„Weniger Plastik ist möglich“

40 Tage Plastikfasten in Korbach: Teilnehmer ziehen Bilanz

Plastik sparen ist möglich: Mit ein paar alten Tricks aus diversen Plastikfrei-Ratgebern kann der Alltag aber wieder nachhaltiger gestaltet werden.
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Plastik sparen ist möglich: Mit ein paar alten Tricks aus diversen Plastikfrei-Ratgebern kann der Alltag aber wieder nachhaltiger gestaltet werden.

40 Tage ohne Plastik: Ein gutes Dutzend Teilnehmer hat bei der Plastikfasten-Aktion der Korbacher Plastikfrei-Initiative mitgemacht. Das Ziel: Den Plastikverbrauch im Alltag zu verringern.

Korbach – Bis Ostern hat sich die Gruppe regelmäßig wöchentlich zu einer Fastenrunde mit Tipps und Austauschmöglichkeiten pandemiebedingt online getroffen. „Durch die Fastenzeit habe ich mich intensiver mit dem Thema befasst“, sagt Teilnehmerin Susanne Koswig. „Ich habe mich auch vorher schon damit auseinandergesetzt“, sagt die Korbacherin. In den 40 Tagen sei ihr noch einmal mehr bewusst geworden, dass eine Plastikreduzierung dringend nötig sei. „Aber damit ist auch das schlechte Gewissen größer geworden, wenn ich trotzdem Essen in Plastik eingekauft habe.“

Während des Fastens hat Koswig einiges ausprobiert, unter anderem im Unverpackt-Laden in Kassel eingekauft. „Das ist eine interessante Erfahrung: Man füllt die Lebensmittel in mitgebrachte Gefäße selber ab, die dann an der Kasse nur noch abgewogen werden. Der Zeitaufwand wird durch das Einkaufserlebnis wettgemacht.“ Sie bedauert, dass es in Korbach leider keine Möglichkeit gibt plastikvermeidend einzukaufen. „Schön wäre, wenn es in einem der Einkaufsläden eine Abfüllstation gäbe, wie es in anderen Supermärkten auch schon welche gibt.“

Für die Fastenzeit hatte Susanne Koswig sich vorgenommen, mehr Haushaltsreiniger selbst herzustellen. Damit ist sie nach eigener Auskunft auch sehr zufrieden. Und bei manchem Einkauf hat sie jetzt auch tatsächlich weniger Plastik im Einkaufswagen. „Mir ist aber deutlich geworden, dass nicht die Verbraucherebene, sondern viel, viel stärker die Politik gefragt ist. Es müssen Vorgaben, Anreize, Gesetze oder Verteuerungen kommen, um Plastik zu bannen.“

Kerstin Lehmann, die auch an der Fastengruppe teilgenommen hat, zieht ebenfalls eine positive Bilanz:„Für mich war der Austausch bei den Treffen sehr interessant und auch lehrreich. Alleine kommt man häufig gar nicht erst auf die beste Idee, probiert vieles aus; bei den Treffen bekommt man das Gefühl, dass man doch nicht so allein dasteht und dass man gemeinsam was erreichen kann.“ 

Auch nach der Fastenzeit macht die Plastikfrei-Initiative weiter mit Aktionen und Treffen. Interessierte können sich auf der Homepage über die nächsten Veranstaltungen informieren.

Korbacher Plastikfrei-Initiative gibt es seit Sommer 2020

Im vergangenen Sommer haben Yvonne Kappelmann und Miriam Interthal die Korbacher Plastikfrei-Initiative gegründet. Gemeinsam mit vielen wollen sie das Bewusstsein dafür verändern, dass jede und jeder etwas gegen die Plastikvermüllung tun kann. Beide wollen vermitteln, dass Plastiksparen Spaß machen kann. Mit der Initiative wollen sie dies fördern und laden zu Mitmachaktionen und Informationsveranstaltungen ein.

Verzicht auf Plastik bedeutet vielfach kreativ zu werden, selbst etwas herzustellen oder auch das Wissen von früher wieder hervorzuholen. Aber auch eine Portion Offenheit ist nötig „Wenn ich mir für den Einkauf vornehme, dass ich kein in Plastik eingeschweißtes Gemüse mitnehme, wird es auch für mich eine Überraschung, was es dann zum Mittagessen gibt. Klar erfordert es da auch ein bisschen Flexibilität“, sagt Miriam Interthal.

