„Habe meine Bürgerpflicht getan“

Alf Höfer hört nach 19 Jahren als Erster Stadtrat in Lichtenfels auf

Allseits als „Original“ bekannt, bestens vernetzt: Alf Höfer sagt nach 36 Jahren der aktiven Politik und seinem Ehrenamt als Erster Stadtrat Adieu.
+
Allseits als „Original“ bekannt, bestens vernetzt: Alf Höfer sagt nach 36 Jahren der aktiven Politik und seinem Ehrenamt als Erster Stadtrat Adieu.

Von 36 Jahren in den städtischen Gremien hat Alf Höfer 19 Jahre lang den Posten des Ersten Stadtrats inne – so lange hatte keiner vor ihm in Lichtenfels das Amt bekleidet.

Lichtenfels-Goddelsheim – „Ich habe die Angewohnheit, Ämter relativ lange zu besetzen. Wenn man mich gewählt hat, wird man mich nicht so schnell wieder los“, sagt Alf Höfer und zieht die Augenbrauen zusammen. „Doch ich habe immer gesagt, für die neue Legislaturperiode trete ich nicht mehr an. Lieber von mir aus gehen, bevor man mir den Stuhl vor die Tür stellt“, erklärt der 74-jährige Wahl-Goddelsheimer.

Vor dem Amtsantritt hatte er 17 Jahre lang Zeit, sich als Stadtverordneter ein Bild von dem ehrenamtlichen Job zu machen, der über die Jahre hinweg einiges abverlangte – neben Zeit vor allem Wissen. Das hat er sich schnell angeeignet. „Ich bin paragrafenfest“, sagt er.

Verlassen konnte er sich dabei auch auf sein hervorragendes Gedächtnis. „Das lieben nicht alle, ich vergesse nämlich auch die unschönen Dinge nicht“, sagt Höfer und legt einen allwissenden Blick auf.

„Nach Paragraf 27 der Hessischen Gemeindeordnung vertritt der Erste Stadtrat den Bürgermeister mit allen Rechten und Pflichten“: Für Höfer hieß das, den Bürgermeister während dessen Urlaubszeit, selten auch mal am Wochenende oder bei Krankheit zu vertreten. Fast die komplette Amtszeit hat er Uwe Steuber im Amt begleitet, „in 18 Jahren lernt man, wie der andere tickt“, ein Jahr vertrat er Henning Scheele.

Außerordentliches Engagement

Der gebürtige Frankfurter Alf Höfer engagierte sich 19 Jahre als Ortsjugendfeuerwehrwart und 23 Jahre als Stadtjugendwart in Lichtenfels, war von 1985 bis 2002 CDU-Stadtverordneter, darunter fünf Jahre lang Fraktionsvorsitzender, ehe er 2002 das Amt des Ersten Stadtrates in Lichtenfels übernahm. Er war viele Jahre Kreistagsabgeordneter, führte 38 Jahre lang den Stadtverband der CDU Lichtenfels und übernahm Aufgaben in der CDU-Geschäftsstelle in Korbach.

Seit 1980 ist er Mitglied des Kyffhäuser Bundes und besetzte mehrere Ämter: Seit 1982 sitzt er der Kyffhäuser Kameradschaft Goddelsheim vor, seit 1991 ist er Landesgeschäftsführer (Hessen), seit 1996 stellvertretender Vorsitzender des Kyffhäuser-Kreisverbandes Waldeck, seit 1998 außerdem Geschäftsführer des Deutschen Soldatenbundes und der Kameradenvereinigung.

Für sein außerordentliches Engagement wurde er mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen ausgezeichnet, mit der Goldenen Ehrennadel der Stadt Lichtenfels, dem Verdienstorden des Bundes und dem Hessischen Verdienstorden am Bande.         md

Nicht so gern hat er den Rathauschef vertreten bei runden Geburtstagen oder Ehejubiläen. Bei seinem ersten Termin dieser Art Anfang Januar 2003 „stand ich da wie Falschgeld, nachdem ich im Namen der Stadt gratuliert hatte; niemand kümmerte sich. Da bin ich wieder gegangen. Das ist mir in meiner Dienstzeit als Erster Stadtrat drei Mal passiert. Ich habe das nur gemacht, weil ich das machen musste.“ Hingegen habe er „besonders gern den Bürgermeister vertreten, wenn ich mal etwas entscheiden konnte. Selten musste ich allerdings Anträge bearbeiten, denn ich genieße den Ruf, kleinlich zu sein.“

Ein bisschen in die Haare bekam er sich mit den Bürgermeistern schon mal, wenn sie seiner Meinung nach zu viel auf die Ortsbeiräte hörten. „Nach der HGO brauchen wir keine Ortsbeiräte, also brauchen wir auch keine. Die HGO ist ja kein Karnevalskalender. Rheinland-Pfalz und das Saarland machen es vor, da gibt es nur noch Ortsbürgermeister. Das reicht“. Er habe auch „nicht gern gesehen, wenn man mir Ratschläge erteilen wollte. Dazu bin ich vielleicht zu dickköpfig“.

Seine Arbeit als Berufssoldat – er war bei der Bundeswehr unter anderem Führer des Nachschubzugs und wie er selbst sagt, „ein strenger Vorgesetzter, ich poltere auch gerne mal“ – hat ihm zugespielt in sein Ehrenamt. Auftritte vor Publikum waren ihm sozusagen geläufig, sich Gehör zu verschaffen ebenfalls. Zeitweise engagierte Alf Höfer sich in 13 Ämtern gleichzeitig. „Ich frage mich, wie ich das hinbekommen habe, ich war zu der Zeit ja auch noch im Beruf“, sagt Höfer. In seinen Funktionen als CDU-Stadtvorsitzender, Kyffhäuser-Vertreter, eingefleischter Feuerwehrmann mit besten Kontakten zur Berufsfeuerwehr in Wiesbaden und Frankfurt/M. und als Mitglied in unzähligen Vereinen – darunter dem Landfrauenverein – ist er bestens vernetzt. Alf Höfer ist vermutlich die einzige Ehrenlandfrau, die ein Mann ist. Auch war er Motor für die Partnerschaft mit dem thüringischen Tannroda.

„Als CDU-Stadtvorsitzender habe ich Wolfgang Bosbach, Alois Glück und Dr. Bernhard Vogel nach Lichtenfels geholt, zuletzt im September 2018 auch Ministerpräsident Bouffier“, zählt er auf. „Lass Dir nichts aus der Hand nehmen“, ist die Devise des passionierten Pfeifenrauchers und Organisationstalents.

Ist er manchmal in die Bredouille gekommen zwischen seinen Funktionen als CDU-Vorsitzender und Erster Stadtrat? „Ich habe das immer gut auseinander halten können, das sind zwei unterschiedliche Paar Stiefel. Als Erster Stadtrat war ich auch Gemeindewahlleiter, da hielt ich mich neutral. Ich hätte ja eventuell ordnend eingreifen müssen. Aber eine eigene Meinung hatte ich natürlich schon“, sagt er, und hebt die Augenbrauen.

Nachdem seine Frau Doris vor sieben Jahren starb, sind seine zwei Söhne und drei Enkel noch einmal mehr ins Blickfeld gerückt. Außerdem kümmert er sich in seinem Haus in Goddelsheim – „eine computerfreie Zone“ – um zwei kleine Hunde und genießt die Ruhe, freut sich allerdings, nach der Coronazeit auch wieder mehr Gesellschaft zu haben. „Ich habe meine Bürgerpflicht getan, 36 Jahre lang für die Bürger gearbeitet. Jetzt ist Schluss.“ Von Marianne Dämmer

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.