Menschen haben viel durchgemacht

Flüchtlinge auf der Marbachshöhe: Hinter jedem steckt ein Schicksal

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Sie leben in der Unterkunft auf der Marbachshöhe: (von links) Faris mit Baby Mustafa, Shadi und sein Sohn Mohammed.

Kassel. Der kleine Mohammed hat einen Wunsch. Er raunt einem Dolmetscher einige Worte zu, der ruft lachend: „Der Junge hätte gern ein Fahrrad.“

Mohammed, 11 Jahre alt und aus Syrien, ist einer von 160 Bewohnern der neuen Flüchtlingsunterkunft auf der Kasseler Marbachshöhe. Die HNA fasst die wichtigsten Punkte dazu zusammen:

DIE MENSCHEN 

Vor dem gelben Gebäude wuseln Kinder umher, dazwischen stehen Frauen mit Kopftüchern und Männer, die sich unterhalten. Einen Monat sei er jetzt in Deutschland, sagt Achmed aus Afghanistan. Er finde es gut, nun seit einem Tag in einem festen Gebäude zu sein, erklärt er mithilfe des Dolmetschers. Das sehen die meisten vor dem Haus genauso, aber es gibt auch kritische Stimmen: Im Zeltlager in Calden habe man als Familie ein Zelt für sich gehabt, hier sei man mit drei Familien auf einer Stube. Dennoch, die Stimmung wirkt entspannt, viele Menschen lächeln, ein RP-Mitarbeiter streichelt einem Jungen über den Kopf.

Und doch steckt hinter jedem Menchen hier ein Schicksal. Ein Syrer deutet auf seine linke Schulter, die Umstehenden formen mit den Fingern Pistolen. „Angeschossen im Kriegsgebiet“, übersetzt jemand. Und drinnen, da gebe es noch ein Ehepaar, das ein Kind im Krieg verloren habe, sagt der Dolmetscher leise.

DIE HERAUSFORDERUNG 

Die Aufnahme von Flüchtlingen sei für die Stadt Kassel eine Herausforderung, aber keine Überforderung: So brachte es Kämmerer Christian Geselle am Montag in einem Pressegespräch auf den Punkt. Die Stadt übernehme Verantwortung. Zum einen komme sie dem Hilfeersuchen des Regierungspräsidiums beim Einrichten von Erstaufnahme-Unterkünften nach. Dorthin verteilt das Land die Menschen direkt nach der Ankunft – so wie in der Landesfeuerwehrschule. Die Kosten dafür werden der Stadt erstattet. Auch das Gesundheitsamt ist mit im Boot bei der Untersuchung der Flüchtlinge. Damit die Stadt bei allen Entwicklungen zur Erstaufnahme auf dem Laufenden bleibt, ist ein Mitglied der Feuerwehr im Führungsstab des RP dabei. Und: Neben der Erstaufnahme in den Landes-Unterkünften gibt es ja auch noch die daran anschließende Unterbringung der Flüchtlinge. Die Stadt Kassel betreut fünf Großunterkünfte und 14 kleine Wohnheime in Kassel. Man habe auch noch genügend Plätze und wolle nicht auf Turnhallen oder Schulen zurückgreifen, sagte Geselle.

DIE WÜNSCHE 

Was die Menschen hier dringend brauchen, ist Kleidung für Kinder, sagt Übersetzer Mustapha Elarfaoui aus Gießen. Und Schuhe, ergänzt er und deutet nach unten. Neben ihm steht Faris auf dem regennassen Asphalt vor dem Haus – in Flipflops. Kleiderspenden für die Flüchtlinge in den Erstaufnahme-Unterkünften sollten hier abgegeben werden:
• DRK in Kassel, Königstor 24

• DRK Kassel-Land: Weddel 10, Fuldatal-Ihringshausen

Hintergrund: Info-Veranstaltung zu Flüchtlingen

Die Stadt Kassel bietet am Dienstag, 8. September, eine Informations-Veranstaltung zum Thema Flüchtlinge an, vor allem vor dem Hintergrund der neuesten Einrichtungen auf dem Gelände der Landesfeuerwehrschule und auf der Marbachshöhe. Beginn ist um 19 Uhr in der Aula der Heinrich-Schütz-Schule, Freiherr-vom-Stein-Straße 11.

Ihre Teilnahme geplant haben Stadtkämmerer Christian Geselle und Sozialamtsleiterin Ute Pähns, dazu soll auch aus dem Bereich Gesundheitsamt ein Vertreter dabei sein. Für das Regierungspräsidium werde entweder Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke oder einer seiner Dezernenten teilnehmen, hieß es von der Stadt Kassel am Montag. Es gehe darum, vor allem die Anwohner aus den umliegenden Stadtteilen zu informieren. 

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