Minderjähriger Flüchtling darf seinen Betreuer nicht mehr besuchen

Hatten sich ihre Trennung so nicht vorgestellt: Liaquat A. (links) wohnte bei seinem Betreuer Bernd Beckenbauer. Bei einem Vorstellungstermin in der Jugendgruppe der Beiser Stiftung ließen ihn Einrichtungsleitung und Jugendamt nicht mehr gehen. Archivfoto : Hartung

Gieselwerder. Flüchtling Liaquat A. hat einige Zeit bei einem Betreuer in Gieselwerder gelebt. Seit klar ist, dass Liaquat minderjährig ist, darf er ihn nicht mehr besuchen.

Als Flüchtling Liaquat A. im November 2014 nach Deutschland kam, wurde er von den Behörden volljährig geschätzt - und seitdem auch als 18-Jähriger geführt. Doch der Vollwaise aus Pakistan ist laut eigener Aussage am 12. Juni 1998 geboren, also erst 17 Jahre alt. Das hat jetzt der Kreisausschuss des Landkreises Kassel nach einem Widerspruchsverfahren anerkannt.

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Für die Anerkennung seines wahren Alters hatten Liaquat und sein Betreuer Bernd Beckenbauer in den vergangenen Monaten gekämpft. „Wenn Liaquat volljährig wäre, bliebe er Hartz-IV-Empfänger“ sagt Beckenbauer. „Als 16-Jähriger wird er wie ein deutsches Kind in einer Jugendeinrichtung aufgenommen - und er kann als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling nicht abgeschoben werden.“

Doch mit der Berichtigung von Liaquats Alter hörten die Probleme für Beckenbauer und seinen Schützling, der bisher mit Zustimmung des Landkreises bei ihm in Gieselwerder wohnte, nicht auf. Laut Beckenbauer sollten er und Liaquat zu einem Vorstellungstermin in der Jugendgruppe der Beiser Stiftung in Niestetal kommen. Doch weder die Einrichtungsleitung noch die Vertreterin des Jugendamtes ließen Liaquat wieder gehen.

„Mir war klar,“ sagt Beckenbauer, „dass wir uns irgendwann räumlich trennen müssen, aber mit Rücksicht auf den Jungen nicht so abrupt. Zudem sind wir davon ausgegangen, dass ein Besuch seines bisherigen Zuhauses, zum Beispiel am Wochenende, möglich ist. Das wird ihm nun verwehrt und der Junge versteht rein gar nichts mehr.“ Außerdem habe Liaquat keine Möglichkeit gehabt, sich von Nachbarn und Freunden zu verabschieden und seine persönlichen Sachen habe er auch nicht dabeigehabt. „Die plötzliche Trennung ist auf keinen Fall zum Kindeswohl geschehen. Er wurde mir praktisch entrissen“, sagt Beckenbauer.

Beckenbauer versucht nun, die Vormundschaft für seinen Schützling zu bekommen. „Ich bin dazu gern bereit und auch bestens geeignet“, sagt er. „Auch wenn es sich nur um einen zehnmonatigen Zeitraum bis zur Volljährigkeit handelt, wird er danach weiterhin einen Lotsen brauchen, der ihn im Umgang mit den Behörden vertrauter macht und ihn in die Gesellschaft integriert,“ sagt Beckenbauer.

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