Albaner kam eine Nacht ins Gewahrsam

Polizei in Caldener Zeltstadt: Zwei bis drei Einsätze pro Woche

Zeltstadt für Flüchtlinge: Das Camp auf dem alten Flughafen Calden aus der Luft. Foto: Lars Drangeid

Calden / Kassel. Die Polizei hat regelmäßig Einsätze, zwei bis drei pro Woche, in der Zeltstadt in Calden.

„Es gibt natürlich Konflikte, wenn viele Menschen sich ein Zelt teilen müssen“, sagt Polizeisprecher Torsten Werner. „Wir reden hier aber von kleineren Delikten wie zum Beispiel Diebstahl.“ In den meisten Fällen würde die gerufene Polizei als Vermittler auftreten. Dann gehe es darum, Streitigkeiten zwischen den Flüchtlingen zu schlichten.

Landsmann bedroht

Werner bestätigt auf Anfrage einen Vorfall vom Dienstag. Ein 24-jähriger Albaner habe einen Landsmann mit einer Aluschiene aus seinem Feldbett bedroht. Da der 24-Jährige bereits vermehrt durch Konflikte in der Erstaufnahmeeinrichtung aufgefallen sei, habe die Polizei ihn am Dienstag ins Gewahrsam mitgenommen. Das erfolgte nach einer richterlichen Anordnung.

Damit sei allerdings eine Gruppe Albaner nicht einverstanden gewesen, so Werner. Sie hätten einen Mitarbeiter der Security dafür verantwortlich gemacht, dass die Polizei den 24-Jährigen mitgenommen habe. Der Security-Mitarbeiter sei somit eine „Reizfigur“ für die Flüchtlinge geworden. Um den Mann zu schützen, hätten ihn die Beamten zunächst in einen Container geschickt und dann nach draußen begleitet. Der Albaner konnte das Gewahrsam mittlerweile wieder verlassen. In der Nacht zum Mittwoch habe der 24-Jährige über Schmerzen in der Brust geklagt. Er wurde daraufhin stationär im Hofgeismarer Krankenhaus aufgenommen. Gegen den Mann werde jetzt wegen versuchter Körperverletzung ermittelt, so Werner.

Wenige Strafanzeigen

Bislang habe es wenige Strafanzeigen innerhalb der Einrichtung gegeben, so der Polizeisprecher. „Wir reden von einem einstelligen Bereich wegen Diebstahls oder Körperverletzung.“

Auch am Montagabend sei die Polizei in die Einrichtung gerufen worden. Eine Hilfsorganisation aus Köln hatte Kleidung und andere Hilfsgüter in einem Lkw angeliefert. Bei der Ausgabe sei es zu einem Gerangel einer großen Menschenmenge um die besten Stücke gekommen, so Werner. Die Lage habe sich aber schnell wieder beruhigt, nachdem die Polizei eingetroffen und alle Flüchtlinge mit Kleidung versorgt gewesen wären.

Einblick in die Caldener Zeltstadt für Flüchtlinge

Werner weist einen Kritikpunkt zurück, dass die Polizisten kein Englisch sprechen könnten. Die Beamten seien alle durchaus in der Lage, sich auf Englisch zu verständigen. Allerdings würden sie in der Erstaufnahmeeinrichtung stets einen Dolmetscher hinzuziehen, weil die Flüchtlinge, sowohl die Albaner als auch die Syrier, sich nicht alle auf Englisch unterhalten könnten.

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