Folgen des Klimawandels

Waldschäden nehmen rasant zu: Buchen im Freienhagener Wald als Notmaßnahme gefällt

Gefällt: 150 Jahre alte Buchen liegen zum Abtransport am Wegesrand.

Erschüttert vom Ausmaß der Waldschäden zeigten sich Teilnehmer eines Waldbegangs, zu dem der Verein der Holznutzungsberechtigten (HNB) eingeladen hatte.

Freienhagen – Ziel der Exkursion: Eiche und Buche bis zum Bosselplatz in den Distrikten vier bis eins. Der Bucheneinschlag habe dort seit Dezember extrem zugenommen, sagte HNB-Vorsitzender Friedhelm Martin. „Der neue Begriff Waldausräumung trifft hier zu.“

Erste Anzeichen des Buchensterbens im Sommer 2019

Vor allem 150 bis 180 Jahre alte Buchen wurden gefällt. Rund 2000 Festmeter Holz lagen zum Abtransport am Weg bereit.

Waldschäden in Freienhagen: Erschüttert vom Ausmaß zeigten sich die Teilnehmer eines Waldbegangs; dieses Foto entstand kurz vor Beginn der Coronakrise. Fotos: Conny Höhne

Erste Anzeichen des Buchensterbens waren bereits im Sommer 2019 erkennbar, erläuterte Revierleiter Björn Weltecke von Hessen Forst.

Die Bäume waren von mehreren Pilzen befallen – teils im Stamm, im Wurzelbereich oder in der Krone. Innerhalb kürzester Zeit starben Bäume ab. „Dass es so schnell ging, damit hatten wir nicht gerechnet.“

Fast der gesamte Bestand als Notmaßnahme gefällt

Hauptursache ist aus Sicht des Forstmanns die geringe Klimatoleranz der Buche. „Alte Buchen kommen mit der seit 2018/19 gemessenen Erhöhung der Temperatur gegenüber dem langjährigen Mittel nicht mehr klar.“ Selbst wenn die Bäume geschlagen und gespalten sind, faule das Holz noch weiter.

Als Folge dieser katastrophalen Entwicklungen wurde nahezu der gesamte Bestand als Notmaßnahme gefällt, erläuterte Hendrik Block, Geschäftsführer der Kommunalwald GmbH. Die Stämme lassen sich als Möbel- oder Industrieholz, aber auch als Brennholz sowie für Holzkohle vermarkten. 

Erschreckend sind indes die Perspektiven: Mittelfristig werden damit 30 bis 50 Prozent der generationsalten Vorräte im Freienhagener Wald abgebaut. Dazu zählten auch 200 Jahre alte Eichen, die an der Hüneburg gefällt wurden, sagte Martin. Er appellierte eindringlich an die teilnehmenden Stadtverordneten, Stadträte und an Bürgermeister Jürgen Vollbracht, den Wald für zukünftige Generationen zu sichern und dem Klimawandel anzupassen.

Altersklassenwald ist bald Geschichte

Das Waldbild werde sich deutlich ändern, erläuterte Revierleiter Weltecke. Die seit Jahren fortschreitende Naturverjüngung werde auch weiterhin zugelassen, kündigte er an. An einzelnen Stellen werde gezielt nachgepflanzt. Der reine Altersklassenwald sei aber bald Geschichte. Angestrebt wird ein nach Alter und Baumarten gemischter Wald.

Abgestorben: Eine trockene Eiche im Wald, aufgenommen mit einer Drohne. Foto: Hecker/pr

Kritik übten Teilnehmer des Waldbegangs am Zustand des Waldes rund um die Wege. Im nassen Februar wurden tiefe Rückegassen gefahren, und im Abstand von 20 Metern gewaltige Schneisen in den Wald geschlagen. Sie sollen weder beseitigt werden, noch zuwachsen, hieß es.

Jagdpächter Friesleben verwies auf eingeschränkte Fortbewegung. Dies behindere die Jagdausübung.

Holzrecht stammt aus der Gründerzeit von Freienhagen

Nach alten Aufzeichnungen stammt das Holzrecht der Holznutzungsberechtigten aus der Gründerzeit von Freienhagen und reicht bis ins Mittelalter zurück. 

Die Flächen wurden dann der Stadt Freienhagen übertragen mit dem Eintrag einer Grunddienstbarkeit. Das heißt: Jährlich sind 18 Raummeter Brennholz, Stangenhaufen, Reisig und Bauholz gegen Erstattung der Werbungskosten den Holznutzungsberechtigten bereitzustellen. Dieses Brennholz und die Bereitstellung von 250 Raummetern für die Familien ohne Berechtigung sind vorrangig zu bedienen.

 Insgesamt liege im Gemeindewald der Anteil des Brennholzes für die Holznutzungsberechtigten laut Vorsitzendem Friedhelm Martin bei unter 5 Prozent. „Dass wie im Jahr 2020 Fichte als Brennholz zugeteilt wird, ist bisher einmalig in der gesamten Geschichte,“ betonte der Vorsitzende des Freienhagener Vereins, dem über 100 Mitglieder angehören.

 Der Anteil der Holzheizungen in Verbindung mit Solarthermie sei in Freienhagen sehr hoch. „In diesen Haushalten ist der Bedarf an Buchen-Brennholz auf dieses Holzrecht ausgelegt,“ erläutert der HNB-Vorsitzende. Und in nahezu allen Haushalten dieses Waldecker Stadtteils werde Brennholz zu Heizzwecken benötigt

Quelle: Waldeckische Landeszeitung

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.