Amtsgericht Korbach

56-Jähriger wegen Diebstahls verurteilt: Schrottsammler nimmt Rollstuhlrampe in Berndorf mit

Das Amtsgericht in Korbach.
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Prozess im Korbacher Amtsgericht: 56-jähriger Schrotthändler aus Kassel verurteilt.

Weil er in Berndorf eine Rollstuhlrampe mitgenommen hatte, ist ein 56-jähriger Schrotthändler aus Kassel vor dem Korbacher Amtsgericht wegen Diebstahls verurteilt worden.

Korbach/Twistetal – „Da liegt noch was“, dachte sich ein 56-jähriger Schrottsammler aus Kassel, als er im April vergangenen Jahres in Berndorf unterwegs war: Ein längliches Stück aus Aluminium lehnte da an einem Zaun. Er klingelte, niemand machte auf, letztlich nahm er das Teil mit. Und abends stand die Polizei vor der Tür: Beim vermeidlichen Schrott handelte es sich um eine Rollstuhlrampe, eine Spezialkonstruktion im Wert von gut 500 Euro. Am nächsten Tag war sie zurück an Ort und Stelle.

Am Korbacher Amtsgericht entschuldigte der Angeklagte sich vielfach, auch Richterin Fröhlich glaubte an ein Versehen. Aber letztlich verurteilte sie den bislang nicht strafrechtlich in Erscheinung getretenen Mann dennoch wegen Diebstahls: Dass er klingelte, habe gezeigt, dass er durchaus Zweifel hatte, ob er das Stück mitnehmen darf. Und dann tat er es trotzdem.

Mit 15 Tagessätzen zu je zehn Euro halbierte die Richterin den Antrag der Staatsanwaltschaft – für den Angeklagten immer noch eine Menge Geld, er informierte sich umgehend über Ratenzahlung.

Als nicht unbedingt zu verfolgender „Diebstahl geringwertiger Sache“ ließ sich der Fall aber nicht abtun: Der Kasseler dachte zwar, nur Schrott für drei oder fünf Euro mitzunehmen, entscheidend ist aber der tatsächliche Wert. Mit 500 Euro liegt der weit über der üblichen Grenze von 25 Euro. Das Verfahren gegen seine ebenfalls angeklagte 52-jährige Lebensgefährtin wurde hingegen eingestellt: Die beiden berieten sich nicht groß, ob sie den vermeintlichen Schrott mitnehmen sollten, beim Tragen musste sie nicht aushelfen.

Dass jemand die Rampe mitnahm, bemerkte ein 80-jähriger Nachbar. Es sei ihm komisch vorgekommen, deshalb notierte er sich das Kennzeichen und sprach ihren Eigentümer an. Der Angeklagte selbst erklärte, dem Zeugen dankbar zu sein, dass er die Sache aufgeklärt hatte. Er sei nicht auf die Idee gekommen, jemanden Schaden zufügen zu können – so eine Rampe habe er noch nie gesehen. Es tue ihm leid, einer erkrankten Person Not und Sorgen bereitet zu haben.

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