HNA-Serie „Faszination Oldtimer“

Jens Grebe aus Sachsenberg fährt einen seltenen Opel Ascona 400

Dynamisch: Der Sachsenberger Jens Grebe besitzt ein seltenes Auto: einen Opel Ascona 400, von dem nur 265 Exemplare gebaut wurden.
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Dynamisch: Der Sachsenberger Jens Grebe besitzt ein seltenes Auto: einen Opel Ascona 400, von dem nur 265 Exemplare gebaut wurden.

Das Thema Mobilität begeistert viele Menschen. Aber dazu zählen nicht nur moderne Fahrzeuge. Eine große Faszination üben zunehmend Oldtimer aus, auch in unserer Region. In der HNA-Serie „Faszination Oldtimer“ stellen wir Besitzer mit ihren betagten, aber charmanten Fahrzeugen vor.

Sachsenberg – Es gibt Momente, in denen bildet sich für Menschen wie aus heiterem Himmel das Interesse an einer Sache. Dies dann für ein ganzes Leben. Beispielsweise die Liebe für einen Fußballverein, für eine Musikgruppe – oder für eine Automarke. In diesem Fall für Opel Ascona.

Für diese Mittelklasse-Baureihe schwärmt Jens Grebe bereits seit jungen Jahren. „Mit 20 habe ich einen Ascona B von einem Onkel geschenkt bekommen“, erinnert sich der Sachsenberger. Das war 1989. Farbe des Wagens: grün. Grebe hegte und pflegte das Geschenk, es wurde mehrfach restauriert. Auch ein neuer Lack wurde aufgetragen: Aubergine.

„Ich wollte dieses Auto nie verkaufen, denn es war damals das Fahrzeug für mich“, schildert Grebe. Jahrelang waren er und sein Ascona B unzertrennlich – bis das Schicksal in Form eines Opel Ascona 400 zuschlug. Hierbei handelte es sich um eine Sonderedition. Es wurden nur 265 Exemplare gebaut.

Ab August 1979 gab es anlässlich der Rallye-Erfolge von Opel diese besondere Sportausführung. Und dann gewann mit einem solchen Opel Ascona 400 der Regensburger Rallyefahrer Walter Röhrl 1982 die Rallye-Weltmeisterschaft. Da bereits war es um den jungen Jens Grebe geschehen: „Ich war fasziniert. Einen solchen Wagen wollte ich unbedingt irgendwann einmal haben.“

Stilecht: Zeitmesser am Armaturenbrett dürfen in einem Auto nicht fehlen, das Opel anlässlich der Rallye-Erfolge ab August 1979 produzierte.

Einfach war dies nicht. Eigentlich fast unmöglich. Denn bei einer derart geringen Stückzahl von 265 Exemplaren waren Angebote fast nicht vorhanden. Wer einen Opel Ascona 400 hat, gibt ihn eigentlich nicht mehr her. Ein langer Atem war gefragt. Und viel Geduld.

Der Sachsenberger hatte beides: Im Jahr 2014 wurde er tatsächlich in Wuppertal fündig. Dort erstand er dieses „ganz besondere Auto“. Allerdings musste Jens Grebe eine folgenreiche Entscheidung fällen: „Schweren Herzens habe ich meinen Ascona B nach Bayern verkauft, um den 400er erwerben zu können. Aber eine derart total seltene Gelegenheit musste ich unbedingt nutzen.“

Dies hat er bis heute nicht bereut. Der inzwischen 51-Jährige lobt die „tollen Fahreigenschaften“ des weißen 230-PS-Renners. Farblich abgesetzte Applikationen auf und an dem Wagen unterstreichen dessen Dynamik. Der Motor mit 2,4 Litern und 16 Ventilen liefert satte Leistung. Mit Tempo 220 könnte der Sportwagen über den Asphalt sausen, „aber das habe ich noch nie ausprobiert“. Im Gegenteil: Grebe packt seinen Ascona 400 quasi lieber in Watte: „Viele halten mich für verrückt, aber ich stehe dazu. Wer ein solch seltenes Auto hat, behandelt es auch entsprechend rücksichtsvoll“, betont er.

Piloten-Duo: Mit seinem Neffen Felix Winkler als Beifahrer nimmt Jens Grebe an Ausfahrten teil.

Der 51-Jährige nimmt seit Jahren mit seinem automobilen Liebling dennoch an Ausfahrten in der Region und in Hessen teil (Insofern sie in diesem Jahr überhaupt stattfinden konnten – durch Corona fast unmöglich).

Mit dabei ist sein 22-jähriger Neffe Felix Winkler als Beifahrer. Auch wenn das Team Grebe/Winkler dabei tempomäßig vergleichsweise zurückhaltend unterwegs ist, wird auf Rallye-Accessoires nicht verzichtet: Die Namen der beiden Piloten und die bundesdeutschen Farben prangen aufgeklebt an der colorverglasten Fensterscheibe, im Innern befinden sich am Armaturenbrett Zeitmesser. Da kommt schnell das Gefühl auf, an einer echten Rallye teilzunehmen – nur halt etwas gezügelter, aber immerhin stilecht.

Der Regensburger Rallyefahrer Walter Röhrl hatte Jens Grebe im Jahr 1982 mit seinem Sieg bei der Rallye-Weltmeisterschaft mit dem Opel-Ascona-400-Virus infiziert. 30 Jahre später sah der Sachsenberger den „Langen“, wie für den Champion ein häufig verwendeter Spitzname lautet, persönlich: Im Juni 2012 besuchte die Rennfahrer-Legende das Porsche-Treffen in Frankenau. Der damals 65-jährige Ex-Weltmeister gab dabei viele Autogramme und ließ sich von Besuchern fotografieren.

Jens Grebe war auch dort, hielt sich allerdings im Hintergrund: „Ich wollte mich nicht aufdrängen. Dass ich aber Walter Röhrl einmal in Natura sehen konnte, war für mich große Klasse. Dies werde ich nie vergessen.“

Von Klaus Jungheim

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