Günter Jäger ist einer von ihnen

Pensionierte Polizisten sollen sich um Flüchtlinge kümmern

Kümmert sich um die Belange von Flüchtlingen: Günter Jäger, Erster Polizeihauptkommissar a.D., ist Projektleiter in der Erstaufnahmeeinrichtung in der Landesfeuerwehrschule. Foto:  Schachtschneider

Kassel. Das Land hat über 100 pensionierte Polizisten aus dem Ruhestand zurückgeholt, damit sie sich um die Flüchtlinge in den Erstaufnahmeeinrichtungen kümmern. Wir stellen den Ersten Polizeihauptkommissar a.D. Günter Jäger vor, der Objektleiter in der Erstaufnahme in der Landesfeuerwehrschule ist.

Der 61-jährige Günter Jäger aus dem Landkreis Kassel musste nicht lange überlegen, als er vom Regierungspräsidium Gießen das Angebot bekam. Prompt sagte der Erste Polizeihauptkommissar außer Dienst zu, den Posten des Projektleiters in der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in der Landesfeuerwehrschule zu übernehmen. Seit Anfang September ist Jäger dort mit vier weiteren ehemaligen Pensionären für die gesamte Organisation und Kommunikation zuständig.

Zunächst sei es eine organisatorische Herausforderung gewesen, innerhalb weniger Stunden die Landesfeuerwehrschule für 280 Flüchtlinge herzurichten und die Kapazitäten ständig zu erweitern, sagt Jäger. Mittlerweile sind 500 Menschen in der Erstaufnahme an der Heinrich-Schütz-Allee untergebracht. Damit sei die Obergrenze erreicht.

Jäger und seine vier Mitstreiter, die alle einen befristeten Arbeitsvertrag haben, kümmern sich gemeinsam mit den Übersetzern um die Kommunikantion der Flüchtlinge mit den offiziellen Stellen wie der Zentralstelle der Erstaufnahme in Gießen, dem Jugendamt, der Landesfeuerwehrschule, den Zahlstellen oder dem Deutschen Roten Kreuz. Zwischen 7 und 19 Uhr, nach Bedarf aber auch länger, kümmern sich die Verwaltungsexperten um die Belange der Flüchtlinge. Die fragten unter anderem häufig, warum die Überleitung in eine Zweitaufnahmeeinrichtung mitunter so lange dauert.

Konfliktbewältigung gehöre auch zum täglichen Geschäft. Durch das dichte Zusammenleben und die kulturellen Unterschiede komme es immer wieder zu Auseinandersetzungen, sagt Jäger. „Es gibt Nationalitäten, die können sich nicht vertragen.“ Bei diesen Konflikten falle immer wieder der Begriff „Ehre“, oder eine Gruppe fühle sich benachteiligt, zum Beispiel bei der Kleiderausgabe. Um hier Konflikte zu vermeiden, erfolge die Kleiderausgabe jetzt nach Ausweisnummern. Damit werde verhindert, dass die jungen, starken Männer immer ganz vorne stehen.

Fruchtbare Gespräche

Wenn sich jemand auffällig benehme, dann werde mit ihm ein Gespräch geführt, sagt Jäger, von dem eine natürliche Autorität ausgeht. „Das ist sehr fruchtbar. Bislang mussten wir mit niemandem zwei Gespräche führen.“ Drei Mal habe er auch die Polizei gerufen, wegen Körperverletzung, Beleidigung und Bedrohung. „Das zieht.“ Man müsse den Menschen einfach die Regeln erklären.

Jäger ist überzeugt, dass Deutschland die politischen und finanziellen Möglichkeiten hat, den Flüchtlingen den Rahmen für ein Leben bereitzustellen. Die Frage sei nur, ob alle Asylsuchenden aufgrund der kulturellen Unterschiede auch in der Lage seien, das anzunehmen. Wenn das gelingt, würden alle davon profitieren.

Früher war Jäger im Führungsstab der Bereitschaftspolizei in Niederzwehren eingesetzt. „Da habe ich im Büro gearbeitet. Hier findet jetzt die Arbeit am Menschen statt“, sagt der 61-Jährige. „Das befriedigt mehr.“ Auch wenn man die Dankbarkeit der Menschen sehe.

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