Festival vom 12. bis 16. Mai 2021

35. Arolser Barock-Festspiele nach Corona-Absage im zweiten Anlauf

Das Ensemble Accademia del Piacere aus Spanien spielt zur Eröffnung der Barockfestspiele.
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Das Ensemble Accademia del Piacere aus Spanien spielt zur Eröffnung der Barockfestspiele.

Im zweiten Anlauf wird es hoffentlich klappen: Die 35. Arolser Barock-Festspiele sollen nach der Absage im Frühjahr nun vom 12. bis 16. Mai 2021 unter dem gleichen Motto „Beziehungs-Weisen“ stattfinden.

Bad Arolsen – Intendantin Prof. Dorothee Oberlinger stellte das Programm hoffnungsvoll im Rathaus der Barockstadt vor, das zum größten Teil von den bereits für 2020 verpflichteten Künstlern und weiteren Musikerkollegen aus Deutschland, Spanien und den Niederlanden gestaltet wird.

Alte Musik und neue Stilrichtungen

Freuen dürfen sich die Zuhörer und Zuschauer auf ein hochkarätiges Programm , bei dem Alte Musik diesmal auch mit Stilrichtungen des 20. Jahrhunderts kontrastiert wird.

Programm, Auswahl der Spielstätten und Kartenvorverkauf sind auf alle Eventualitäten und auf die Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie eingestellt, so wird erstmals die Stadthalle Mengeringhausen für den Auftakt des Festivals genutzt.

Sponsoren unterstützen Barockfest

Bürgermeister Jürgen van der Horst: „Die Fan-Gemeinde will wissen, wie es weitergeht. Das können wir nun nach den Erfahrungen mit veränderten Konzert-Konzepten unter Pandemie-Bedingungen zeigen.“ Er hob hervor, dass sowohl die Sponsoren als auch die Musikfreunde den Arolser Barock-Festspielen die Treue halten.

Bis auf wenige Ausnahmen kann das Programm wie für 2020 geplant, das sich in sechs Festivalkonzerten um ein Kaleidoskop barocker Komponistenfreundschaften, Klangvorbilder und stilistischer Verbindungen dreht, nachgeholt werden.

Einflüsse auf Künstler

Dazu erklärt die künstlerische Leiterin Prof. Dorothee Oberlinger: „Musik entsteht nicht im luftleeren Raum. Komponisten erschufen ihre Musik nie aus dem Nichts oder einzig aus einer großen singulären Begabung – auch sie selbst waren beeinflusst von starken Vorbildern, Kollegen, Freunden oder von ihrer musikalischen Familie.“

Internationale Spitzenensembles sowie Solistinnen und Solisten machen in eigener künstlerischer Handschrift vielerlei Facetten eben jener „Beziehungs-Weisen“ hörbar.

Dramatischer Auftakt

Der dramatische Auftakt des Festivals am 12. Mai wird vom spanischen Ensemble Accademia del Piacere und der katalanischen Sopranistin Nuria Rial mit dem Programm „Stirb, Cupido“ in der Stadthalle gefeiert – ein emotionales Gemälde barocker Opern und Zarzuelas von Sebastián Durón, der die innovativen Ideen aus Italien mit den Musiktraditionen seines Landes verschmolz.

Der Himmelfahrtstag beginnt am 13. Mai mit dem Star-Bratschisten Nils Mönkemeyer in einem experimentellen Programm über die Musik Johann Sebastian Bachs zusammen mit dem Lautenisten Andreas Arend. Dabei verblüffen die Musiker mit Anleihen des Jazz-Saxophonisten John Coltrane oder des Rockgitarristen Jimi Hendrix.

Stars der Alte Musik-Szene

Am Nachmittag sind zum ersten Mal zwei befreundete Stars der Alte Musik-Szene, der Engländer Nigel North (Laute) und der Niederländer Han Tol (Flöte), zusammen auf der Bühne zu erleben. Das traditionsreiche Abendkonzert des Himmelfahrtstages gestaltet Dirigent und Telemann-Preisträger Hermann Max mit dem

farbenprächtig besetzten Originalklangensemble „Das Kleine Konzert“ und den Gesangssolisten Veronika Winter (Sopran) und Matthias Vieweg (Bariton) mit Kantaten und Sinfonien der Blumenfreunde Händel und Telemann.

