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100 000 Euro mehr fürs neue Besucherzentrum an der Edersee-Sperrmauer nötig

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Von: Matthias Schuldt

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Kostet nun 1,8 Millionen Euro: das neue Besucherzentrum an der Sperrmauer.
Kostet nun 1,8 Millionen Euro: das neue Besucherzentrum an der Sperrmauer. © Matthias Schuldt

Edertals Planungs- und Finanzausschuss haben fast einmütig einen weiteren Nachschlag über 100 000 Euro fürs neue Besucherzentrum auf dem Vorplatz der Edersee-Sperrmauer bewilligt.

Edertal – Einzig Holger Blume von WIR Edertaler stimmte dagegen. Allerdings war er nicht der einzige mit Nachfragen zu dieser „überplanmäßigen Ausgabe“, wie es im Verwaltungsdeutsch heißt. Die deutliche Mehrheit kam dennoch zustande, weil Edertals Bauamtsleiter Alexander Paul versicherte, das Projekt auf dem Sperrmauervorplatz am Edersee lasse sich mit den nunmehr 1,8 Millionen Euro sicher zu Ende führen. Alle Ausschreibungen seien abgeschlossen und keine zusätzlichen gravierenden Preiserhöhungen in den Schlussrechnungen zu erwarten.

Paul benannte mehrere Ursachen für die gestiegenen Kosten. So benötige die aufwendige Multimedia-Schau zur Geschichte der Edersee-Sperrmauer im Untergeschoss leistungsstärkere Beamer-Projektoren. Ursprünglich nicht geplante Trennwände müssten eingezogen werden. Nur dann sei es dunkel genug für die Vorführungen im Souterrain und nur dann sei ausgeschlossen, dass Töne und Musik zu den Bildern die Beratungsgespräche der Edersee -Marketing in den Info-Räumen im Erdgeschoss störe. Ursprünglich war eine offenere Bauweise vorgesehen, die beide Geschosse mittig durch einen von oben nach unten durchgehenden, lichtdurchfluteten Schacht miteinander verbunden hätte.

Keine verstaubten Exponate, sondern Multimedia-Schau zur Geschichte des Edersees

Markus Jungermann (SPD) als Vorsitzender des Planungsausschusses und von Beruf Architekt verteidigte das Vorgehen und die Mehrkosten: „Wir haben es nicht mit Info-Tafeln oder verstaubten Exponaten zu tun, sondern mit einer modernen Multi-Media-Schau, mit der wir gerade das jüngere Publikum ansprechen wollen.“ Zu Beginn der Planungen vor vier Jahren sei diese Darstellung der Geschichte des Edersees und der Sperrmauer so nicht festgezurrt und darum nicht abzusehen gewesen. Das ließ Holger Blume nicht gelten und verwies auf Exkursionen des Ältestenrates zu Vorbild-Multimedia-Installationen. „Wie soll das Edersee-Marketing im Erdgeschoss in Ruhe beraten, wenn unten gerade die Bomben an der Sperrmauer 1943 detonieren? Das fragten wir schon bei dem Ausflug.“ Er bewerte die jetzigen Mehrkosten für Trennwände daher als Resultat von Planungsfehlern.

Alexandra Knöfel (FDP) und Jörg Köhler (Freie Wähler) fragten nach anderen Möglichkeiten, die Mehrkosten zu drücken. Sie hoben auf die Kombination aus Toilettenangebot und Kassensystem ab, das Paul als weitere Ursache für den Nachschlag benannte. „Wenn Sie dort sparen wollen, müssten Sie den Eintritt frei geben“, erläuterte er.

Zutritt zur öffentlichen Toilette im neuen Besucherzentrum am Edersee kostenpflichtig

Das Besondere: Im Untergeschoss liegt nicht nur der Multimedia-Raumj zur Geschichte des Edersees und der Sperrmauer, sondern befinden sich auch die öffentlichen Toiletten, von außen zugänglich auch für Touristen, die weder das Ederseemarketing noch die Multimedia-Schau zur Geschichte des Edersees und der Sperrmauer besuchen wollen. Zutritt haben sie allerdings nur über Drehkreuze und Bezahlpflicht per Münze oder Karte. Wie an Autobahnraststätten erhalten diese Gäste einen Wertcoupon, den sie anrechnen lassen können, falls sie sich später doch noch für die Multimedia-Schau zur Geschichte des Edersees und der Sperrmauer oder einen Souvenirkauf im Shop des Edersee Marketing entscheiden.

Übrigens: Die Gäste des Besucherzentrums können während deren Öffnungszeiten bei der Marketinggesellschaft im Erdgeschoss gratis das dortige Kunden-WC nutzen. (Matthias Schuldt)

Die Mehrkosten muss die Gemeinde Edertal in einer angespannten Finanzsituation tragen.

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