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In Waldeck-Frankenberg wurden 2021 insgesamt 470 neue Wohnungen gebaut

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Von: Julia Janzen

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Im Dachdeckerhandwerk fehlen Auszubildende, vor allem weibliche: Im Bild Praktikantin Lara-Marie Helferich mit Geselle Waldemar Hess.
(Symbolfoto) © Jörg Lewandowski

Im Landkreis wurden im vergangenen Jahr 470 neue Wohnungen gebaut. Das teilt die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) unter Berufung auf aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes mit.

Die Gewerkschaft sieht im Landkreis ein großes Potenzial zur Schaffung neuen Wohnraums durch Umbauten von bestehenden Gebäuden.

„In Waldeck-Frankenberg schlummert ein großes Potenzial in der Umnutzung von Altbauten“, sagt Klaus Michalak, Bezirksvorsitzender der IG BAU. Bei vielen Wohngebäuden, Büro-, Geschäfts- und Parkhäusern könne man Dachetagen aufstocken. „Dazu kommt, durch mehr Homeoffice, der Umbau von Büros zu Wohnungen.“ Zusätzliche Wohnungen seien ein Beitrag gegen steigende Mieten.

Geschäftsgebäude aufstocken und so Wohnraum schaffen: In Korbach gibt es dafür mehrere Beispiele. Ob über Einkaufsmärkten an der Solinger Straße und der Briloner Landstraße, oder beim geplanten Neubau des Woolworth-Gebäudes. Machbar sei das aber nur bei Neubauten, sagt Korbachs Bauamtsleiter Stefan Bublak. Denn die Traglast der Dächer müsse entsprechend hoch sein.

Vielerorts fehle es allerdings nicht an Wohnraum, sagt Bublak. Die Ansprüche der Menschen seien anders. „Viele neigen dazu, sich auf der grünen Wiese ihr Traumhaus zu bauen, anstatt zu sanieren. Ich habe das Gefühl, es fehlt an Mut und Vorstellungskraft.“ Er wage die Aussage, dass eine Sanierung – wenn die Grundstruktur erhalten bleiben könne – ebenso teuer sei wie ein Neubau.

Aus Sicht der Stadt Frankenberg gibt es aktuell einen Bedarf an zusätzlichen Wohnungen, „wenngleich in den letzten Jahren bereits an zahlreichen Stellen Wohnraum entstanden ist“, sagt Florian Held, Pressesprecher der Stadt.

Der Fokus richte sich bereits länger auch auf die Förderung von Umbau, Sanierung und Erweiterung von bestehenden Gebäuden im Stadtzentrum. Im „Förderbereich Aktive Alt- und Neustadt“ würden Eigentümer bei Umbau und Modernisierung vorhandener Wohn- und Geschäftsimmobilien finanziell unterstützt, so Held. Großes Potenzial sieht die Stadt beim Scheunenprogramm innerhalb des aktuellen Dorfentwicklungsprogramms in den Stadtteilen. „Viele Gebäude sind dort untergenutzt oder stehen leer. Die Umnutzung zu Wohnraum ist ein explizites Ziel der Dorfentwicklung.“ Auch das werde „attraktiv gefördert“.

Knapp über 80 000 Wohnungen im Landkreis

Die letzten offiziellen Zahlen stammen von Ende Dezember 2020: Laut den Statistikern des Bundesamtes gab es damals 79 589 Wohnungen in Waldeck-Frankenberg. Mit den 470 im vergangenen Jahr hinzugekommenen, gibt es im Landkreis nun knapp über 80 000 Wohnungen. In ganz Hessen sind es, so das Statistische Landesamt, fast 3,1 Millionen Wohnungen. Rund 41,3 Millionen wurden Ende 2020 in der gesamten Bundesrepublik gezählt. 

„Zum Teil mehr Wohnraum als gebraucht wird“

Geschäfts-, Büro- oder Parkhäuser aufstocken: In Frankenberg wird das als „eher theoretische Möglichkeit“ gesehen, sagt Sprecher Florian Held. „Aufstockungen sind kompliziert und setzen grundsätzlich die Bereitschaft von Eigentümern sowie Investoren voraus.“

Oftmals würden zudem Statik, Brandschutz oder Denkmalschutz solche Maßnahmen erschweren. Wohnraum in Frankenberg sei in den vergangenen Jahren dennoch entstanden. Als Beispiele nennt Held das Gelände des ehemaligen Kinos, das im Bau befindliche Wohnhaus in der Bottendorfer Straße und das Quartier Friedrichstraße. „Auch im großen Baugebiet an der Marburger Straße sind Bauplätze für Mietshäuser vorgesehen.“ Die Stadt schaffe in der Regel die Rahmenbedingungen, baue aber nicht selbst.

Das ist auch in Korbach der Fall. Bebauungspläne werden geändert, auch für das Wohnen direkt in der Innenstadt. Früher sei das gar nicht vorgesehen gewesen, sagt Bauamtsleiter Stefan Bublak.

Oftmals müsse die Stadtverwaltung einen „Spagat machen zwischen wirtschaftlichen Interessen und Wünschen“, sagt Bublak. Manchmal gehe es aber auch „Hand in Hand“ mit einem Investor, so an der Solinger Straße, wo neben einem Einkaufsmarkt auch Wohnungen entstanden sind und mehr Platz für die Kita. Aus Bublaks Sicht müsse das Bundesbaugesetz geändert werden. Vor dem Neubau auf der grünen Wiese müsse es die sogenannte Nachverdichtung geben. Das bedeutet: Baulücken müssten zuerst genutzt werden.

Dabei ist der Bedarf an neuen Wohnungen in Waldeck-Frankenberg aus Sicht des Instituts Wohnen und Umwelt in Darmstadt nicht vorhanden. Denn in Mittel- und Nordhessen gebe es „zum Teil mehr Wohnraum (...) als gebraucht wird“, schrieben sie in einer Wohnraumprognose, die 2020 zuletzt aktualisiert wurde.

Im Auftrag des hessischen Wirtschaftsministeriums hatte das Institut untersucht, wo Wohnungen fehlen. Das ist demnach vor allem in Südhessen der Fall. Insgesamt seien hessenweit pro Jahr 16 000 neue Wohnungen erforderlich, um den errechneten Bedarf zu decken. Bis 2040 würden 367 000 Wohnungen gebraucht.

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