Warten auf Ski-Saison: Sicherheit an den Pisten schaffen

Willinger Liftbetreiber: Nicht Sport, sondern „Aprés-Ski“ ist das Problem

Skisport und sicherer Umgang mit der Pandemie ließen sich an den Willinger Pisten (hier der Ritzhagen) vereinbaren, sind sich die Liftbetreiber sicher. 
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Skisport und sicherer Umgang mit der Pandemie ließen sich an den Willinger Pisten (hier der Ritzhagen) vereinbaren, sind sich die Liftbetreiber sicher. ARCHIV

Die Liftbetreiber in Willingen hatten sich Hoffnungen gemacht, nach dem 20. Dezember an den Start gehen zu können und halten den Skibetrieb trotz der Pandemie grundsätzlich für möglich.

Willingen – Die Verlängerung des Lockdowns habe sie zu diesem Zeitpunkt sehr unvorbereitet getroffen, erklärt Jörg Wilke, Geschäftsführer von Ettelsberg-Seilbahn und K1 sowie Sprecher des Skigebiets: „Wir hoffen, das wir spätestens am 11. Januar wieder starten dürfen. Wir hätten uns natürlich eher eine Regelung analog zum ,österreichischen Modell‘ gewünscht, nach dem die Einheimischen schon früher wieder auf die Pisten dürfen.“

In der öffentlichen Debatte werde zu wenig zwischen den Aspekten Sport und Party getrennt: Bewegung an der frischen Luft sei erst mal etwas sehr gesundes. Und auch mental tue es den Menschen gut, rauszukommen – gerade angesichts der physisch und psychisch sehr belastenden Lage mit Social Distancing sowie überfüllten Fußgängerzonen und Busse.

„Der Blick nach Ischgl sorgt für den allgemeinen Tenor, dass die Skigebiete zu bleiben müssten“, sagt Jörg Wilke. Zwar bestehe kein Zweifel an der Rolle des Orts bei der Verbreitung der Pandemie. Doch das Problem sei das Feiern beim „Aprés-Ski“ gewesen – und das sei durch die Verordnungslage längst gekippt und nirgendwo vorgesehen.

Die Debatte suggeriere, Ski-Fahren mache krank: „Das ist falsch und in fahrlässigster und geschäftsschädigender Weise irreführend.“ Zumal in den Skigebieten der Mittelgebirge die Lage ganz anders sei als in den Alpenländern: 80 Prozent der Besucher seien Tagesgäste, die also nicht übernachten und davor noch feiern, sondern von der Piste wieder heimfahren.

Der Verlust der Weihnachtsferien treffe die Liftbetreiber schwer: Die meisten Anbieter müssen in wenigen Wochen das Geld für das ganze Jahr verdienen. „Daher zählt praktisch jeder Betriebstag“, sagt Wilke. Wichtig sei, schnellstens Klarheit zu bekommen, wann es wirklich losgehen kann. Betriebe wie Mitarbeiter bräuchten Planungssicherheit.

Schnee produziert wurde in Willingen übrigens schon, bei guten Bedingungen soll das fortgesetzt werden, „um bei einem Startschuss für das Skigebiet im wahrsten Sinne des Wortes ,präpariert‘ zu sein“

Tausende Gäste wurden mit den sommerlichen Angeboten der Liftbetreiber transportiert und das sei auch vorbildlich abgewickelt worden, sagt Jörg Wilke, Sprecher des Willinger Skigebiets, über den Betrieb der Seilbahn mit Wanderern, der Sommerrodelbahn und des Sessellifts K1, der Biker auf den Ettelsberg brachte – gerade letzteres sei praktisch identisch mit dem Betrieb der Skilifte. Mit den Erfahrungen aus dem Sommer und Hygiene-Konzepten sehen die Liftbetreiber sich für die Ski-Saison gut aufgestellt: „Wir denken, dass wir sicheren Sport anbieten können.“

Zugrunde liegt ein Konzept, das der Verband Deutscher Seilbahnen etwa mit Ministerien im Seilbahn-Stammland Bayern abgestimmt hat. Orientiert wurde sich dabei an den Regeln für den ÖPNV. Jeder Einzelbetrieb habe darüber hinaus ein Hygiene-Konzept für seine Anlagen erstellt.

Jörg Wilke zählt die wichtigsten Maßnahmen auf: Dazu gehört das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in allen Anstellbereichen, Liften und Stationen – auch mit Attest gibt es keine Ausnahmen. Dazu kommen Abstandsregelungen vor allem bei den Kassen. Dass Wintersportler beim Einsteigen in den Lift ihre Ski oder Snowboards an den Füßen haben, helfe Abstand zu wahren.

Überhaupt sollen Schlangen vermieden werden: Es sollen so viele Kassen wie möglich öffnen, mit ausgeweiteten Zeiten. Zudem werden auch Tickets in Skiverleihen verkauft, welche die Hälfte der Gäste besuche. Nicht zuletzt werde der Online-Verkauf intensiviert.

Freiwillig beschränke das Skigebiet sich auf eine Verkaufsobergrenze von 3500 Personen pro Skitag, 60 Prozent der Maximalauslastung. Stammgäste werden per Newsletter vorab informiert, ausverkaufte Kontingente über Homepage, Soziale Medien und LED-Infotafeln bekannt gegeben. Bei Bedarf können auch Parkplätze geschlossen werden.

Frische Luft helfe, dass Infektionsrisiko zu verringern – nicht nur auf der Piste und im Sessel, auch Seilbahnkabinen haben drei Fenster. Die typische Kleidung der Wintersportler helfe mit Handschuhen, Schals und Buffs, also Masken mit Filterwirkung, erläutert Wilke – beides zählt offiziell als Mund-Nasen-Schutz. Streng genommen dürften sich in die Kabinen und Sessel der Seilbahnen wie im ÖPNV auch nicht zusammengehörige Gruppen befördern lassen: „Aber es setzt sich in dieser Situation keiner zu fremden Leuten.“

(Von Wilhelm Figge)

Runder Tisch gefordert

Die Bundestagsabgeordneten Esther Dilcher (SPD, Waldeck) und Dirk Wiese (SPD, Hochsauerlandkreis), fordern eine „klare und vor allem planbare Perspektive“ für die Skigebiete in Willingen und Winterberg. Die Schließung sei notwendig und Entschädigungen folgerichtig.

Aber: „Viele Hoteliers, Inhaber von Ferienwohnungen, Gastronomen und Skiliftbetreiber haben Hygienekonzepte ausgearbeitet, bereits angewendet oder fertig in der Schublade, um zeitnah in die Saison zu gehen. Wir fordern beide Landesregierungen in Hessen und Nordrhein-Westfalen zu einem koordinierten Vorgehen im Hinblick auf eine schrittweise Wiedereröffnung für den Wintersport ab Januar auf.“ Dies müsse in enger Absprache mit den Akteuren geschehen, ein landesübergreifender runder Tisch sei sinnvoll. red

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