Hilfe beim Ämter-Marathon

Ehrenamtliche begleiten Flüchtlinge zu den Behörden

Donnerstag ist Rathaus-Tag: Susi Schellhase, die seit einem halben Jahr als Ehrenamtliche bei den Behördengängen hilft, mit den syrischen Flüchtlingen Eyad Alaryan (links), seinem Bruder Eyas Alaryan und dessen Frau Layan Kauka. Fotos: Rudolph

Kassel. Ahmed Adam steht im Foyer des Bürgerbüros im Rathaus und guckt etwas ratlos auf die vierstellige Nummer auf seinem Zettel. „Which room?“, fragt der junge Syrer und will nach Raum 1573 suchen.

Da ist Hans-Gerd Hiller zur Stelle und erklärt dem Asylbewerber, dass er mithilfe der gezogenen Nummer auf einer digitalen Anzeigetafel sehen kann, wann er an der Reihe ist.

Es ist Donnerstagmorgen: Behördentag für die neu eingetroffenen Flüchtlinge, die der Stadt Kassel zur Unterbringung zugeteilt worden sind. 68 Menschen waren am Vorabend in der Unterkunft Park Schönfeld angekommen. Dort hatten die acht ehrenamtlichen Helfer, die auch jetzt im Rathaus die Flüchtlinge begleiten, die Neuankömmlinge bereits mit Tee und Essenspaketen empfangen. „Manche haben den ganzen Tag nichts gegessen“, erzählt Susi Schellhase. Denn die Flüchtlinge würden zunächst von ihrer jeweiligen Erstaufnahmeeinrichtung in ganz Hessen zur Zentralstelle in Gießen und dann weiter nach Kassel gefahren. Hier werden sie auf die städtischen Unterkünfte verteilt.

Am nächsten Morgen treffen sich Helfer und Flüchtlinge am Rathaus: Bürgeramt, Sozialamt, Ausländerbehörde stehen auf dem Programm. Auch für Einheimische wäre es eine Herausforderung, in den verzweigten Fluren des Rathauses die richtigen Anlaufstellen zu finden.

Auf der Anzeigetafel im Bürgerbüro blinkt jetzt die 1573 auf. Hans-Gerd Hiller geht mit Ahmed Adam und einem weiteren Syrer zu einer Mitarbeiterin. Die beiden sprechen gut Englisch, sodass Hillers Hilfe kaum nötig ist. Adam kann der Frau verständlich machen, dass Vor- und Nachname auf seinem Datenblatt vertauscht sind. Mit einem Ausdruck der Meldebescheinigung geht es weiter ins Sozialamt - nicht ohne dass sich die jungen Männer überschwänglich bei der Verwaltungsmitarbeiterin bedanken.

Wo geht es lang? Hans-Gert Hiller zeigt Ahmed Adam (rechts) und einem weiteren Syrer im Bürgerbüro, wo sie sich melden müssen.

Weil die eigentlich für Asylbewerber zuständigen Sachbearbeiter die hohe Zahl der Neuankömmlinge nicht bewältigen können, springen Kollegen aus anderen Bereichen ein. Das bedeutet auch: anderes Stockwerk. Die Ehrenamtlichen haben Mühe, alle Flüchtlinge im Blick zu behalten, damit keiner verloren geht. Im Sozialamt gibt es einen Krankenschein, damit die Flüchtlinge bei einer akuten Erkrankung zum Arzt gehen können, und eine Zuzahlungsbefreiung für die Apotheke. Hiller verteilt Klarsichthüllen, damit die Flüchtlinge die vielen Formulare noch beieinanderhalten können.

Nächste Station: Stadtkasse. Dort bekommen die Asylbewerber Geld für ihren Lebensunterhalt ausgezahlt. 325 Euro im Monat für einen Alleinstehenden. Letzte Anlaufstelle ist die Ausländerbehörde an der Kurt-Schumacher-Straße. Nach einem weiteren Stempel und knapp drei Stunden ist der Behörden-Marathon beendet.

Nächste Woche werden Hiller und die anderen Ehrenamtlichen wieder neue Flüchtlinge durch das Rathaus lotsen. Warum er das macht? „Weil die Leute Hilfe brauchen“, sagt der 61-jährige Sozialpädagoge, der lange in der Jugendhilfe gearbeitet hat. „So viel Dankbarkeit wie ich hier von den Flüchtlingen bekomme, habe ich da in 30 Jahren nicht erlebt.“

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