Yvonne Kappelmann hat sich zum Ziel gesetzt, ihr Büro nur noch mit plastikfreien Einrichtungs- und Verbrauchsgegenständen einzurichten. „Da gibt es tolle Sachen. Kugelschreiber aus Holz oder Pappe. Die liebe ich.“

Tipps zur Plastikvermeidung haben beide viele. Ob im Haushalt oder für unterwegs, im Badezimmer oder im Büro: überall lässt sich mit einfachen Mitteln der eigene Plastikverbrauch reduzieren.

Tipps: So lässt sich Plastik leicht vermeiden

  • Aufbewahren lässt sich vieles in Schraubgläsern. Auch Bienenwachstücher ersetzen Frischhaltefolie oder Plastikschalen. Alte Stoffreste können zugeschnitten als Ersatz für Putzlappen oder auch Küchenrolle genutzt werden.
  • Haushaltsreiniger aus Essig, Soda und Zitronensäure können die meisten Putzmittel ersetzen. Essig gibt es in der Glasflasche und Zitronensäure als Pulver. Essig und Zitronensäure lösen Kalk zum Beispiel im Wasserkocher, Bügeleisen oder in der Kaffeemaschine. Auch Wasserhähne und Duschköpfe können mit Zitronensäure von Kalkrückständen befreit, eingebrannte Pfannen und Töpfe gereinigt werden. Sogar Weichspüler für die weiße Wäsche lässt sich mit 5 Esslöffeln Zitronensäure auf den Liter Wasser selbst herstellen. Einfach 50 Milliliter mit ins Weichspülerfach geben. Wer mag, kann auch ein paar Tropfen eines ätherischen Lieblings-Öls beimischen. Essig-Essenz muss vorher immer verdünnt werden, da es sonst das Material angreifen könnte.
    Soda, oder Waschsoda, kann als Putz-, Spül- und Waschmittel genutzt werden. Es löst Fettreste von Töpfen oder eingebrannten Backblechen, reinigt verstopfte Abflüsse oder Fettflecken aus der Kleidung. Doch Vorsicht: Soda ist ätzend! Haut und Schleimhäute sollten immer vor Spritzern und Dämpfen geschützt werden.
  • Ein Badreiniger lässt sich zum Beispiel selbst herstellen aus 400 Milliliter Wasser, 3 Esslöffeln Essig-Essenz, 2 Esslöffeln Zitronensäurepulver und einem Tropfen Spülmitteln. Das kann dann selbst abgefüllt werden in eine leere Sprühflasche.
  • Beim Einkauf kann darauf geachtet werden, Mehrwegglasflaschen statt PET-Flaschen oder Verbundverpackungen zu nehmen. Beim Kauf von Obst und Gemüse lose Ware zu bevorzugen. Viele Produkte gibt es auch in der Papp- statt in der Plastikverpackung.
  • Kleidung aus Kunstfasern, wie Polyester oder Elastan, können in einem Waschsack gewaschen werden. So wird der Eintrag von Mikroplastik ins Abwasser verringert. Generell ist es hier besser Flecken mit der Hand auszuwaschen und Kleidung öfter auszulüften. Die Waschmaschine immer gut befüllen; das verhindert Reibung und damit auch das Auswaschen der Kunststofffasern.
  • Fürs Badezimmer gibt es mittlerweile Haarseifen oder festes Shampoo, das auch ohne die Plastikverpackung auskommt. Auch Zahnpasta gibt es in Form von Tabletten, die ohne eine Plastiktube oder gar Mikroplastik in der Rezeptur hergestellt werden.
  • Fürs Büro gibt es Kugelschreiber aus Holz oder Pappe. Büroausstattung wie Mülleimer gibt es aus Materialien wie Weidengeflecht oder Metall.
  • Für unterwegs können Sie eigenes Besteck oder eine eigene Edelstahldose mitnehmen. Beim Außer-Haus-Essen ersetzt dies die Einmalverpackung aus Restaurants, Bistros und Cafés.
  • Für Babys und Kinder gibt es Stoffwindeln, Holzspielzeug oder gebrauchtes Spielzeug. Aufbewahren lässt es sich gut in Holz- oder Metallkisten.

Um Plastik einzusparen, rufen die Mitglieder der Plastikfrei-Initiative dazu auf mehr gebraucht zu kaufen oder mit anderen zu teilen. Gerade Kinderspielzeug oder Kleidung ist oft noch wenig benutzt. Weitere Tipps können Interessierte auf der Homepage der Plastikfrei-Initiative finden: www.weites-feld.de/einfache-tipps

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