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Gravierende Sicherheitsmängel: Mehr als30 Campingplätze in Waldeck-Frankenberg werden überprüft

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Abbau hat begonnen: Dauercamper räumen ihre Parzellen auf dem Campingplatz der Ferienanlage „Haus am See“. ZU: Sicherheitsmängel: Kreisverwaltung überprüft wieder alle 33 Campingplätze in Waldeck-Frankenberg
Der Abbau hat begonnen: Dauercamper räumen ihre Parzellen auf dem Campingplatz der Waldecker Ferienanlage „Haus am See“. © Höhne, Cornelia

Die Bauaufsicht hat im Kreis Waldeck-Frankenberg alle Campingplätze überprüft. Dabei wurden zahlreiche Mängel festgestellt, die für Camper gefährlich werden können.

Waldeck-Frankenberg – Für manchen Dauercamper könnten sich die Urlaubsfreuden in ihrer liebevoll hergerichteten Idylle eintrüben: Die Bauaufsicht der Kreisverwaltung überprüft alle 33 Campingplätze in Waldeck-Frankenberg. Dabei hätten die Kontrolleure des Fachdienstes Bauen „nicht selten“ Sicherheitsmängel festgestellt, berichtet der Erste Kreisbeigeordnete Karl-Friedrich Frese, der auch Baudezernent ist: Sie hätten An- und Umbauten dokumentiert, die gegen Auflagen des Bau- und Brandschutzes verstoßen und zurückgebaut werden müssen.

„Camping ist für die meisten Menschen mit einem Gefühl von Freiheit und Ungebundenheit verknüpft“, erklärt Frese. „Darüber wird schnell vergessen, dass auch auf Campingplätzen Regeln zu beachten sind, die letztlich dazu dienen, die Sicherheit und körperliche Unversehrtheit aller Camper zu gewährleisten.“

Campingplätze im Kreis Waldeck-Frankenberg: Anbauen an den Wohnwagen

Das Augenmerk bei Kontrollen liegt auf Parzellen, die manch Dauercamper durch Anbauten fast schon in ein Ferienhäuschen mit Vorgarten verwandelt hat. Damit gilt ihr Wohnwagen als „nicht ortsveränderlich“, was die Baugenehmigung für die meisten Plätze im Kreis nicht vorsieht.

Da Campingplätze – wie Schulen, Gemeinschaftshäuser oder Industriegebäude – als „Sonderbauten“ gelten, habe die Kreisverwaltung die Pflicht, ihre Sicherheit „wiederkehrend“ zu überprüfen, sagt Björn Schröder von der Bauaufsicht. Für die Einhaltung der Vorschriften seien die Platzbetreiber verantwortlich, sie müssen ihre Camper anhalten, sich an die Regeln zu halten.

Gesetzliche Auflagen für Campingplätze

Campingplätze gelten nach der hessischen Bauordnung als „Sonderbauten“. Betreiber benötigen für sie eine Baugenehmigung vom Kreis. Auf den Plätzen stehende Wohnmobile und Wohnwagen müssen „jederzeit ortsveränderlich“ sein, also „in kurzer Zeit“ vom Platz weggefahren oder weggeschoben werden können.

Gibt es feste Vorbauten, Unterbauten oder Dächer, gelten sie als „nicht ortsveränderlich“. Sie dürfen nur dann auf Campingplätzen stehen, wenn die Baugenehmigung dies vorsieht. In dem Fall sind allerdings Abstands- und Brandschutzregeln zu beachten.

Typische Sicherheitsmängel an Campingplätzen im Kreis Waldeck-Frankenberg

Bei der Überprüfung der Plätze fielen in erster Linie Dauercamper auf, die sich über Jahre auf ihrer Parzelle eingerichtet haben, berichtet der Erste Kreisbeigeordnete. Er nennt einige typische Sicherheitsmängel:

Solche Bauten seien meist allmählich gewachsen, berichtet die Leiterin des Fachdienstes Bauen, Susanne Paulus. Gerade in der Corona-Zeit hätten einige ihre Freizeit auf dem Campingplatz verbracht – und sie zu Arbeiten genutzt. Am Ende ähnelt manch Bauensemble eher einem stattlichen Ferienhäuschen.

