Aale werden mit dem Taxi an den Rhein transportiert

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Hilfe für die Fische: Jürgen Schwarz vom Fischereiverein Marburg war Helfer bei der Aal-Fangaktion. Hier setzt er mit dem Kescher die Fische in den Rhein ein – wieder in Freiheit.

Marburg. Aale aus der Lahn sind jetzt per Taxi an den Rhein gelangt. Was kurios klingt, ist eine Hilfe für die Fische bei der 7000 Kilometer langen Reise zu ihren Laichplätzen. Auch in Wetzlar haben Fachleuchte Aale „eingesammelt“.

Die Aale aus der Lahn haben einen weiten Weg vor sich, um ihren Nachwuchs zu bekommen. Die Fische orientieren sich auf ihrem Weg ans Meer an der Hauptströmung der Flüsse. Nur sind ihnen dabei gleich zu Beginn ihrer Reise Wehre und Wasserkraftwerke im Weg - oftmals tödliche Hindernisse.

An der Lahn gibt es allein von Marburg bis zur Mündung in den Rhein bei Lahnstein 29 Wasserkraftanlagen, wie das Regierungspräsidium (RP) in Gießen mitteilt, das die Aal-Aktion koordiniert hat. Nur selten seien an den Anlagen technische Vorrichtungen vorhanden, die den Aalen den Weg stromabwärts freimachen - etwa sogenannte Bypässe, die die Fische um die Turbinen herumleiten. Oft tödliche Verletzungen der Tiere sollen so vermieden werden.

An vielen Kraftwerken können Aale aber leicht in die Turbinen geraten. Denn die Rechen vor den Einlässen, die Tiere abhalten sollen, sind für die langen Fische kein Hindernis: Der Abstand der Rechenstäbe ist häufig zu groß, beträgt nur 20 bis 40 Millimeter. „In Hessen haben derzeit erst wenige Neuanlagen den 15-Millimeter-Rechen eingebaut“, weiß Walter Fricke, Experte der Oberen Fischereibehörde beim RP Gießen. Je nach Turbinentyp eines Kraftwerks kämen so 15 bis 80 Prozent der Fische ums Leben.

Fricke zufolge reichen schon wenige Wasserkraftanlagen in einem Fluss aus, um dafür zu sorgen, dass kaum noch ein abwandernder Aal lebend die Flussmündung erreicht. In stauregulierten Flüssen wie der Lahn sei dieses Problem besonders groß.

Daher jetzt die große Aal-Transportaktion von der Lahn in den Rhein: Das RP Gießen hat so die EU-Aalverordnung umgesetzt und einen Fischereibiologen beauftragt, zusammen mit einigen Fischereivereinen an der Lahn abwandernde Blankaale abzufangen und an die Lahnmündung zu transportieren, um sie dort in den Rhein einzusetzen.

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