Mit begrenzten Mitteln möglichst viel erreichen

Flüchtlingshilfe: Kirchengemeinden im Landkreis ganz vorne mit dabei

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Die Elmshagener Gemeinschaftsunterkunft Tannenhof gibt es seit Mitte des Jahres. Frisch und noch in der Entwicklung ist das Engagement der Kirche vor Ort mit Pfarrer Wolf-Benjamin Gittermann (Vierter von links, stehend). Sabine Walz (Zweite von links, stehend), Hannelore Urbanke-Siebert (Fünfte von links, stehend), Rosemarie Krause (Sechste von links, stehend) und Irmtraut Göbel (Dritte von links, sitzend) sind beim Unterstützerkreis Mitglied. Am Tannenhof haben sie sich mit den Flüchtlingsfamilien Selimovic aus Bosnien, Dalipovka aus Mazedonien und Likaj aus Albanien getroffen.

Kreis Kassel. Das Flüchtlingsdrama in Europa rüttelt die Menschen wach. Auch die Kirchen im Landkreis sind zunehmend gefordert. 

Inzwischen unterstützen sie Flüchtlinge, wo sie nur können. Das Engagement ist groß, viele Initiativen entstehen von ganz allein und direkt an der Basis- und das ohne großen materiellen und personellen Hintergrund.

Vor einem Monat hat der Papst die katholischen Kirchengemeinden dazu aufgerufen, sich helfend um die Flüchtlinge zu kümmern. Kurz darauf zog Martin Hein, der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, ebenfalls mit einem Hilfsaufruf nach. Tatsächlich sind im Landkreis die Kirchengemeinden bereits sehr rege. Selbst kleine Gemeinschaften leisten viel.

Hier drei Beispiele: 

Vellmar, katholische Heilig-Geist-Kirchengemeinde: Für die rund 2700 Gemeindemitglieder ist das Flüchtlingsthema eine völlig neue Herausforderung. Das Zeltlager in Calden mit 1000 Flüchtlingen liegt vor der Haustür, zudem gibt es die Unterkunft Rosengarten mit rund 40 Flüchtlingen. „Wir tun, was wir können“, sagt Gemeindereferentin Sandra Bohnenkamp. Freiwillige kümmerten sich bereits um Beschäftigungsangebote vor allem für Kinder im Zeltlager Calden. Deutschkurse seien in Zusammenarbeit mit der Johanniter-Unfall-Hilfe geplant. Für die Rosengarten-Flüchtlinge habe es jüngst mit dem ökumenischen Unterstützerkreis und dem örtlichen Kindergarten eine Spielzeugsammlung gegeben. „Nicht zuletzt plant Pfarrer Manuel Peters selbst, eine Familie aufzunehmen.“ 

Eschenstruth (Helsa), evangelische Kirchengemeinde: „Wir alle hier sind gut vernetzt“, sagt Pfarrerin Andrea Holler. Die Kirche, die Vereine, die Schule, der Kindergarten, die Gemeinde Helsa - alle arbeiteten Hand in Hand. Die Kirche mit 1500 Mitgliedern habe selbst einen Unterstützerkreis aufgebaut, der sich um 75 Flüchtlinge in der Unterkunft in Eschenstruth kümmere. Es gibt Sprachkurse mit Kinderbetreuung, einen Café-Treff im Gemeindehaus und ein großes Vernetzungsangebot mit den Vereinen. „Inzwischen haben wir eine enge Bindung zu den Flüchtlingen aufgebaut“, sagt Holler.

Rund 15 Gemeindemitglieder stellten den harten Kern des Unterstützerkreises dar. „Hinzu kommen Privatleute, die mit Sachspenden wie Lehrmaterial helfen und sogar Wohnraum bereitstellen. „Inzwischen haben wir zwei Jahre Erfahrung mit unseren Flüchtlingen“, sagt Holler. Es kämen sogar schon Pfarrerkollegen, um sich vor Ort zu informieren. 

Elmshagen (Schauenburg), evangelische Kirchengemeinde: „In Elmshagen gibt es eine große Hilfsbereitschaft“, sagt Pfarrer Wolf-Benjamin Gittermann. In Schauenburg habe sich bereits ein Unterstützerkreis mit 40 Personen gebildet, in dem ebenso Privatleute, Mitarbeiter der Gemeinde Schauenburg sowie Kirchenmitglieder mitwirken. „Wir als Kirche fangen jedoch erst langsam an“, sagt Gittermann. Der Unterstützerkreis habe schon Sprachkurse, Beschäftigungsangebote, Fahrdienste und Kleidersammlungen auf den Weg gebracht - für die 50 Flüchtlinge im Tannenhof.

Das sagt Harald Fischer (Dechant des Kath. Dekanats Kassel-Hofgeismar)

"Wir werden unser Engagement noch weiter verstärken", sagte Dechant Harald Fischer schon Anfang September nach dem Appell des Papstes, sich verstärkt um die Flüchtlinge zu kümmern. Gemeint war damit vor allem die Bereitstellung von kirchlichem Wohnraum für die Neuankömmlinge.

Doch will Fischer kirchliches Engagement nicht alleine darauf reduzieren. "Wichtig ist es, Beziehungen zu den Flüchtlingen aufzubauen." Erst dadurch entstünden echte Kontakte zu den Menschen. "Das lässt sich über Sprachkurse oder unmittelbare Hilfestellungen bewerkstelligen", sagt Fischer. "Die Kirchengemeinden wie auch die Caritas bieten hierzu viele Möglichkeiten an zum Beispiel die Hilfsbörse der Caritas."

Das sagt Carmen Jelinek (Dekanin des Ev. Dekanats Kaufungen)

"Die Unterstützung von Flüchtlingen liegt uns sehr am Herzen", sagt Dekanin Carmen Jelinek. Insofern komme der Aufruf des Bischofs, kirchliche Gebäude als Wohnraum für Flüchtlinge oder auch für weitere Zwecke der Flüchtlingsarbeit zur Verfügung zu stellen, gerade recht.

"In der Tat suchen wir laufend nach neuen Möglichkeiten", sagt Jelinek. Jüngstes Beispiel sei das alte Pfarrhaus in Niestetal, das aktuell neun unbegleitete Jugendliche beherberge. Aber auch die Begleitung der Flüchtlinge auf Ebene der einzelnen Kirchengemeinden spiele eine große Rolle. Hilfsangebote, Kollekten, Sprachkurse, Kleidersammlungen, Spendenaufrufe "das alles wird inzwischen direkt an der Basis in vorbildlicher Weise geleistet".

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