Waldeck-Frankenberg: Abstände und Brandschutz beachten

Seien Wohnwagen nicht mehr „jederzeit ortsveränderlich“, seien sie rechtlich genau so zu bewerten wie ein Einfamilienhaus, berichtet Björn Schröder von der Bauaufsicht des Fachdienstes. Dann müsse zum Beispiel ein Mindestabstand von sechs Metern zwischen den Bauten eingehalten werden. Campingplätze müssen in Abschnitte mit höchstens 20 Parzellen eingeteilt werden.

Hinzu kommen Auflagen zum Brandschutz. So müssen ausreichend Feuerlöscher vorhanden sein, es gibt Vorschriften für Gasflaschen, der Betreiber muss Campern eine Brandschutzordnung aushändigen. Der Fachdienst arbeitet mit den Kollegen vom Brand- und Katastrophenschutz eng zusammen.

Es gibt Plätze, auf denen solch feste Bauten erlaubt sind – aber auf den meisten verstoßen sie gegen das Gesetz. Sie bringen darüber hinaus Gefahren mit sich. Erst Ende Juni wurde wie berichtet ein Camper in Heringhausen bei der Explosion einer Gasflasche schwer verletzt, sieben Wohnwagen brannten nieder. „Der Fall hat uns motiviert, bei den laufenden Prüfungen noch schneller zu werden“, sagt Frese.

Luftbild  Diemelsee mit dem Compingplatz in Heringausen. ZU: Campingfreuden am Diemelsee: Auch Dauercamper nutzen die Plätze am Seeufer. Die Bauaufsicht der Kreisverwaltung überprüft derzeit in ganz Waldeck-Frankenberg, ob die Sicherheitsbestimmungen eingehalten werden.
Campingfreuden am Diemelsee: Auch Dauercamper nutzen die Plätze am Seeufer. Die Bauaufsicht der Kreisverwaltung überprüft derzeit in ganz Waldeck-Frankenberg, ob die Sicherheitsbestimmungen eingehalten werden. © Hans Blossey

Merkblatt für Vorgaben bei Campingplätzen zusammengestellt

An den gesetzlichen Rahmenbedingungen habe sich nicht viel geändert, berichtet er. Früher habe Hessen eine eigene Campingplatz-Verordnung gehabt, erklärt Schröder. Die wurde aufgehoben, weil die Vorschriften auch in der Bauordnung enthalten sind. Doch die sei komplizierter zu lesen, das mache es für Platzbetreiber schwieriger, sich zu informieren.

Deshalb hat die Bauaufsicht ein Merkblatt über die Vorgaben zusammengestellt und an alle Betreiber verschickt. Damit könnten sie sich gleich um die Einhaltung kümmern, erklärt Frese – dann gebe es bei der folgenden Prüfung weniger Probleme.

Erhebliche Gefahrenpotentiale gefunden: Untersagungen in Waldeck

Am Edersee seien auf zwei Plätzen derart erhebliche Gefahrenpotentiale erkannt worden, dass er als Konsequenz Nutzungsuntersagungen angeordnet habe, berichtet Schröder. Die Betreiber hätten ihren Dauercampern daraufhin gekündigt, um sie zum Rückbau zu bewegen.

Es gelte, Mängel „rechtlich sauber abzuarbeiten“, betont Schröder. Der Fachdienst begleite die Betreiber dabei, einen neuen Bauantrag zu stellen. „Wir wollen uns für die Betroffenen Zeit nehmen.“ Diese Gespräche seien wichtig, erklärt Susanne Paulus. Sie lobt das gute „Miteinander“ mit den Betreibern, „das geht relativ störungsfrei, das ist schon sehr beachtlich.“

Frese bittet Camper und Betreiber um Verständnis für die Kontrollen. Sie dienten der Sicherheit und der Unversehrtheit der Erholungssuchenden. „Wir sind in Waldeck-Frankenberg die Tourismus-Region“, betont auch die Leiterin des Fachdienstes Bauen, Susanne Paulus. „Wir sind bestrebt, für Sicherheit zu sorgen.“

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