Abschlusskonzert

Am Freitagabend, 14. Mai, trifft die junge Sopranistin Anna Herbst in ihrem Programm die frühbarocke Komponistin Barbara Strozzi und erzählt von ihren Beziehungen zu Monteverdi und ihrem Vater und Librettisten Giulio Strozzi. Sie zählt zu den ersten weiblichen Opernkomponisten.

Im Abschlusskonzert am Samstag, 15. Mai ,stellt Dorothee Oberlinger ihr neues Programm „Arie Napoletane“ mit ihrem Ensemble 1700 und dem befreundeten Countertenor und Mozarteumskollege Andreas Scholl vor. Darin wird die ehemals von spanischer Herrschaft geprägte Stadt Neapel in den Blickpunkt gerückt, die seinerzeit die wichtigste Musikstadt Europas war.

Alle Konzert zweimal

Das für 2020 geplante Konzert mit dem Ensemble „Eurowinds“, bei dem neben Oberlinger Michael Oman und Maurice Steger Blockflöten spielen, kann nicht realisiert werden.

Alle Konzerte sollen einstündig ohne Pause je zwei Mal präsentiert werden, um stark verkleinerte Saalkapazitäten auffangen zu können. Als Spielstätte hat die Stadthalle Mengeringhausen Premiere, die mit 160 Plätzen im Rahmen eines Hygienekonzeptes im Umkreis über die größte Kapazität verfügt.

Hygienekonzepte umsetzen

Die Fürstliche Reitbahn wird mit rund 80 Plätzen im Rahmen des Hygienekonzeptes Schauplatz für kleiner besetzte Programme sein.

Die Konzerte des musikalischen Hauptprogramms werden durch ein Rahmenprogramm mit Kabarett sowie Führungen durch das Christian Daniel Rauch-Museum, die Ausstellung im Residenzschloss sowie die Bibliothek Brehm und die Fürstlich Waldecksche Hofbibliothek ergänzt.

Frieda Braun mit Comedy

Die Stadtführungen von der Gilde 1719 werden das Rahmenprogramm zusätzlich bereichern. Der Eröffnungsfestakt der Barock-Festspiele am Mittwoch, 20. Mai, wird durch das Parforcehorn-Bläsercorps Vöhl/Edersee auf dem Hof des Residenzschlosses musikalisch umrahmt.

Bei der Nachtschwärmer-Veranstaltung präsentiert Frieda Braun ihr 9. Soloprogramm „Erst mal durchatmen“. Die beliebte Sauerländerin bringt frisch Erlebtes und frei Erfundenes auf die Bühne. Am Samstagnachmittag spielt das Waldeckische Salonorchester Cappuccino im Garten des Welcome Hotels bei „Café und Musik“ auf.

Hunger auf Kultur

„Die Menschen hungern nach Konzerterlebnissen mit der typischen Atmosphäre und Begegnungen, die es in diesem Jahr nicht gab“, beschreibt Oberlinger die Erwartungshaltung der Kulturfreunde.

Sehr viel dramatischer stellt sich die Situation insbesondere der freien Künstler und Soloselbstständigen dar: „Für viele bricht die Lebensgrundlage weg, die staatlichen Förderungen können die Verluste nicht auffangen. Das ist schon dramatisch“, so Oberlinger.

Erst Gutscheine statt Karten

Das Budget der Barock-Festspiele beträgt 140 000 Euro, von denen die Stadt einen Eigenanteil von 55 000 Euro aufbringt. „Das ist ähnlich wie die Weihnachtsbeleuchtung Teil des Stadtmarketings“, so Bürgermeister van der Horst. Zudem darf die Stadt auf treue Sponsoren bei der Finanzierung setzen.

Da der Kartenvorverkauf für die Festspiele erst im Februar/März 2021 starten kann, möchte der Touristikservice Bad Arolsen Besuchern - rechtzeitig vor Weihnachten - die Möglichkeit geben, zum Verschenken einen Gutschein zu erwerben. Dieser ist bis zur Festspieledition 2022 gültig und kann mit einer Kartenbuchung online im Ticketshop unter www.adticket.de oder im Kartenbüro verrechnet werden.

Touristik-Service

Beim Touristik-Service im Bürgerhaus an der Rathausstraße gibt es die Gutscheine. Es ist montags bis donnerstags von 9.30 bis 17 Uhr und freitags zwischen 9.30 und 12.30 Uhr geöffnet.

Telefonisch sind die Mitarbeitenden erreichbar unter 056691/801233, E-Mail: barockfestspiele@bad-arolsen.de, Aktuelle Informationen gibt es auf der Homepage www.arolser-barockfestspiele.de. (Von Armin Haß)

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