Es geht auch ohne Verpackungen

40 Tage plastikfrei: Korbacher Fastengruppe kommt ohne Kunststoff aus

Kunststoffabfälle nehmen in Deutschland kontinuierlich zu, inzwischen sind es laut NABU über sechs Millionen Tonnen jährlich. Die Plastik-Frei-Initiative hilft beim Einstieg in den Verzicht.
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Kunststoffabfälle nehmen in Deutschland kontinuierlich zu, inzwischen sind es laut NABU über sechs Millionen Tonnen jährlich. Die Plastik-Frei-Initiative hilft beim Einstieg in den Verzicht.

Seife statt Duschgel, Gemüse in die Stofftasche statt in die Plastiktüte: 40 Tage will eine Korbacher Fastengruppe möglichst ohne Kunststoff auskommen.

Korbach – Ob die Shampooflasche, der Einweg-Kaffeebecher zum mitnehmen, der in Kunststoff verpackte Käse: Plastik ist einfach überall. Doch es geht auch ohne: „Viele Dinge sind ganz einfach zu ersetzen“, sagt Miriam Interthal von der Plastik-Frei-Initiative im Verein „Weites Feld“, die in diesem Jahr zum ganz besonderen Fasten aufgerufen hat: Gemeinsam wollen sich die rund 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer 40 Tage lang bis zum 29. März Verzicht üben und ihr Verhalten nachhaltig ändern.

Das ist in vielen Fällen einfacher als gedacht: „Statt Shampoo kann man auch Haarseife in einer Seifendose aus Metall oder einer Schachtel aus Bioplastik nehmen“, nennt Interthal ein Beispiel. In der Gruppe können sich die Teilnehmer über ihre Erfahrungen austauschen und sich gegenseitig inspirieren. Außerdem erhalten sie täglich eine E-Mail mit Tipps beispielsweise für plastikfreie Haushaltsreiniger oder Kleidung ohne Kunstfasern.

„Es sind einige dabei, die sich schon länger mit Plastikverzicht beschäftigen, viele machen es aber das erste Mal“, berichtet Interthal. Die Corona-Pandemie macht den persönlichen Austausch dabei etwas komplizierter: „Wir haben uns bisher online getroffen, geplant ist aber noch ein gemeinsamer Spaziergang.“

Ihr eigenes Aha-Erlebnis hatte Miriam Interthal, als sie vor eineinhalb Jahren Mutter wurde. „Ich hatte mich entschieden, Stoffwindeln statt Wegwerfwindeln zu verwenden“, sagt sie. Schließlich versuchte sie, Plastik auch in anderen Lebensbereichen zu vermeiden. Unterstützung bekam sie dabei auch von ihrer Großmutter, die den guten, alten Steinguttopf wieder hervorholte. „Noch können wir die Leute fragen, die in einer Zeit aufgewachsen sind, als es noch nicht so viele Plastikverpackungen gab“, sagt Interthal.

Miriam Interthal von der Korbacher Plastik-Frei-Initiative.

In der Plastik-Frei-Initiative arbeitet sie mit daran, Menschen in Korbach und darüber hinaus zusammenbringen, die umweltbewusst handeln wollen und weniger Müll produzieren möchten. Aber auch Politik und Handel will die Initiative mit ins Boot holen. „Wir haben beispielsweise Supermärkte angeschrieben, ob sie eine Unverpackt-Ecke einrichten könnten“, berichtet Interthal.

Ziel sei auch, dass die öffentliche Hand bei Ausschreibungen mehr auf Plastikvermeidung achte. Das Hessische Umweltministerium hat die Gründung der Initiative im vergangenen Jahr mit 500 Euro unterstützt.

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