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240 Millionen für den Alltagsradverkehr in Waldeck-Frankenberg

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Von: Philipp Daum

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Helm auf dem Kopf und Mama an der Seite: Für die Verbesserung des Alltagsradverkehrs in Waldeck-Frankenberg wurde im Kreistag ein Konzept beschlossen, dass in den kommenden Jahren nach und nach umgesetzt werden soll.
Helm auf dem Kopf und Mama an der Seite: Für die Verbesserung des Alltagsradverkehrs in Waldeck-Frankenberg wurde im Kreistag ein Konzept beschlossen, dass in den kommenden Jahren nach und nach umgesetzt werden soll. ©  Friso Gentsch/dpa

Dem Radfahren in Waldeck-Frankenberg wird ab sofort eine noch stärkere Bedeutung beigemessen. Der Kreistag verabschiedete in seiner Sitzung einstimmig das Radwegekonzept für den Alltagsradverkehr im Landkreis.

Darin wurden 463 Maßnahmen festgelegt, die in den kommenden Jahren zur Verbesserung des Radwegenetzes umgesetzt werden sollen.

141 Vorhaben sind von hoher, 248 von mittlerer und 74 von untergeordneter Priorität.

Die Maßnahmen reichen von punktuellen Ausbesserungen der Fahrbahnoberflächen über Wegeverbreiterungen bis hin zum Neubau von ganzen Radwegeabschnitten. Vorgesehen sind auch weitere Markierungen und Beschilderungen, da im Zuge der Konzepterstellung auch Netzlücken und Gefahrenstellen ermittelt wurden.

In dem Alltagsradwegekonzept wurde auch eine erste Kostenschätzung in Höhe von 240 Millionen Euro vorgenommen. Je nach Zuständigkeit sollen die einzelnen Maßnahmen von den Städten und Gemeinden, dem Landkreis, dem Land Hessen oder dem Bund finanziert und umgesetzt werden. Das meiste Geld – rund 237 Millionen Euro – soll in Projekte zum Neubau von Radwegen fließen. Vorgesehen ist, dass für Vorhaben an Bundesstraßen 36,7 Millionen Euro, an Landesstraßen 102,3 Millionen Euro, an Kreisstraßen 71,3 Millionen Euro und an Gemeindestraßen 26,8 Millionen Euro ausgegeben werden. Die restlichen drei Millionen Euro sind für neue Beschilderungen und die Entfernung von Hindernissen sowie für Markierungen, Oberflächenerneuerungen, Querungen und Wegeverbreiterungen eingeplant.

Im Zuge der Erarbeitung des Alltagsradwegekonzeptes wurde auch die Edersee-Region genauer unter die Lupe genommen – insbesondere geht es dort um eine Verbesserung des touristischen Radverkehrs. Mit Hilfe des so genannten „Sonderverkehrskonzeptes Edersee“ wurden sämtliche Konzepte und Projekte skizziert, die nun Eingang finden in die politische Diskussion in den Anrainerkommunen.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Alltagsradwegekonzeptes ist eine Bike&Ride-Analyse für die Bahnhöfe des Landkreises. Bei diesem Ansatz werden Fahrradabstellmöglichkeiten in der Nähe von Haltestellen des öffentlichen Verkehrs bereitgestellt, um den Umstieg auf den öffentlichen Verkehr zu ermöglichen und so den motorisierten Individualverkehr zu verringern. » SEITE 2

Brücken, Radwege und Schilder

Fast 70 Seiten lang ist das Radwegekonzept für den Alltagsradverkehr im Landkreis Waldeck-Frankenberg. Detailliert sind hier die geplanten 463 Maßnahmen nach Prioritäten aufgeführt. Die Kosten dafür liegen pro Vorhaben zwischen 25 Euro – beispielsweise für eine Ergänzung zu einem Schild – und fünf Millionen Euro. Auf mehreren Karten wird beschrieben, wo genau sich die größeren Baumaßnahmen befinden. Außerdem wird bei der jeweiligen Umsetzungszeit unterschieden in kurzfristig, mittelfristig und langfristig.

Was dies konkret bedeutet, erläuterte Luise Schmidt auf Anfrage unserer Zeitung. Die Umweltingenieurin ist Gesellschafterin des Kasseler Planungsbüros „Cooperative – Infrastruktur und Umwelt“, welches das Alltagsradwegekonzept erstellt hat. „Wir haben den zuständigen Baulastträgern empfohlen, alle Maßnahmen im Landkreis Waldeck-Frankenberg innerhalb von zehn Jahren umzusetzen. Kurzfristig heißt hierbei, dass das jeweilige Vorhaben innerhalb eines Zeitraums von zwei Jahren abgeschlossen ist. Bei mittelfristig sprechen wir von fünf, bei langfristig von maximal zehn Jahren.“

So ist zum Beispiel in Frankenberg der Neubau einer 200 Meter langen Fußgänger- und Radfahrerbrücke über die Eder geplant. Das mit hoher Priorität versehene Projekt sollte nach Empfehlung des Planungsbüros kurzfristig umgesetzt werden. Hierfür werden Kosten in Höhe von 4,5 Millionen Euro veranschlagt. Ebenso schnell sollte auch der Neubau eines 1,3 Kilometer langen Radweges in der Rauchstraße in Bad Arolsen verwirklicht werden. Die Kosten liegen bei rund 1,06 Millionen Euro. Ein anderes Beispiel: In der Gemeinde Diemelsee empfiehlt das Planungsbüro die kurzfristige Umsetzung einer 2,6 Kilometer langen Fahrradstraße an der Kreisstraße 73. Die veranschlagten Kosten liegen bei 135 000 Euro.

Zu Vorhaben, die laut Planungsbüro innerhalb von fünf bis zehn Jahren in Waldeck-Frankenberg abgeschlossen sein sollten, gehören vornehmlich gemeinsame Fuß- und Radwege. Als eine mittelfristig umzusetzende Groß-Baumaßnahme wird unter anderem ein Radweg anstelle von Standstreifen genannt, der auf der Landesstraße 3393 zwischen Willingen und dem Diemelsee entstehen soll. Die Kosten für die 4,6 Kilometer lange Trasse werden mit 3,74 Millionen Euro beziffert.

In Hatzfeld soll nach Empfehlung des Planungsbüros mittelfristig eine 100 Meter lange Fußgänger- und Radfahrerbrücke über die Eder errichtet werden. 4,5 Millionen Euro müssten hierfür nach derzeitigen Berechnungen ausgegeben werden.

Zu den größeren, langfristigen Maßnahmen gehört unter anderem der Neubau eines gemeinsamen Fuß- und Radweges an der Bundesstraße 253 in Haina. Für die 5,3 Kilometer lange Trasse sind 4,31 Millionen Euro veranschlagt. Auch der Neubau eines 6,1 Kilometer langen, gemeinsamen Fuß- und Radwegs an der Landesstraße 3073 (Ruhrstraße) in Frankenberg schlägt das Planungsbüro vor. Die Kosten liegen bei rund fünf Millionen Euro. Zwischen Bömighausen und Eppe soll auf der Landesstraße 3437 ebenfalls ein gemeinsamer Fuß- und Radweg entstehen. Für den 1,3 Kilometer langen Weg werden rund 1,06 Millionen Euro als Kostenrahmen genannt.

Zu den kleineren Maßnahmen gehören die Entfernung von Pollern, die Anbringung weiterer Zusatzzeichen „Radfahrer frei“, die Erneuerung von Verkehrszeichen für gemeinsamen Geh- und Radweg oder die Freigabe von Privatwegen für Fahrradfahrer

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