer eine Wohnung oder eine Untervermietung anbiete wolle, sei sehr willkommen und könne sich per E-Mail wenden an sozialamt@kassel.de oder marco.henkel@kassel.de

Kann ich mich sicher fühlen, wenn ich in meinem Stadtteil jetzt häufiger Gruppen von Männern aus der Flüchtlingsunterkunft begegne, fragte eine junge Frau, die in der Nähe der Landesfeuerwehrschule wohnt.

Leserfragen:

Die HNA beantwortet Fragen zum Thema Flüchtlinge - hier lesen Sie alles Aktuelle.

Dass die Flüchtlinge in Gruppen gehen ist auch ein Zeichen ihrer eigenen Unsicherheit“, sagte dazu Günter Jäger. Die Flüchtlinge seien damit beschäftigt, sich in einer fremden Stadt einzuleben und das, was sie auf der Flucht erlebt haben, zurückzudrängen. „Sie brauchen Ihnen nicht aus dem Weg zu gehen“, sagt Jäger. Bisher habe es in der Landesfeuerwehrschule keinerlei Auffälligkeiten oder negative Erfahrungen gegeben. „Gehen Sie offen mit diesem Menschen um und fühlen Sie sich sicher und nicht unsicher“, appellierte auch Stadtrat Geselle.

Wie lange sollen die Zelte in Calden stehen bleiben? 

Dies ist ein Thema, das uns jeden Tag bewegt,“ sagte Klüber auf diese Frage. Das Regierungspräsidium versuche, weitere feste Unterkünfte zu finden. Auch Wohncontainer oder eine Leichtbauhalle seien im Gespräch. Die Zelte seien jedenfalls nicht winterfest und müssten ersetzt werden. Eine Erstaufnahmeeinrichtung werde es in Calden zunächst weiter geben.

Wie ist die Gesundheitsversorgung in den Erstaufnahme-Unterkünften organisiert? 

Hinweis:

Weitere Leser-Fragen und -Antworten zum Thema Flüchtlinge veröffentlichen wir in den nächsten Tagen.

Schon von Anfang an seien Ärzte in der Zeltstadt in Calden vor Ort gewesen und es habe sich gezeigt, dass es wichtig ist, dass Mediziner anwesend sind. Deshalb sei schnell ein ärztlicher Dienst eingerichtet worden, der inzwischen gut etabliert sei, sagte Gesundheitsamtschefin Karin Müller. So würden von Allgemeinmedizinern und Kinderärzten, aber auch von anderen Fachärzten regelmäßige Spechstunden angeboten. Die Ärzte würden dabei von Dolmetschern unterstützt.

Auch in der Landesfeuerwehrschule würden seit vergangenem Donnerstag ärztliche Sprechstunden angeboten. Und auch dort seien die Erstuntersuchungen der Flüchtlinge inzwischen angelaufen.

Was ist möglich und nötig, um Patenschaften zum Beispiel für Jugendliche zu übernehmen? 

In Kassel leben derzeit 220 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, sagte Jugendamtsleiterin Judith Osterbrink. Diese freuten sich sehr über das Angebot von Patenschaften und somit eine dauerhafte Beziehung zu Menschen aufbauen zu können, über Zuwendung und Unterstützung. Zum Schutz der Minderjährigen müsse das Jugendamt von Patenschaftsanwärtern aber ein erweitertes Führungszeugnis verlangen und auch Gespräche mit ihnen führen. Interessenten können sich wenden an Jugendamt@kassel.de

Man hört, dass unter den Flüchtlingen im Caldener Camp große Spannungen herrschen, stimmt das? 

Klüber räumte ein, dass das Leben in der Zeltstadt keine heile Welt sei. Für alle, die dort leben und arbeiten, sei dies schwer in der Balance zu halten. Immer wieder versuche man, mit den Flüchtlingen, unter denen eine große Fluktuation herrsche, Vereinbarungen für ein friedliches Zusammenleben zu vereinbaren.

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