120. Deutscher Wandertag ohne Vorbild

„Sind froh, dass der Deutsche Wandertag in Bad Wildungen überhaupt möglich ist“

Froh, dass es losgeht: Katja Schönfelder am Stand des Deutschen Wanderverbandes beim 120. Deutschen Wandertag in Bad Wildungen
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Froh, dass es losgeht: Katja Schönfelder am Stand des Deutschen Wanderverbandes beim 120. Deutschen Wandertag in Bad Wildungen

Der 120. Deutsche Wandertag ist besonders und ohne Vorbild. Er fußt auf Improvisation, Flexibilität und Ausdauer. Das wurde klar bei der Eröffnung an der Wandelhalle Bad Wildungen.

Bad Wildungen – Dr. Hans-Ulrich Rauchfuß, Präsident des Deutschen Wanderverbandes und Arzt von Beruf, betonte: „Wir müssen nach wie vor vorsichtig sein, auch wenn wir geimpft oder genesen sind.“ Das sagte er den Abordnungen der Wandervereine, die beinah unter sich dem Eröffnungsakt des 120. Deutschen Wandertages in Bad Wildungen mit 170 Personen am Musikpavillon beiwohnten. Unter freiem Himmel trotz Schauerwetters, um dem Virus die Verbreitung zu erschweren.

Bürgermeister Ralf Gutheil räumte in seiner Ansprache ein: „Vor einigen Wochen, als überall die Inzidenzen sanken und bei uns im Kreis stiegen, hätte ich um ein Haar den Wandertag abgesagt.“ Doch sowohl der Wanderverband als auch das Team des Wildunger Stadtmarketings hätten mit „toller Arbeit zur Stange gehalten“ und die Chance ergriffen, als die Zahlen endlich fielen. Die Pandemie zwinge dazu, auf traditionell beliebte Programmpunkte zu verzichten: den Festzug der Vereine am Sonntag oder das große Abschlussfest am Montag. Auch der Plan, den Kurpark in einen Biergarten fürs abendliche Fachsimpeln nach getaner Wanderung zu verwandeln, blieb eine Idee.

Virtueller Festumzug zum 120. Deutschen Wandertag in Bad Wildungen

Auf anderen Wegen bemühten sich die Gastgeber darum, dass sich die Wanderer wohl und willkommen fühlen. „Mit Fotos von Wandergästen und -vereinen entlang der Brunnenallee haben wir eine Art virtuellen Festzug aufgestellt“, erklärte Stadtmarketing-Chefin Ute Kühlewind. Für die Abschlussfeier am Sonntagmorgen versprach sie eine stimmungsvolle Wimpel-Zeremonie mit Überraschungen. „Die Idee mit den Fotos finden wir toll.“ Das meinte etwa Ulrich Gövert, Präsident des Wiehengebirgsverbandes Weser-Ems. Im Gespann mit seiner Frau Maria ist er ein erfahrener Wandertagsgänger.

Katja Schönfelder, seit vielen Jahren hauptamtlich beim Deutschen Wanderverband tätig, fasste am Info-Stand vor der Wandelhalle die Stimmung der Wander-Gemeinschaft zusammen: „Alle freuen sich, dass es endlich losgeht und dass es überhaupt möglich ist.“ Das Interesse sei groß, auch wenn unter normalen Umständen sehr viel mehr Menschen einen Deutschen Wandertag besuchten. Deutlich weniger Jüngere als sonst seien dabei, was nicht verwundere, da die Impfquote bei ihnen deutlich niedriger ausfalle und kaum Kinder geimpft seien.

Bad Wildungen war Austragungsort des ersten Deutschen Wandertages 1911

Bad Wildungen war 1911 Gastgeberin des ersten Deutschen Wandertages und ist stolz, den 120. auszurichten, der nach der Verschiebung 2020 genau 120 Jahre nach der Premiere stattfinde, betonte Ralf Gutheil. „So lange, wie Ihre, war noch keine Stadt Austragungsort“, stellte Wanderverbandspräsident Rauchfuß lächelnd fest.

Er ergänzte, dass dieser Wandertag am Sonntag nicht einmal einfach ende, da die Wanderplaketten übers gesamte Jahr zur kostenlosen Teilnahme an geführten Wanderungen der Gastgeber berechtigt. Auch das sei „eine sehr schöne, bislang einmalige Geste“ seitens der Veranstalter und Beteiligten von Stadtmarketing, Naturpark, Nationalpark und Reha-Kliniken.

Geführte Wanderungen erinnern manchmal an Klassenausflüge

Ein wenig versetzen einen geführte Wanderungen in die Atmosphäre eines Klassenausflugs: Die einen halten sich bei der Lehrerin auf und erzählen, was sie alles wissen zum Thema der Tour. Andere fremdeln, weil sie sich darunter eigentlich was ganz Anderes vorgestellt haben und wieder andere leben ihren Bewegungsdrang aus, indem sie Nebenwege erkunden.
Naturparkführerin Olivia Maschke versucht bei ihrer „Quellenwanderung“ mit Startpunkt „Königsquelle“, die Interessen unter einen Hut zu bringen. Zweieinhalb Stunden Zeit bleiben ihr an diesem Morgen bei einer der ersten Touren im Programm des Deutschen Wandertages. Etliche Teilnehmer haben im Anschluss gleich den nächsten Termin gebucht.
Keine Chance, die mehr als 20 Heilquellen der Badestadt tatsächlich abzugehen. Vielleicht reicht es nicht einmal für die drei Kilometer bis zum Bilstein, aber einen Versuch ist es wert.

Olivia Maschke (links) erläutert bei der „Quellenwanderung“ zum 120. Deutschen Wandertag in Bad Wildungen den Ursprung der Bad Wildunger Heilquellen.

Die Führerin lädt ein, die Königsquelle zu kosten, berichtet von den geologischen Formationen, durch die das Wasser fließt und in denen es seine besondere Zusammensetzung an Mineralien und anderen Stoffen erfährt, die Nieren- und Blasenbeschwerden segensreich entgegen wirken. Die erfahrenen, konditionsstarken Wanderer kribbelt es da schon in den Füßen. „Unser Ansatz reicht bei den Themen-Touren ja übers reine Wandern hinaus“, erklärt Reiner Ohlsen vom Naturpark Kellerwald-Edersee. Dafür müsse das Publikum eines Wandertages gewonnen werden.

Rund 1000 Gäste bei den geführten Wanderungen des 120. Deutschen Wandertages in Bad Wildungen

Ute Kühlewind, Chefin des Wildunger Stadtmarketings, berichtet von 85 Angeboten aus dem Repertoire von Naturpark und Nationalpark. Zugelassen waren im Schnitt wegen Corona zehn Teilnehmer. Hinzu gesellen sich zehn Gesundheitswanderungen, für die eigene Führerinnen und Führer ausgebildet wurden mit ebenfalls je zehn Gästen. Das Stadtmarketing komplettiert das Programm des 120. Deutschen Wandertages in Bad Wildungen mit 50 Gästeführungen unter gleichen Voraussetzungen.

Rund 1000 Gäste nehmen also auf diese Weise mannigfaltige Eindrücke aus der Nationalpark-Region Kellerwald-Edersee und dem Reha-Zentrum Bad Wildungen/Reinhardshausen mit. Durchaus überzeugt: „Eine malerische Landschaft, herzerfrischend und beruhigend mit freundlichen, netten Menschen und kompetenter Tourist-Info“, lobt Ulrich Gövert aus Osnabrück. Die historischen Bauten, gepflegt und genutzt, taten es ihm ebenfalls an.

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