Landesverband fordert Hilfen für Kurorte

Corona weckt in Hessens Heilbädern böse Erinnerung an Kurkrise der 1990er

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Sogar die Nymphe vom gleichnamigen Brunnen auf der Wildunger Allee mahnt: Corona nimmt Hessens Heilbäder in einen eisernen Griff, der böse Erinnerungen an die "Kurkrise" der 1990er Jahre weckt. Die Bezeichnung wurde von vielen Beschäftigten und Klinik-Unternehmen als verharmlosend empfunden, glichen die Folgen der damaligen "Gesundheitsstrukturreform" der Regierung Kohl eher einem Kahlschlag in der Branche.

Große Sorgen macht sich der Hessische Heilbäderverband um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie.

  • Hessens Heilbäder verzeichneten 2019 rund 10 Millionen Übernachtungen
  • Der hessische Heilbäderverband befürchtet für 2020 einen Einbruch der Zahlen infolge der Corona-Krise
  • Verbandsvorsitzender Michael Köhler fordert unbürokratische Hilfen für Heilbäder und Kurorte
  • Die Folgen könnten sogar noch drastischer ausfallen als nach dem Kahlschlag der Kurkrise in den 1990er Jahren

Bad Wildungen –  Bad Zwestens Bürgermeister Michael Köhler, der gleichzeitig Vorsitzender des Verbandes ist, betont in einer Pressemitteilung: „Die Pandemie ist ein schwerer Einschnitt für alle Heilbäder und Kurorte in Deutschland und sie wird uns wirtschaftlich hart treffen.“

Mehr als 40 000 Arbeitsplätze hängen in Hessen am Reha-Wesen

Im vergangenen Jahr lagen die Übernachtungszahlen der Heilbäder und Kurorte in Hessen bei rund 10 Millionen. Hinzu kamen rund 31 Millionen Tagesgäste. Insgesamt erzielten die hessischen Gesundheitsstandorte mit ihren Aktivitäten aus Reha, Kur und Tourismus einen Bruttoumsatz von 2,3 Milliarden Euro. Mehr als 40 000 Arbeitsplätze seien direkt oder indirekt von den Kurorten abhängig.

Mittlerweile sind touristische Übernachtungen unterbunden. Auch die Reha-Patienten dürfen keinen Besuch mehr empfangen. Allein die Verschiebung von Operationen werde dazu führen, dass die Belegungszahlen der Kliniken sinken, unterstreicht Köhler. Hinzu komme die angeordnete Schließung von Schwimmbädern und Thermen sowie von vielen Einzelhandelsgeschäften bis hin zu Dienstleistungsangebote, wie therapeutischen Behandlungen.

Heilbäder und Kurorte werden schwer an Einnahmeverlusten tragen

„Die Maßnahmen sind absolut nachvollziehbar und vertretbar, damit sich die Epidemie nicht weiter ausbreitet. Trotzdem werden die Kommunen sehr schwer an den Einnahmeverlusten der Schwimmbäder, der geringeren Kurtaxen, der geringeren Gewerbesteuer tragen und die Wirtschaftsbetriebe vor Ort an den verlorengegangenen Umsätzen“, betont Vorsitzende des Hessischen Heilbäderverbandes. Besonders betroffen seien die Einzelhandelsbetriebe mit ihren ohnehin geringen Gewinnmarge. Sie könnten es sich kaum leisten, für mehrere Wochen oder Monate geschlossen zu halten.

Köhler fordert deshalb Hilfe über einen unbürokratischen Rettungsschirm für die Betriebe und Praxen in den Heilbädern und Kurorten. Der Verband der privaten Klinikbetreiber hatte dies in den vergangenen Tagen bereits für die Reha-Einrichtungen verlangt, die er im Rettungschirmgesetz des Bundesgesundheitsministeriums kaum berücksichtigt sieht.

Es sei wichtig, auch den Kommunen zu helfen, denen Einnahmen wegbrächen, ergänzt Bürgermeister Köhler: „Wir brauchen Hilfe für die Reha-Zentren und die Hotels und Gastronomiebetriebe sowie für die kleinen Geschäfte, die dieser Tage schließen mussten.“

Bad Wildungen erreicht Zahlen von vor 1990 bis heute nicht wieder

Die Heilbäder und Kurorte hätten über Jahre intensiv an einem Neuanfang gearbeitet, führt Köhler aus und spielt so auf die verheerenden Auswirkungen der „Gesundheitsstrukturreform“ aus der Mitte der 1990er Jahre an. Viele empfanden den Begriff „Kurkrise“ damals als verharmlosend, denn die Zahlen brachen ein. Die vormaligen Rekordmarken von mehr als 1,8 Millionen Übernachtungen iin Bad Wildungen jährlich liegen noch immer in weiter Ferne. Rund 1,4 Millionen boten aber bei steigender Tendenz seit Längerem wieder eine stabile Grundlage. Diese mühsam errungenen Fortschritte sieht der Heilbäderverband durch Corona im Höchstmaß gefährdet.

Quelle: Waldeckische Landeszeitung

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